Debatte
Werber verteidigt sein Hakenkreuz-Plakat: «Das ist keine Nazi-Keule»

Das zu einem Hakenkreuz verzerrte Schweizerkreuz sorgt für Zündstoff in der Debatte um die Durchsetzungsiniative. Im TalkTäglich auf Tele Züri hat sich dessen Urheber, der Zürcher Werber Parvez Sheik Fareed, der Diskussion gestellt.

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Keine Frage: Das Plakat mit dem zum Hakenkreuz verzerrtem Schweizerkreuz ist eine Provokation. Am Zürcher Hauptbahnhof war es auf neun Grossbildschirmen zu sehen und sollte für ein Nein zur Durchsetzungsinitiative werben.

Kreiert hat es der Zürcher Werber Parvez Sheik Fareed, der am Dienstag im «TalkTäglich» auf Tele Züri zu Gast war. «Die Nazi-Keule schwingt man immer dann, wenn einem die Argumente ausgehen. Sind Sie einfach ein fürchterlich schlechter Werber?» Mit dieser provokativen Frage an lanciert Moderator Oliver Steffen die Diskussion.

«Das ist keine Nazi-Keule», wehrt sich Sheik Fareed. Das Sujet zeige einen Fakt auf. Darum würden auch die Jahrzahlen im Plakat stehen, das die Wende damals, sprich im Dritten Reich, zum Tragen gebracht hätten.

Der Nazikeulen-Vorwurf werde schnell gebracht, wenn man nichts zum Dagegenhalten habe. Für ihn sei das Plakat auch kein Nazi-Vorwurf, sondern ein sehr differenzierter Vergleich, um auf eine Problematik hinzuweisen, bei der es um die Institutionalisierung einer Zweiklassenjustiz geht.

Das Ziel, mit dem Plakat für ein Nein zur Durchsetzungsinitiative zu werben, hat Sheik Fareed nicht erreicht, ist sich dagegen der Schweizer Kommunikationsberater Kaspar Loeb sicher. «Für mich ist, als ich das Plakat das erste Mal gesehen habe, völlig klar gewesen, dass es eine Diskussion auslösen werde, nur schon wegen dem Symbol.»

Loeb glaubt, dass das Plakat dem Nein-Lager der Durchsetzungsinitiative einen Bärendienst erwiesen hat. Viele Unentschlossene, so sein Eindruck, nachdem er Online-Kommentare gelesen hat, sei das Plakat in den falschen Hals gekommen.

«Mit dem Plakat werden diese Leute nicht auf die Seite gebracht, die Sie gerne hätten», hält Loeb Sheik Fareed vor. Das Inserat von Emil («Macht unsere Schweiz nicht kaputt. Irgendwann hört der Spass auf!») sei viel differenzierter und deshalb wirksamer.

Loeb kritisiert ausserdem: Sheik Fareed arbeite mit einem Symbol, das für eine der schlimmsten menschlichen Katastrophen stehe, die es je gegeben hat. Er findet zwar auch, dass die Durchsetzungsinitiative ein riesiges Problem sei. Aber die Durchsetzungsinitiative erfülle nicht dieselbe Dimension wie der Faschismus damals, also zur Zeit des Dritten Reiches. Genau das spreche er mit der Symbolik an. «Und das finde ich falsch.»

Sheik Fareed wehrt sich: «Die Provokation hat Substanz.» Das Plakat zeige kein vollständiges Hakenkreuz, sondern die möglichen Konsequenzen, wenn am Rechtsstaat herumgeschraubt werde. Wobei er niemandem unterstelle, dass die Befürworter der Initiative diese Intentionen haben. «Das würde ich nie machen. Das finde ich falsch.»

Sheik Fareed verweist ausserdem auf die vielen positiven Reaktionen, die er erhalten habe. Aufgrund dieser, aber auch wegen Online-Kommentaren, die er gelesen hat, fühlt er sich darin bestätigt, dass sein Plakat für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Durchsetzungsinitiative gesorgt hat.

Nicht einig sind sich die beiden auch in Bezug auf die Art und Weise, wie in der Öffentlichkeit über die Durchsetzungsinitiative diskutiert worden ist in den letzten Wochen. Jetzt rede man endlich über das Ausmass eines Ja, wenn die Initiative angenommen wird, so Sheik Farred.

Loeb kontert, dass eben nicht passiert sei, was Sheik Fareed sich erhofft habe, nämlich dass nun intensiver über die Durchsetzungsinitiative diskutiert werde. «Jetzt haben Sie Empörung angeregt.»

Zuvor, die letzten zwei bis drei Wochen, sei nämlich sehr differenziert über die Initiative diskutiert worden, so dass man sich eine Meinung bilden konnte. «Und jetzt kommt so ein Totschlagsymbol. Das stört eigentlich die Diskussion. Es hilft nicht, es behindert die Diskussion schlussendlich.» (pz)

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