«Wer wachsen will, braucht Partner»

Als Vize trug er schon länger Mitverantwortung, seit Mai ist er Chef von Tourismus Rheinfelden: Daniel Schaffhauser kennt sich in der Branche aus, konnte sein neues Amt aus dem Stand heraus übernehmen. Für Rheinfelden sieht er gute Chancen, neues touristisches Terrain zu erobern.

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Aargauer Zeitung

Peter Rombach

Zur Person

Daniel Schaffhauser (43) ist in Basel aufgewachsen und wohnt heute in der malerischen Rheinfelder Altstadt. 1996 begann er bei der Brauerei Feldschlöss-chen als Verantwortlicher für Standortmarketing und Visitcenter, war später für Marketing, Kommunikation und Sponsoring zuständig, wechselte dann in den Verkauf und betreute Grosskunden. Seit 1. Januar 2009 ist er im Verkauf für Ausbildung und Coaching des Personals verantwortlich. Die Generalversammlung des Vereins Tourismus Rheinfelden wählte Daniel Schaffhauser am 5. Mai einstimmig zum neuen Präsidenten. Erste Begegnungen mit Rheinfelden hatte er als junger Bursche, als ihn die Grosseltern sonntags oft ins Solebad im heutigen Kurzentrum mitnahmen. Der anschliessende Brunch sei immer das Schönste gewesen, erinnert er sich. (az)

Das Tourismusbüro in der Zähringerstadt ist gut positioniert. Mit ein Verdienst von Präsident Fritz Blaser, der allerdings sein Amt aus beruflichen Gründen vorzeitig an seinen Stellvertreter Schaffhauser abgegeben hat.

Sie arbeiten schon seit Jahren im Verein Tourismus Rheinfelden mit und übernahmen nun das Präsidentenamt. Was reizt sie daran?
Daniel Schaffhauser: An dem Ort, wo ich lebe, möchte ich durch zusätzliches Engagement etwas bewegen, ich möchte meinen Beitrag für die Gemeinschaft leisten. Der frühere Stadtammann Hansruedi Schnyder brachte mich vor gut zehn Jahren zum Verein Tourismus Rheinfelden. Seinerzeit war ich bei Feldschlösschen für Standortmarketing zuständig und erhielt gute Chancen, so nebenbei und als Hobby in das Tourismusgeschäft hineinzuwachsen.

Reicht es aus, dass sich Rheinfelden auf die grosse Geschichte als Zähringerstadt beschränkt, oder sehen Sie weitere touristische Gestaltungsmöglichkeiten?
Schaffhauser: Das diesjährige Motto «Geschichte erzählt Geschichten» knüpft hervorragend an das Habsburger-Jahr von 2008 an. Es ist richtig, Leute durch ein zusätzliches Thema anzusprechen und zum Besuch in Rheinfelden zu animieren. Aber Rheinfelden ist nicht nur Geschichte und Altstadt. Das touristische Umfeld kennt neben einer attraktiven Landschaft mit der Nähe zum Rhein auch Wellness, Museen, Besichtigung von Brauerei oder Saline. Da lässt sich noch manches gestalten.

War die Integration ins Stadtbüro sinnvoll oder ging da vielleicht doch zu viel Identität verloren?
Schaffhauser: Das ist eine Erfolgsgeschichte; endlich stehen wir mehr in der Öffentlichkeit, früher arbeitete das Team eher in einem Verlies. Tourismus Rheinfelden wurde von der Stadt gut aufgenommen, findet ein attraktives und kreatives Arbeitsumfeld vor, in dem sich Synergien nutzen lassen. Wir haben an Identität gewonnen. Wichtig ist, dass wir unserem Publikum Service und Leistung bieten, dass unsere Gäste die Stadt positiv erleben.

Gab es 2008 touristische Highlights und konnten neue Märkte erschlossen werden?
Schaffhauser: Die Markterschliessung bleibt eine ständige Aufgabe. Das Tourismusbüro gehört zur Stadt und ist populärer geworden. Anlässe wie Habsburger-Jahr, die schweizweit ausgestrahlte Fernsehsendung «SF bi de Lüt - Heimspiel» oder Aktionen wie «Weihnachtsfunkeln» helfen ganz entscheidend mit, unsere Stadt überregional bekannter zu machen.

Von der Erschliessung weiterer Gästesegmente

Der Jahresbericht 2008 des Vereins Tourismus Rheinfelden dokumentiert, dass sich das Habsburger-Jahr zu einem tollen Erfolg entwickelte und die regelmässig angebotenen Stadtführungen im Vergleich zu den Vorjahren einen wahren Boom erlebten: Total wurden 3107 Gäste gezählt (2007 waren es 1701). Der positive Trend hält an, denn von Januar bis April 2009 absolvierten schon 614 Wissensdurstige eine Stadtführung - im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 419.
Die Zahl der Logiernächte verrät eine gewisse Stagnation oder Auslastung vorhandener Kapazitäten: 2006 waren es 55 353, 2007 dann 54 919 und 2008 schliesslich 55 522. Vor allem angesichts der Konjunkturkrise scheint es noch ein weiter Weg, bis die magische Grenze 60 000 erreicht ist.
Zufrieden ist man in den Reihen des Tourismusvereins, dass an der Gewerbeschau im September 2008 der neue Rheinfelder Imagefilm seine Uraufführung erlebte. Erneut zeichnete das Büro für die Organisation der 1.-August-Feier auf dem Kurbrunnenareal verantwortlich, was auch in Zukunft so bleiben soll.
Das erste «Rheinfelder Weihnachtsfunkeln» und natürlich der extravagante Christbaum in der Marktgasse lockten Besucherscharen ins Städtli. Massgeblich für den Erfolg war die Kooperation von Tourismusbüro, Stadt Rheinfelden, Vereinigung Kaufstadt und Brauerei Feldschlösschen. Das Resümee für jene Aktionen lässt keine Zweifel offen: «Durch zentrale Koordination und Zusammenfügen von bestehenden Aktivitäten und Kräften kann ein Anlass gestaltet werden, der ohne grossen Zusatzaufwand Rheinfelden ins beste Licht rückt.»
Die an der Generalversammlung skizzierten Vorhaben für 2009 bestätigen den Erfolgskurs: Die Stadtführungen finden starkes Interesse, es gibt Spaziergänge zu Literaturschauplätzen und Vorbereitungen auf den «Donnschtig-Jass» im Schweizer Fernsehen. Im August feiert das Freilichttheater im Stadtpark seine Premiere: Das Tourismusbüro erwartet allein zu diesem Anlass in der Stadt gegen 5000 Gäste und sieht darin auch die Chance, für Rheinfelden weitere Gästesegmente zu erschliessen und Marketingaktivitäten zu konzentrieren. (ach)

Wie sieht denn die Marketingstrategie von Tourismus Rheinfelden aus, wenn man mehr als Altstadt oder Wellness anpreisen will?
Schaffhauser: Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die unter dem Titel «Rheinfelden 2015» ein Strategiepapier erstellt. Gesundheit und Wellness werden starke Pfeiler bleiben, ebenso die Hotellerie mit ihrem Seminarwesen. Die intensive Pflege von Partnerschaften mit Unternehmen bleibt für Tourismus Rheinfelden ein besonderes Anliegen. Wir geniessen doch den Vorteil, ein Riesenangebot auf engstem Raum zu haben, und müssen nur noch die idealen Gästepakete schnüren. Das erfordert stärkere Kommunikation nach aussen, um - wie vorhin gesagt - auf unsere Spezialitäten aufmerksam zu machen. Allerdings ist auch ein Innenmarketing notwendig, um mit Institutionen wie Kaufstadt, Gewerbeverein oder anderen Vereinen zusammenzuspannen. Die machen nämlich alle einen guten Job. Rheinfelden braucht eben eine Bündelung der Kräfte, um künftig am Tourismusmarkt erfolgreich partizipieren zu können.

Schätzen Sie die Kooperation mit anderen Tourismusorganisationen oder favorisieren Sie einen eigenständigen, individuellen Weg?
Schaffhauser: Wer wachsen will, braucht Partner, folglich gibt es keinen individuellen Weg für Rheinfelden. Wir pflegen Kontakte zu den beiden Basler Kantonen und zu Aargau-Tourismus und vertreten dabei ganz stark Rheinfelder und nicht zuletzt Fricktaler Interessen. Lassen Sie mich von einer gewissen Scharnierfunktion sprechen.

In welchem Mass sind Übernachtungszahlen ein Gradmesser für touristischen Erfolg?
Schaffhauser: Das ist keine Kennzahl, wir schauen nicht extrem darauf. Aber wünschenswert wäre es schon, wenn sich die Bettenkapazität ausbauen liesse. Vor allem fehlen uns Hotels im Mittel- und Niedrigsegment.

Was erwarten Sie im ersten Jahr Ihrer Präsidentschaft; gibt es Ungewöhnliches, wodurch sich Rheinfelden auszeichnet?
Schaffhauser: Bedingung für die Übernahme des Präsidentenamtes war, dass der bestehende Vorstand zusammenbleibt und auch die Mitarbeitenden im Büro weitermachen. Damit sollte konstantes Arbeiten signalisiert werden. Wir müssen auf dem Positiven aufbauen, schliesslich sind dank bedeutenden Anlässen riesige Fundamente vorhanden, die den Rheinfelder Tourismusbetrieb tragen. Es gibt viele Leute und Gruppierungen, die uns unterstützen und den Namen der Stadt weit hinaustragen. Denken Sie nur daran, dass beispielsweise die Stadtmusik vergangenes Wochenende am Aargauer Musiktag in Sulz erfolgreich mitwirkte.

Könnten Sie ein Idealbild von einem Feriengast zeichnen, für den Rheinfelden ein Muss darstellt?
Schaffhauser: Ein optimaler Gast ist, wer seinen Aufenthalt toll gestaltet hat, von Rheinfelden und Umgebung schwärmt und zu Hause glücklich von seinen Impressionen erzählt. Unsere Stadt bietet Familien mit Kindern, Gruppenreisenden und Kurzausflüglern gleichermassen vielfältige Erlebnisse und Wissenswertes angesichts der zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Klar, unsere Zielgruppe sind Leute im Bereich «30 plus», das gilt nicht nur fürs Open-Air-Kino im August auf dem Schalanderplatz von Feldschlösschen. Das Potenzial von treuen Gästen, die Rheinfelden schätzen lernten und regelmässig wiederkommen, ist beachtlich und erfüllt uns mit Zufriedenheit.

In welcher Form könnte die badische Nachbarstadt, die ja eher touristisches Niemansland ist, von Tourismus Rheinfelden profitieren?
Schaffhauser: Das badische Rheinfelden ist ein starker Partner, vielleicht nicht ganz im touristischen Sektor. Aber entscheidend ist doch, dass wir miteinander kommunizieren, gemeinsame Projekte sauber absprechen. Dann profitiert jeder vom anderen. Die aktuelle Diskussion um die zeitliche Nähe von zwei Gauklerfestivals in beiden Rheinfelden erscheint mir etwas unglücklich, aber man sollte sie auch nicht überbewerten. Sie zeigt allerdings, wie wichtig Terminkoordinationen sind, auf die ein attraktives Kulturangebot immer angewiesen ist.