Baselland
«Wer sich nicht in der Lage fühlt zu fahren, setzt sich nicht ans Steuer»

Im Streit um den Fahrtauglichkeits-Check bei Senioren hält Ärztegesellschaft-Präsident Lukas Wagner am Hausarztprinzip fest.

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Wagner

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Schweiz am Sonntag

Bojan Stula

Die in der vergangenen «Sonntag bz» veröffentlichen Pläne der Motorfahrzeugkontrolle Basel-Landschaft (MFK), die Kontrollen zur Fahrtauglichkeit über 70 Jahren künftig nur noch von speziellen Vertrauensärzten durchführen zu lassen, sorgen für Aufregung. Insbesondere die Hausärzte beider Basel, die bisher die Mehrheit dieser medizinischen Checks durchgeführt haben, wollen von einem derartigen Systemwechsel nichts wissen. Der Birsfelder Arzt Lukas Wagner, Präsident der Ärztegesellschaft Baselland, erklärt warum.

Lukas Wagner, die Ärztevereinigungen beider Basel haben bereits vor Jahren einmal geäussert, dass sich das jetzige System der Fahrtauglichkeitskontrollen bei Senioren durch Hausärzte bewährt hat. Halten Sie an dieser Aussage fest?

Lukas Wagner: Diese Aussage ist immer noch richtig.

Den Hausärzten wird aber immer wieder vorgeworfen, bei langjährigen Patienten Gefälligkeitsgutachten zu erstellen, um diese nicht durch einen allfälligen Verlust des Fahrausweises zu brüskieren. Der Baselbieter MFK-Leiter Pascal Donati spricht in diesem Zusammenhang vom «fehlenden Mut» der Hausärzte, zweifelhafte Fälle den Behörden zu melden.

Die Hausärzte kennen ihre Patienten sehr gut. Die Gefahr, es würden Gefälligkeitsentscheide gefällt, ist eine Vermutung, die nicht belegt ist. Eine Arbeitsgruppe der Ärzte hat sich dieses Problems angenommen und detaillierte und klare Vorschläge erarbeitet, wie diese Untersuchungen durchzuführen sind. Fühlt sich ein Hausarzt trotzdem nicht in der Lage, einen Entscheid zu treffen, kann er den Patienten entweder einem Vertrauensarzt zuweisen oder für eine Probefahrt aufbieten lassen.

Was spricht gegen den Systemwechsel vom Hausarzt zum Vertrauensarzt?

Ein Vertrauensarzt kann nur aus einer einzigen Untersuchung und Befragung heraus entscheiden, ob jemand fahrtüchtig ist oder nicht. Dabei können auch wichtige Informationen vom Probanden verschwiegen werden. Das jetzige System hat sich bewährt, ist kostengünstig, angemessen und sicher genug. Zudem gibt es ja schon eine grosse Anzahl Vertrauensärzte. Den Probanden ist es also freigestellt, statt dem Hausarzt einen solchen Arzt aufzusuchen.

Was würde die künftige Übernahme der Senioren-Checks durch Vertrauensärzte, wie von den beiden Kantonen angestrebt, für die hiesigen Hausärzte bedeuten? Der Systemwechsel soll ja bereits Mitte 2010 kommen.

Es wäre nicht, wie Sie vielleicht erwarten, ein finanzieller Verlust. Die Kosten für diese Untersuchung bewegen sich in einem sehr angemessenen Rahmen - in der Regel je nach Aufwand im Bereich von 100 bis 120 Franken - und werden wie alle Leistungen in den Hausarztpraxen sehr kostengünstig, schnell und unkompliziert erbracht. Ausserdem sind diese Untersuchungen gemessen am ganzen Arbeitsalltag ein vernachlässigbar kleiner Anteil. Aber es wäre eine Misstrauenserklärung des Staates an «seine» Hausärzte, die weder wir Ärzte noch die Bevölkerung nachvollziehen könnten. Abgesehen davon wären die Kosten für den Staat wesentlich höher, wenn er alle Probanden selber untersuchen müsste.

Ab welchem Alter sollten laut Meinung der Ärztegesellschaft Seniorinnen und Senioren zur Fahrtauglichkeitsuntersuchung antreten müssen? Die MFK Basel-Landschaft plant, die Altersschwelle von bisher 70 auf 80 bis 85 Jahre hinaufzusetzen.

Eine regelmässige Kontrolle ab 70 Jahren ist vernünftig.

Gibt es aus Ihrer Sicht Alternativen zur jetzigen Form der Überprüfung der Fahrtauglichkeit von Senioren?

Alle uns bekannten Alternativen wären entweder teurer oder unangemessen kompliziert und ohne bessere Aussagekraft. Jede Untersuchung, wie auch immer sie gestaltet wird, weist ein «Restrisiko» auf. Kein Arzt kann in die Zukunft schauen, auch ein Vertrauensarzt nicht. Die Fahrtauglichkeit ist immer auch eine Frage der persönlichen Entscheidung. Wer sich nicht in der Lage fühlt zu fahren, sitzt nicht ans Steuer. Das gilt für alle, auch für ältere Personen.

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