Lotto-Jackpot
Wer seinem Kanton helfen will, darf beim Lottospielen nicht fremdgehen

Swisslos schüttet seine Erträge vollumfänglich an die Kantone aus. Verteilt wird das Geld nicht nur nach Bevölkerungsgrösse, sondern auch nach Spielfreudigkeit. Davon profitieren Kantone, in die viele Menschen pendeln – denn diese versuchen ihr Glück oft am Arbeitsort.

Thomas Schlittler
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Das Schweizer Zahlenlotto hat 39 Ziehungen ohne Gewinner hinter sich. Morgen winkt deshalb ein Rekord-Jackpot von fast 40 Millionen Franken. Bild: Keystone

Das Schweizer Zahlenlotto hat 39 Ziehungen ohne Gewinner hinter sich. Morgen winkt deshalb ein Rekord-Jackpot von fast 40 Millionen Franken. Bild: Keystone

KEYSTONE

Die Schweiz ist im Lotto-Fieber: In den vergangenen 39 Ziehungen hat niemand sechs Richtige und die korrekte Zusatzzahl auf den Tippzettel geschrieben. Das hat es vorher noch nie gegeben – deshalb winkt am Samstag ein Rekord-Jackpot von fast 40 Millionen Franken. Aufs Komma genau ist nicht vorhersehbar, wie viel es am Ende tatsächlich zu gewinnen gibt. Denn mit jedem einzelnen Tipp steigt der Jackpot weiter an. Schliesslich fliessen von jedem eingesetzten Franken 55 Rappen in den Pot.

Die Aussicht auf ein Haus aus Gold, eine Jacht mit Helikopterlandeplatz oder 3’038’461 Big-Mac-Menus (Medium natürlich!) treibt die Schweizer in Massen an die Kiosk-Verkaufsstellen. Am letzten Mittwoch wurden 650’000 Scheine eingelöst. Am Samstag erwartet Swisslos, die schweizerische Lotteriegesellschaft für die Deutschschweizer Kantone und das Tessin, gar 800’000 Scheine. Bei einem «normalen» Jackpot muss Swisslos rund 200’000 Scheine auf die richtigen Zahlen überprüfen.

Fonds für gemeinnützige und wohltätige Projekte

Die Lotto-Euphorie freut die Kantone. Denn je mehr Leute mitspielen, desto höher der Reingewinn von Swisslos – und dieser fliesst vollumfänglich in die kantonalen Swisslos-Fonds. Diese Fonds verteilen die Gelder an gemeinnützige und wohltätige Projekte aus den Bereichen Kultur, Sport, Umwelt und Soziales. Von jedem eingesetzten Glücksspiel-Franken fliessen 31 Rappen in diese Fonds. 2013 kamen dadurch in der Deutschschweiz und im Tessin 335 Millionen Franken zusammen.

Die Verteilung der Gelder geschieht nicht nur nach der Bevölkerungsgrösse der Kantone, sondern auch nach deren Spielfreudigkeit. Das heisst, mit jedem Lottoschein, der in einem Kanton eingelöst wird, steigt dessen prozentualer Anteil am Swisslos-Pot. Gemäss Willy Mesmer, Bereichsleiter Wettbewerbe und Betrieb bei Swisslos, profitieren davon tendenziell Kantone, die viele Pendler aus anderen Kantonen – oder anderen Ländern – anziehen: «Denn die meisten Leute spielen dort Lotto, wo sie arbeiten.»

Tessin ist der grosse Gewinner

Die Zahlen bestätigen Mesmers Einschätzung: Der Kanton Tessin kommt im Verhältnis zu seiner Grösse am besten weg. Würden die 335 Millionen von Swisslos nur nach der Einwohnerzahl der Kantone aufgeteilt, wären dem Tessin im Jahr 2013 19,2 Millionen Franken zugestanden. Weil im Tessin aber überproportional viele Lottoscheine eingelöst wurden, erhielt die Sonnenstube der Schweiz 21 Millionen Franken – also 1,8 Millionen mehr. Die 60’000 italienischen Grenzgänger dürften einen wichtigen Teil dazu beigetragen haben.

Auch andere Kantone mit vielen Zupendlern kommen bei der Verteilung der Swisslos-Gelder gut weg: Zürich (plus 470’000 Franken), Basel-Stadt (plus 384’000) und Zug (plus 244’000 Franken) gehören allesamt zu den Gewinnern. Viele Kantone mit einem negativen Pendlersaldo bekommen dagegen von Swisslos weniger Geld, als ihnen gemäss ihrer Grösse zustünde. Am schlechtesten weg kommen zwei Ostschweizer Kantone: Dem Thurgau gehen wegen der wenigen Lottospieler 835’000 Franken durch die Lappen, im St. Galler Swisslos-Fonds fehlt gar eine Million. Auch der Kanton Basel-Land wird von Swisslos benachteiligt: Würde an den Kiosken im Baselbiet so viel Lotto gespielt wie im Schweizer Durchschnitt, bekäme der Kanton 548’000 Franken mehr. Das Problem auch hier: Viele Baselbieter arbeiten in Basel-Stadt.

Aargauer und Solothurner tanzen aus der Reihe

Wer seinen Kanton also unterstützen will, darf beim Lotto spielen nicht fremdgehen. Mesmer von Swisslos: «Die Kantone Fribourg und Thurgau haben gar mal eine Kampagne gestartet, um die einheimische Bevölkerung dazu zu ermuntern, ihre Scheine an Kiosken im eigenen Kanton einzulösen.»

Es stimmt aber nicht in jedem Fall, dass Kantone mit vielen Wegpendlern bei der Verteilung von Swisslos-Geldern schlecht wegkommen. Der Kanton Solothurn zum Beispiel bekam 2013 366’000 Franken mehr, als ihm gemäss seiner Grösse zustand – und das, obwohl der Kanton einen deutlich negativen Pendlersaldo aufweist. Und auch der Aargau wurde von Swisslos im Verhältnis zu seiner Grösse gut berücksichtigt (plus 99’000 Franken), obwohl deutlich mehr Aargauer in einem anderen Kanton arbeiteten als umgekehrt. Das lässt nur einen Schluss: Die Aargauer und Solothurner spielen mehr Lotto als andere.

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