Herr Hauser, Schaffhausen kennt als einziger Kanton der Schweiz den Stimmzwang. Erklären Sie mal...

Thomas Hauser: Es ist simpel. Wer nicht abstimmen oder wählen geht und sich nicht innerhalb von drei Tagen entschuldigt oder das Abstimmungsmaterial zurückbringt, bekommt eine Busse von drei Franken. Wer  in einem Jahr drei Abstimmungen verpasst, zahlt zum Beispiel neun Franken.

Die Busse muss dann auch wirklich bezahlt werden?

Das ist so. Das Stimmvolk bestätigte diese Praxis im Jahr 1982. In den Neunziger- und den Nullerjahren gab es im Kantonsrat erneut Anläufe zur Abschaffung, die aber scheiterten.

Warum setzen sich Schaffhauser Bevölkerung und Politik freiwillig diesem Zwang aus?

(lacht) Wissen Sie, die Schaffhauser haben einen gewissen Stolz. Wir haben regelmässig die höchste Stimmbeteiligung in der Schweiz. Meistens liegt sie um die 60 Prozent. Dafür wurden wir auch schon mehrmals vom Bund ausgezeichnet. Wir freuen uns, wenn es am Abend nach einer Abstimmung in der Tagesschau heisst, dass wir schon wieder die höchste Beteiligung hatten.

Jetzt soll die Busse nach dem Willen des Kantonsparlamentes auf sechs Franken verdoppelt werden. Der Vorschlag dazu kam von Ihnen. Ist das wirklich nötig?

Ja. Der Stimmzwang darf nicht defizitär sein. Drei Franken reichen nicht, um den Aufwand für die Vollzug des Stimmzwangs zu decken. Wenn Sie jeden säumigen Stimmbürger heraussuchen, ihn allenfalls mahnen und vielleicht noch persönlich kontaktieren müssen, kostet das mehr als drei Franken.

Erhoffen Sie sich von der Verdoppelung eine noch höhere Stimmbeteiligung?

Das wäre ein positiver Nebeneffekt. Mir ging es bei meinem Vorstoss primär darum, dass die Verwaltung kostendeckend arbeiten kann.