Armeereform
Wer mehr kann, soll weniger lang in die RS

Die Ausbildungsdauer soll von zivilem Vorwissen abhängen. Und Durchdiener möchte der Armeechef André Blattmann vermehrt im Ausland sehen. Auf die Frage, wozu man die Armee brauche, meinte Blattmann: für Naturkatastrophen.

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Keystone

Erstmals redet Armee-Chef André Blattmann Klartext zum Armeebericht, den der Bundesrat am Freitag verabschiedet hat. Blattmann skizziert effizientere und kostengünstigere Modelle der künftigen Rekrutenschulen. Wer eine längere RS macht, absolviert weniger Wiederholungskurse, und umgekehrt.

Dem Armeechef schwebt eine massgeschneiderte Rekrutenschule vor: «Wer schon Wissen aus seinem Beruf mitbringt, zum Beispiel ein Lastwagenmechaniker, muss weniger lang in die RS als ein anderer.»

Da das Parlament Änderungen der Dienstpflicht beschliessen muss, ist eine Einführung der neuen Modelle wohl erst ab 2015 möglich.

Für Durchdiener kann sich Blattmann vermehrt freiwillige Auslandeinsätze vorstellen:«Denkbar wäre, dass sie Auslandeinsätze leisten.» Das käme deutlich günstiger als heute mit Soldaten, die einen regulären Arbeitsvertrag und einen regulären Lohn erhalten.

Noch Jahre im Kosovo

André Blattmann sieht neben dem Kosovo-Engagement der Schweizer Armee aber keine neuen Einsatzorte im Ausland. Die 1000 Plätze, die laut dem Armeebericht für Auslandeinsätze vorgesehen sind, wären damit alle für den Kosovo reserviert, wo man laut Blattmann «noch Jahre» bleibe. Er meint jedoch, dass 1000 Personen das Maximum sei und das Kontingent nicht ausgeschöpft werden müsse.

Festungen bergen grosses Sparpotential

Statt 5 Milliarden erhält die Armee nur 4 Milliarden Franken. Um sofort Sparmassnamen einzuleiten, schwebt Blattmann die Aufhebung der Festungen under Festungsartillerie vor. Damit liesse sich sofort Geld sparen. Der Armee-Chef stellt im Interview auch klar, dass eine kleinere Armee weniger wird leisten können als bisher – unter anderem auch bei Sport-Grossereignissen.

Armee wie eine Versicherung

Auf die Frage, wozu man das Militär brauche, erwähnte Blattmann speziell Einsätze nach Naturkatastrophen: «Die Armee ist wie eine Versicherung», meinte er gegenüber der Aargauer Zeitung. Mögliche kriegerische Auseinandersetzungen in Europa sieht Blatt man momenten nicht aufkommen. Aber man wisse nie: «Die Wirtschaftskrise hat auch niemand vorher gesehen. Ebenso wenig wissen wir, wie sich die Sicherheitslage entwickeln wird.»

Alt-Militärs gegen Armeebericht

Gestern ist auch bekannt geworden, dass Bürgerliche und Ex-Offiziere mit einer Volksinitiative auf den Armeebericht reagieren wollen. Damit soll die «Zerstörung der Armee» gestoppt werden. Die Gruppe Giardino plant einen Schulterschluss mit der Auns, FDP- und CVP-Kräften sowie Schützenvereinen. (ChD/cbk)