Zivildienst
Wer keine Arbeit findet, soll Zivildienst leisten dürfen

Ausländer sind von Jugendarbeitslosigkeit überdurchschnittlich betroffen. Auf der anderen Seite bestünde ein grosser Bedarf an Zivildienstleistenden. Die Folgerung ist für die Basler Grünen-Nationalrätin einfach.

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Wer keine Arbeit finden kann_2

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Keystone

Daniel Ballmer

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz steuert auf ein Rekordhoch zu. Schon heute sind bei den 20- bis 24-Jährigen über fünf Prozent ohne Stelle. Ende Jahr sollen es gar sechs Prozent sein. «Ab August ist mit einem starken Anstieg zu rechnen, weil dann die Jungen aus Schule und Lehre kommen», erklärt Hansjürg Dolder, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt (AWA). Im nächsten Jahr könnte die Quote gar auf 9,3 Prozent steigen - ein Wert, wie er seit Jahrzehnten nie erreicht wurde. 30 000 wären ohne Stelle.

Gerade in Krisenzeiten sei Jugendarbeitslosigkeit ein grosses Problem, betont die Basler Grünen-Nationalrätin Anita Lachenmeier: «Je länger Jugendliche einem geregelten Tagesablauf entzogen sind, desto schwerer fällt ihnen die Integration in die Arbeitswelt.» Dazu kämen soziale und finanzielle Probleme, die sich auf die persönliche Entwicklung und den Lebensweg negativ auswirkten. Das Problem Jugendarbeitslosigkeit sei nun rasch anzugehen.
Und Lachenmeier hat auch einen Lösungsvorschlag: Mit dem Zivildienst hätte die Schweiz ein erprobtes System gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Viele hundert Institutionen böten Stellen im Sozial- und Umweltbereich. Lachenmeier: «Dort verrichten sie wertvolle Arbeit zum Wohl der Gesellschaft. Aufgaben, die sonst mangels finanzieller Mittel nicht wahrgenommen werden können.»

Doch: Das Angebot besteht nur für junge Schweizer. Frauen und ausländische junge Erwachsene sind ausgeschlossen.
Per Interpellation fragt Lachenmeier nun an, ob der Bundesrat bereit ist, freiwillige Zivildiensteinsätze von drei bis zwölf Monaten auf Ausländer und Frauen auszuweiten. Gerade Ausländer seien überdurchschnittlich von Jugendarbeitslosigkeit betroffen. Eine Ausweitung des Zivildienstes könne dem entgegenwirken und zudem vielen sozialen Betrieben Unterstützung bieten. Denn:

Die Nachfrage übersteige das Angebot Zivildienstleistender klar. Sei der politische Wille vorhanden, wäre eine Ausweitung fürs Erste «sicher mit einer unkomplizierten befristeten Übergangslösung zu regeln», glaubt Lachenmeier.

«Wir wollen Junge möglichst aktiv halten», sagt AWA-Leiter Dolder. So sei der Vorstoss sicher zu unterstützen. Und doch sei er eigentlich unnötig. Denn über die Arbeitslosenversicherung könnten Jugendliche bereits eingesetzt und erst noch besser betreut werden. Anita Lachenmeier sieht dies anders: «Im Zivildienst kann man sehr positive Erfahrungen sammeln, die man keinem Jugendlichen vorenthalten sollte.» Das Arbeitsamt sei dazu keine Alternative, betont Lachenmeier. «Denn es geht mir nicht nur um die Jugendarbeitslosigkeit, sondern generell um einen freiwilligen Dienst an der Gesellschaft.»

Ein «Hoffnungsschimmer» bleibt so oder so: «In den nächsten Jahren dürfte sich die Jugendarbeitslosigkeit überdurchschnittlich zurückbilden, da aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger Jugendliche ins Erwerbsalter kommen werden», sagt Dolder. Allerdings werde es weiterhin Junge geben, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt gering seien und die intensiv zu unterstützen seien.

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