Kampfjets im Einsatz
Wer entscheidet, ob eine Zivil-Maschine beschossen wird? 6 Fragen und Antworten zum El-Al-Zwischenfall

Schweizer F/A-18-Jets haben eine israelische Linien-Maschine durch den Luftraum eskortieren müssen. Wir klären offene Fragen zu dem Thema.

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Zwei F/A-18-Kampfjets der Schweizer Luftwaffe haben am Dienstagmorgen eine Abfangaktion durchgeführt. Dabei kam es zwei Mal zu einem Überschallknall. (Archivbild)

Zwei F/A-18-Kampfjets der Schweizer Luftwaffe haben am Dienstagmorgen eine Abfangaktion durchgeführt. Dabei kam es zwei Mal zu einem Überschallknall. (Archivbild)

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Wer hat die Schweizer Luftwaffe alarmiert?

Informiert haben die französischen Kollegen, wie Luftwaffe-Sprecher Jürg Nussbaum der Nachrichtenagentur SDA sagte. Daraufhin starteten Kampfjets in Payerne VD, nahmen die Linienmaschine an der französischen Grenze in Empfang und begleiteten sie bis zur österreichischen Grenze. Im österreichischen Luftraum blieb die Boeing 747 der Fluggesellschaft El Al nur kurze Zeit, bevor sie den italienischen Luftraum erreichte, wo sie von der dortigen Luftwaffe «abgeholt» wurde.

Wie lange dauert es, bis die Jets bei der Boeing sind?

Das «Projekt Luftpolizeidienst 24» sieht vor, werktags zwischen 8 und 18 Uhr in maximal 15 Minuten zwei bewaffnete F/A-18 in die Luft zu bringen. Nach dem Start erreichen diese ihr Ziel in kurzer Zeit: Man kann also davon ausgehen, dass die Schweizer Jets nach der Alarmierung in 15 bis 20 Minuten bei der El-Al-Maschine waren.

Was ist eine «Live Mission»?

Bei einer «Live Mission» kontrollieren Schweizer Jets stichprobenartig fremde staatliche Flugzeuge, die mit einer diplomatischen Freigabe durch unseren Luftraum fliegen.

Was ist eine «Hot Mission»?

Eine «Hot Mission» steht an, wenn Flugzeuge die Lufthoheit der Schweiz verletzen oder die Luftverkehrsregeln «in schwerwiegender Weise» brechen – also wenn sie zum Beispiel in Flugverbotszonen eindringen.

Die El-Al-Maschine am Dienstagmorgen über der Schweiz

Die El-Al-Maschine am Dienstagmorgen über der Schweiz

Flightradar24.com

Warum wurde die Boeing überhaupt eskortiert?

Es handelt sich um ein Standard-Prozedere, um die maximale Sicherheit zu garantieren: Erst wenn die Piloten ein solches Flugzeug anfliegen, können sie durch Sichtkontakt nachprüfen, ob die Situation in der Maschine so ist wie angegeben. Ausserdem ist erst dann eine Kommunikation mit den anderen Piloten neben dem Funk möglich.

Wer entscheidet, ob ein Verkehrsflugzeug beschossen wird?

In einem Worst Case liegt die Entscheidung für einen Schuss beim Pilot. Eine Ausnahme bildet unter anderem das WEF in Davos: Hier ist der entsprechende Luftraum gesperrt, die F/A-18-Piloten sitzen permanent in ihren Jets und sind bereit für einen Alarmstart. Wenn in so einer Situation ein Ernstfall passieren würde, hätte der Verteidigungsminister das letzte Wort, bevor scharf geschossen würde.