Wer darf die Villa Isler umbauen?

Villa Isler

Villa Isler

Damit das Freiämter Strohmuseum einziehen kann, soll die Villa Isler in Wohlen für 3,5 Millionen Franken umgebaut werden. Der Gemeinderat hat diesen Auftrag an ein Zürcher Architekturbüro vergeben. Dagegen führt ein Team von drei Wohler Architekten Beschwerde.

Fabian Hägler

Auf der Homepage des Zürcher Architekturbüros Hull & Radlinsky scheint alles klar. Unter «Projekte» ist dort zu lesen: «Das Freiämter Strohmuseum wird neu in einer ehemaligen Fabrikantenvilla der Wohlener Strohindustrie eingerichtet.»

Mitte Dezember hatte der Wohler Gemeinderat den zwei jungen Architektinnen Vanessa Hull (34) und Silvia Radlinsky (33) den Zuschlag für den Umbau der Villa Isler erteilt. Die sechs anderen Teams, die sich an der Ausschreibung beteiligten, hatten das Nachsehen.

Beschwerde gegen Vergabe

Noch steht aber nicht fest, dass Hull und Radlinsky diesen Auftrag auch tatsächlich ausführen können. «Einer der unterlegenen Bewerber hat eine Submissionsbeschwerde gegen die Vergabe eingereicht», bestätigt der Wohler Bauverwalter Marcel Wegmann. Es handelt sich dabei um das Team der drei Wohler Architekten Urs Müller (Urs Müller Architekten + Planer), Benno Kohli (Stutz Kohli Architekten) und Hans Furter (Furter Epple Partner). «Die Beschwerde ist vergangene Woche eingegangen, der Gemeinderat wird sie nun behandeln und dazu Stellung nehmen», erläutert Wegmann.

Verwaltungsgericht muss entscheiden

Danach können die Beschwerdeführer nochmals eine Antwort einreichen, schliesslich entscheidet das Verwaltungsgericht. Lukas Pfisterer, der Anwalt der Beschwerdeführer, äussert sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zum Inhalt der Beschwerde. «Wir kritisieren formelle und materielle Punkte», sagt er. Seine Mandanten fechten die Vergabe an sich an und beanstanden zudem die Bewertung bei allen Vergabekriterien.

Zuschlag für die teurere Offerte

Gemäss Bauverwalter Marcel Wegmann wurden bei der Submission durch die Gemeinde drei Elemente jeweils zu rund einem Drittel gewichtet: Erfahrung und Know-how bei ähnlichen Projekten, Auftragsanalyse und Preis.
«Bei unserer Submissionsbeschwerde spielt auch der Preis eine Rolle», erklärt Lukas Pfisterer. Er bestätigt konkret, dass die Offerte der drei Wohler Architekten «markant günstiger» sei als das Angebot des Zürcher Büros, das von der Gemeinde den Zuschlag erhalten habe.

«Wir offerieren einen fairen Preis»

Vanessa Hull, Teilhaberin bei Hull & Radlinsky, räumt diesen Preisunterschied ein. «Wir sind aber überzeugt, dass wir einen fairen Preis gemacht haben, der eher an der unteren Grenze für solche Projekte liegt», sagt sie. Beim Umbau von denkmalgeschützten Liegenschaften seien Zeit und Sorgfalt notwendig. «Für hohe Qualität gibt es keine Lösungen von der Stange, vieles muss neu und sachgerecht erarbeitet werden», betont Hull.
Auch bei den zwei anderen Vergabekriterien sieht sie das Angebot ihres Büros in einer vorteilhaften Position. «Wir haben das denkmalgeschützte Haus des Kunstsammlers Werner Coninx in Zürich in ein Museum umgebaut», erklärt sie. In den Jahren 2008 und 2009 wurde das Projekt für 3,7 Mio. Franken realisiert.

Coninx-Museum als Referenz

Die stattliche Liegenschaft am Zürichberg wurde 1911 von den Architekten Pfleghard und Häfeli als Wohnhaus der Familie Coninx erbaut. In Wechselausstellungen zeigt die Coninx-Stiftung darin die umfangreiche Sammlung des Kunstsammlers Werner Coninx. «Da gibt es viele Ähnlichkeiten zur Villa Isler», verweist Hull auf ihre Referenz.
Ihre Auftragsanalyse habe die Wohler Bauverwaltung als detailliert und vertieft beurteilt. «Unser Angebot hat objektiv gut abgeschnitten, wir hoffen, dass wir den Zuschlag definitiv erhalten», blickt Hull voraus.

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