Amoklauf Menznau
Wer aus Notwehr einen Menschen tötet, bleibt straflos

Gemäss Medienberichten hat ein Arbeitskollege von Viktor B. den Amokläufer erschossen. Kriminologe Martin Kilias erklärt, warum der Mitarbeiter sich keine Sorge um Strafverfolgung machen muss: Wer aus Notwehr einen Menschen tötet, bleibt straflos.

Karen Schärer
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Viktor B. sei an einer Schussverletzung gestorben, so die Polizei. (Archiv)

Viktor B. sei an einer Schussverletzung gestorben, so die Polizei. (Archiv)

key/az

Viktor B. sei an einer Schussverletzung gestorben, hat die Polizei bekannt gegeben. Doch was, wenn er sich nicht selbst getötet hat, sondern, wie dies mehrere Medien gestützt auf Augenzeugenberichte vermelden, durch Mitarbeitende der Firma erschossen wurde? Muss diejenige Person, die gefeuert hat, mit Strafverfolgung rechnen? Die Frage geht an Martin Kilias, Strafrechtsprofessor an der Universität Zürich. Es sei durchaus mit der Eröffnung eines Strafverfahrens zu rechnen, erklärt Kilias auf Anfrage. Dieses könne aber auch ohne Gerichtsverfahren eingestellt werden, wenn der Staatsanwalt zum Schluss komme, dass die Abwehr durch Notwehr gerechtfertigt oder entschuldbar erscheint.

Das Strafgesetzbuch erlaubt die «rechtfertigende Notwehr». Dazu gehört, dass man jemanden erschiessen darf, der um sich schiesst. «Angriffe dürfen in einer angemessenen Weise abgewehrt werden», erklärt Kilias.

Gemäss Medienberichten berichteten Mitarbeiter, der Schütze Viktor B. sei mit einem Stuhl angegriffen und niedergeschlagen worden. Beim Sturz sei ihm die Pistole aus der Hand gefallen. Ein Arbeitskollege habe diese genommen und den Amokläufer erschossen. Lag er tatsächlich am Boden, als der letzte Schuss fiel, könne man Notwehr nicht geltend machen, sagt Kilias. «Trotzdem kann der Mitarbeiter, der geschossen hat, straflos bleiben.» Dann nämlich, wenn die Person in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff handelte. Das Gesetz erlaube hier Interpretationsspielraum, sagt der Kriminologe.

Viktor B. hat am vergangenen Mittwochmorgen auf dem Fabrikgelände der Kronospan im luzernischen Menznau auf Arbeitskollegen geschossen. Zwei Personen starben vor Ort, eine weitere Person erlag im Spital ihren Verletzungen. Sechs weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Ging man in der Öffentlichkeit zunächst noch davon aus, dass sich Viktor B. nach der Tat selbst gerichtet hat, kursieren nun anderslautende Gerüchte. Dass ein Selbstmord zurzeit zumindest nicht zweifelsfrei feststeht, ist klar: Sonst hätte die Polizei diesen schon längst bestätigt.