Littering

Wer Abfall liegenlässt bezahlt!

Verschmutzung:  Auch im Wasser liegt der Abfall. (Fotos: Alexander Winkler)

Abfall.Wasser

Verschmutzung: Auch im Wasser liegt der Abfall. (Fotos: Alexander Winkler)

Von einer «schleichenden Vermüllung des Aareufers» spricht Alexander Winkler. Er ist bei weitem nicht der einzige, den das «Littering» nervt. Nun reagieren die Behörden mit weiteren Massnahmen. Ab dem ersten Januar 2010 werden Abfallsünder gebüsst.

Kim Allemann

Der Sommer lockt die Menschen an die Aare. Es wird grilliert, gebadet, gefeiert. Nur leider bleibt nach dem Picknicken am Wasser oft etwas liegen: Pet- und Weinflaschen, leere Chipspackungen, Alu-Dosen, Plastikfolien, Zigarettenstummel. Der liegengelassene Müll stösst bei vielen Nutzern des Naherholungsgebietes auf Unverständnis. Auch Alexander Winkler aus Leuzigen nervt sich über den Abfall, den er jeweils auf seinen Biketouren entlang der Aare nach Biel zu Gesicht bekommt. Vor einigen Wochen beschloss er deshalb an einem freien Tag mit dem Velo von Leuzigen nach Biel, auf der anderen Uferseite nach Solothurn und wieder zurück nach Leuzigen zu fahren und dabei sämtlichen Abfall einzusammeln, den er fand. «Ich wollte wissen, wieviel Abfall es entlang der Aare gibt», erklärt der 30-Jährige. Gegen 11 Uhr machte er sich auf den Weg. Ganze drei Stunden benötigte er für den ersten Kilometer.

«Um 14 Uhr hatte ich die ersten 35 Liter Müll zusammen. Nach drei Kilometern waren bereits drei Säcke gefüllt. Bis nach Biel bin ich gar nie gekommen», sagt der Arbeitssicherheitsingenieur, der im Umweltbereich tätig ist. Das Ergebnis war ernüchternd: In Arch zählte Winkler 26 Blechdosen, 60 PET-Flaschen, 9 Glasflaschen, Unmengen an Plastikschnipsel, diverse Plastikverpackungen, zerbrochene Glasflaschen, eine Velopumpe, einen Regenschirm, Anglerbesteck, ein Kondom und eine Spritze.

Neu: Bussen gegen «Littering»

Obwohl das Amt für Umwelt (AfU) mittels Präventionskampagnen immer wieder versucht, die Bevölkerung auf das Littering-Problem zu sensibilisieren sammeln Mitarbeiter des «ProWork» Grenchen und der «Perspektive» Solothurn jährlich mehrere zehntausend Liter Abfall ein (siehe Text unten). Jetzt soll das Einführen von Bussen den Abfallsündern den Riegel schieben. «Einzelabfälle werden um die 40 Franken kosten. Was in Richtung fünf-Liter-Grenze hinaus geht kann sich aber schon auf 250 Franken belaufen», sagt Martin Moser vom AfU. Details zu den einzelnen Abstufungen verrät der Abfallwirtschaftsexperte noch nicht. Der Ordnungsbussenkatalog müsse erst noch vom Bau- und Justizdepartement abgesegnet werden. «Wir werden Ende Jahr gemeinsam mit der Kantonspolizei und den Stadtpolizeien eine Informationskampagne für die Bevölkerung durchführen», so Moser.

Ende Jahr wird auch das neue Gesetz über Wasser, Boden und Abfall rechtskräftig. Es schafft die Rechtsgrundlage für die Litteringbussen. «Im Januar wird die Polizei wahrscheinlich noch Verwarnungen aussprechen.» Danach aber gebe es die ersten Bussen.
Barbara Banga forderte 2004 Gesetz

Bereits im Herbst 2004 stellte die ehemalige SP-Kantonsrätin Barbara Banga die Forderung nach einem Ordnungsbussenkatalog gegen das Littering. «Die Einführung von Bussen ist einer der fünf Punkte auf unserem fünfjährigen Massnahmenplan gegen das Liegenlassen von Abfall», sagt Moser. Von 2006 bis heute habe man mit verschiedenen Aktionen Kinder- und Jugendliche, Gemeinden, Veranstalter aber auch Take Away-Stände und Grossverteiler auf das Abfallproblem aufmerksam gemacht. Denn Moser sieht das Littering Problem nicht nur beim Abfallsünder, sondern auch beim Abfallproduzenten: «Bäckereien, Tankstellenshops, Grossverteiler wie Coop oder Migros, oder Take Aways wie McDonalds oder Kebabläden sind angehalten ihren Kunden so wenig Verpackungsmaterial wie nur möglich abzugeben.» Auch spricht sich Moser für die Erhöhung der Abfallgebühren etwa für Schnellimbissbuden aus. Denn bisher bezahlen alle Unternehmen gleich viel. «Ein Bonus-Malus-System würde hier Sinn machen. Erbringt beispielsweise ein Kebabladen mehr Eigenleistung, indem er rund um seinen Verkaufsort Abfalleimer aufstellt oder täglich im Umkreis von einigen Metern die weggeworfenen Verpackungen einsammelt, fielen die Abfallgebühren weniger hoch aus.»

«Die Bussen», betont Moser, «sind aber kein Ersatz für die Präventionsarbeit, betont Moser. Sie sind lediglich eine Repressionsmassnahme für die Menschen, die auf unsere Sensibilisierung nicht reagieren.»

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