Simon Gerber staunte nicht schlecht, als ihn letzten Freitag zwei getarnte Helikopter besuchten. Kurz vor halb zwölf tauchten die Maschinen des Typs Eurocopter plötzlich vor seinem alleinstehenden Haus bei Holderbank SO auf. «Es waren Schweizer Armeehelis mit weissen Magnetschildern, auf denen Polizei stand», erinnert sich Gerber. 200 Meter nordwestlich von seiner auf einer Anhöhe liegenden Liegenschaft bewegte sich einer der Helikopter schwebend hin und her. «Das Cockpit stets in meine Richtung gerichtet, als würden ich oder das Haus observiert.»

Damit nicht genug. Zeitgleich landete der zweite Helikopter auf der gegenüberliegenden Seite von Gerbers Haus. «200 bis 300 Meter entfernt bildete er mit dem Haus und dem ersten Heli eine Gerade. Ich war überzeugt: Das hat mit mir zu tun», so Gerber. Dann stiegen Polizisten aus der gelandeten Maschine. Gerber schnappte sich den Feldstecher und sah, dass mindestens einer der Beamten schwer bewaffnet war. Der lange Lauf und das Zielfernrohr erinnerten ihn an ein Scharfschützengewehr.

Besorgt griff Gerber zum Telefon und wählte die Notrufnummer 117, um sich über den Einsatz zu erkundigen. Die Frau in der Notrufzentrale verband ihn mit dem Einsatzleiter der Polizei. Dieser beruhigte ihn. Es handle sich um einen ordentlichen Übungseinsatz der Nordwestschweizer Sicherheitskräfte im Zusammenhang mit dem im Dezember in Basel geplanten OSZE-Ministerratstreffen. Zehn Minuten später war der Spuk vorüber.

Was wäre wenn?

Gleichentags flogen dieselben Helikopter über Liestal BL hin und her. Gerade band Tobias Wernle, ein Bekannter von Gerber, in seinem Garten Tomaten auf, als er die beiden auffällig leisen Maschinen gegen 16 Uhr bemerkte. «Während etwa zehn Minuten kreisten sie über unserem Quartier. Sie sahen mich und ich sah sie», so Wernle.

Zwei getarnte Helikopter, die einen zu observieren scheinen, sogar vor der eigenen Haustür landen – das ist nicht gerade alltäglich. Ehe er für weitere Informationen auf die Auftraggeberin des Einsatzes, die Kantonspolizei Basel-Stadt, verweist, sagt Jürg Nussbaum, Sprecher der Schweizer Luftwaffe: «Vor Polizeihelikoptern muss sich doch niemand fürchten.»

Unbescholtene Bürger kaum. Wäre es nicht trotzdem angezeigt, Anwohner wenigstens bei einer harmlosen Übung zu informieren? Wie der Basler Polizeisprecher Martin Schütz schreibt, sind einzig die Polizeikorps Solothurn und Basel-Landschaft über die Übung vom Freitag informiert worden. Reklamationen seien bislang aber keine eingegangen.

Der Verdacht der OSZE-Kritiker

Schütz präzisiert, um welche Art Einsatz es sich am Freitag genau handelte: «Das war eine ordentliche FEL-Ausbildung im Auftrag der Kapo Basel-Stadt.» FEL steht für fliegende Einsatzleiter. Jedes Polizeikorps hat einen solchen Spezialisten in seinen Reihen. Bei der Übung hätten diese die Koordination mit Personenschützern simuliert, so Schütz. Das im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf das OSZE-Treffen. Eine heikle Angelegenheit: Entscheidungsträger wie etwa John Kerry oder Frank-Walter Steinmeier werden im Dezember nach Basel reisen.

Auf dem Landeplatz vor Simon Gerbers Haus sei während der Übung Personal ausgewechselt worden, schreibt Schütz und antwortet, auf die Art der Waffen angesprochen: «Die Polizei muss auch in einer Übung für mögliche Ernsteinsätze bereitstehen. Deshalb sind die Polizisten immer bewaffnet.» Ein Scharfschützengewehr als ordentliche Waffe also? «Polizeitaktische Gründe» erlauben es Schütz nicht, weitere Auskünfte dazu zu erteilen.

Das Rattern ist verstummt, der Verweis auf das OSZE-Treffen aber lässt Simon Gerber und Tobias Wernle grübeln. Will es doch der Zufall, dass sich ausgerechnet die von den Polizeihelikoptern besuchten Männer kritisch zur OSZE-Mission in der Ukraine geäussert haben.