Kinderbetreuung

Wenn die Krippe mehr kostet, als Mama verdient

Kinderkrippe in Zürich

Kinderkrippe in Zürich

Eltern zahlen so hohe Beträge für die Krippe, dass ein Elternteil oft besser zu Hause bleibt. Viele können oder wollen nicht den vollen Tarif für den Platz in der Kita bezahlen. Aber nur wenige Plätze sind durch die öffentliche Hand finanziert.

Die Schweiz unterstützt ein traditionelles Familienbild: Papa arbeitet, Mama sorgt zu Hause für die Kinder. Diesen Schluss muss man ziehen, wenn man sich vor Augen führt, wie viel Eltern für einen Platz in einer Kindertagesstätte (Kita) bezahlen: Viele Paare haben so hohe Kinderbetreuungskosten, dass der Zweitverdienst dadurch aufgebraucht wird.

Ob in Zürich, Günsberg (SO) oder Pratteln (BL): Tagessätze von 100 Franken sind normal. Wollen Eltern ihre zwei Kinder an zwei Tagen die Woche in einer Kita betreuen lassen, müssen sie mit Kosten von 2000 Franken im Monat rechnen. Zum Vergleich: In anderen europäischen Ländern bezahlen Eltern 200 bis 300 Franken im Monat – für eine Vollzeit-Betreuung.

Schon 2006 setzte die Ökonomin Monika Bütler von der Universität St. Gallen folgenden Titel über eine ihrer Publikationen: «Arbeit lohnt sich nicht – ein zweites Kind noch weniger.» Bütler rechnete vor, dass sich das Arbeiten zum Beispiel für eine gut ausgebildete Informatikerin oder Lehrerin nicht lohnt. Denn: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern bezahlt für zwei Krippenplätze in den meisten Schweizer Städten rund 50 000 Franken jährlich für eine vollzeitliche Betreuung.

Der Nettolohn der Zweitverdienerin müsste folglich nach Steuern und anderen Berufsauslagen mindestens so viel betragen. Nach Bütlers Berechnungen schafft dies weder die Lehrerin noch die Informatikerin.

Zwar wurden seit 2003 mithilfe von Bundesgeldern rund 39 000 Plätze in Kindertagesstätten und Tagesstrukturen an Schulen neu geschaffen. Und an manchen Orten sind so viele neue Kitas entstanden, dass diese mit speziellen Projekten oder einem besseren Betreuungsschlüssel einen Mehrwert bieten müssen, damit sie ihre Plätze an die Eltern verkaufen können.

Subventionierte Plätze gesucht

Doch freie Plätze bedeuten noch lange nicht, dass das Krippenplatzproblem gelöst ist. Denn ein angezeigter verfügbarer Platz heisst nicht, dass er für die Familie infrage kommt: Die Kita muss in bewältigbarer Distanz zum Wohn- oder Arbeitsort liegen, und die Tage, an denen der Kita-Platz frei ist, müssen übereinstimmen mit den Tagen, an denen die Eltern familienergänzende Betreuung brauchen.

Hinzu kommt: Viele Eltern können oder wollen nicht den vollen Tarif für den Platz in der Kita bezahlen. In den allermeisten Orten jedoch ist nur ein beschränkter Teil der Plätze durch die öffentliche Hand subventioniert. Der Kreis derjenigen, die subventionsberechtigt wären, ist hingegen gross und umfasst auch Mittelstandsfamilien: In Basel-Stadt etwa müssen nur Eltern, die mit ihrem Nettoeinkommen, Sozialleistungen und 10 Prozent ihres Vermögens auf 160 000 Franken oder mehr kommen, den vollen Betrag bezahlen.

Paradoxerweise sind es oft gerade die Subventionen, welche eine Erwerbstätigkeit unattraktiv machten: «Krippenplätze sind für nicht arbeitende Mütter am günstigsten. Jede Erhöhung des Arbeitspensums geht einher mit einer teilweise massiven Verteuerung der Kinderbetreuung. In vielen Fällen übersteigen die mit der Erwerbstätigkeit verbundenen zusätzlichen Kosten sogar das erzielbare Einkommen», hält Monika Bütler fest.

Eine Studie von 2012, welche die Kantone Basel-Stadt und Zürich in Bezug auf familienfreundliche Tarif- und Steuersysteme verglich, kam zum Schluss, dass sich beispielsweise bei Paaren mit einem höheren Einkommen Erwerbstätigkeit für den Zweitverdiener nur bis zu einem Pensum von 40 Prozent auszahlt. «Arbeitet dieser Haushaltstyp mehr, sinkt das verfügbare Einkommen infolge der höheren Betreuungskosten und Steuern», heisst es in der Studie.

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