Förderprogramm
Wenn die Gülle zur Last wird

In einer Woche starten Bund und Kanton Bern ein neues Förderprogramm. Zwei SVP-Grossräte sind nicht einverstanden mit den Kriterien.

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Christian Hadorn

Christian Hadorn

Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Wenn es sogar hier geht, wo dann nicht? Seit wenigen Jahren kann auf der Höhenmatte vor dem Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken Gülle ausgetragen werden, ohne dass es irgendjemanden stört. Die Gülle wird nicht mehr versprüht, viel mehr wird sie zwischen das Gras gelegt, und so reduziert sich das Ammoniak in der Umwelt. Man riecht nichts. Bernhard Zumbrunn, SVP-Grossrat aus Unterbach und Landwirt, schwärmt von dieser Technik der «bodennahen Ausbringung»: «Es gibt keine Reklamationen mehr», sagt er.

«Das ist ja genau das Ziel»

«Wenn es heute noch Differenzen geben sollte, sind sie vermutlich nicht gross», sagt Wolfgang Sturny, Fachbereichsleiter des kantonalen Boden- und Pflanzenschutzes, zur Kritik von den SVP-Grossräten und dem bernischen Verband für Landtechnik. «Wir haben das Anliegen sehr ernst genommen und unter Einbezug der Forschung in Anwesenheit des Regierungsrates Anpassungen vorgenommen.» Doch sei es ja genau das Ziel, dass Gewichtslimiten festgesetzt würden. Denn der Boden könne gewisse Höchstgewichte nicht endlos ertragen. «In den letzten Jahren haben wir in gewissen Fällen Grenzen der Tragfähigkeit des Bodens überschritten, jetzt müssen wir etwas zurückbuchstabieren.» Der Boden bestehe zur Hälfte aus Hohlräumen, also Luft und Wasser; werde er zu stark zusammengepresst, könne er nichts mehr aufnehmen. «Da erwarten wir entsprechendes Verständnis auch vonseiten der Landtechnik», sagt Sturny. Bei den Bauern kommt das Programm jedenfalls an. Mit zehn Massnahmen aus den drei Bereichen «Boden schonende Anbausysteme», «Bodenaufbau und Kulturmassnahmen» sowie «Ammoniak reduzierende Ausbringsysteme» können sie Fördergelder beim Kanton beantragen. Bis jetzt haben fast 1500 Landwirte einen Vertrag bekommen. In diesen Tagen werden die Verträge zugestellt. Bis in etwa drei Jahren aber könne man noch einsteigen. Das Programm wird zu drei Vierteln vom Bund finanziert. Für sechs Jahre stehen 60 Millionen Franken bereit. Am meisten gefragt sind die Ammoniakreduktions-Massnahmen. Pro Durchgang und Hektar gibt es zwischen 20 und 80 Franken. (joh)

Zusammen mit Rats- und Parteikollege Christian Hadorn aus Ochlenberg hatte Zumbrunn gestern den Platz vor dem Oberländer Nobelhotel gewählt, um auf eine Sache aufmerksam zu machen, die zwar geruchsfrei ist, aber nicht ohne Nebengeräusche. Auch Klaus Brenzikofer, Präsident des Bernischen Verbands für Landtechnik, unterstützt das Anliegen der SVP-Grossräte. Es geht um die Fahrzeuge, die diese Technik möglich machen.

Den Boden schützen

Anfang August startet im Kanton Bern ein sechsjähriges Förderprogramm. 60 Millionen Franken stehen für Landwirte bereit, die Leistungen für den Schutz des Bodens erbringen (siehe Kontext). Einer der drei Bereiche betrifft Ammoniak reduzierende Ausbringsysteme.

Dies kann man entweder durch eine «Verschlauchung» tun: die Gülle fliesst direkt vom Hof aufs Feld, schwere Fahrzeuge sind nicht notwendig. Hadorn und Zumbrunn aber haben es auf die andere Variante abgesehen, bei der die Gülle noch mit dem Fahrzeug transportiert und ausgebracht wird. Die Kriterien für Fördergelder, meinen sie, seien zu anspruchsvoll. Beim Kanton Bern aber sieht man keinen Handlungsbedarf (siehe Kontext).

Wo ist die Grenze?

Es geht um die Grösse der Güllefässer auf den Anhängern, um Achsenlasten und Reifendruck. Letztlich entscheidet aber die Radlast der Fahrwerke, ob ein Förderungsbeitrag bezahlt wird oder nicht. Zweiachser schneiden besser ab. Wird aber die Last eines Tanks nur von einer Achse getragen, ist die Radlast zu gross. Dies bedeutet mehr Bodenverdichtung, und die will das Förderprogramm eindämmen.

«Es ist ein gutes Programm», sagt Hadorn. Er betreibt in Leimiswil die Gülletechnik AG, und er baut diese Maschinen mit 30 oder mehr Schläuchen, die die Gülle von einem Fass auf einem Traktoranhänger zur Erde transportieren. «Aber für die grossen Güllefässer, die am effizientesten sind, gibt es keine Gelder.» Dabei seien gerade sie die ökologischsten, sagt Zumbrunn. Grosse Tanks bedeuteten weniger Fahrten.

Praxisnahe Lösung verlangt

Einen Tank grösseren Ausmasses nützt auch Brenzikofer. Zusammen mit acht weiteren Landwirten mietet er ihn jeweils. «Wir alle könnten wegen der jetzigen Gewichtsnorm nicht am Programm teilnehmen», hat er einmal an den zuständigen Regierungsrat, Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) geschrieben. «Die Betriebe werden wachsen müssen», sagt er. «Das ergibt einen grösseren Gülleaufwand.» Also dürften sie nicht bestraft werden. Den Achsenlast-Wert sei eine bürokratische Lösung. «Wir verlangen vom Kanton, dass er eine praxisnahe Lösung aufzeigt.»

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