Baz

«Wenn die Basler Zeitung zum Trottelmedium wird, hat niemand gewonnen»

Roger Blum, emeritierter Medienprofessor

Roger Blum, emeritierter Medienprofessor

Für den Medienexperten Roger Blum kommt der Verkauf der Basler Zeitung nicht überraschend. Dass der Financier Tito Tettamanti einsteigt, dagegen schon. Blum sieht weitere Deals in der Branche.

Der Financier Titto Tettamanti kauft die Basler Zeitung (Baz). Was geht dem Medienexperten durch den Kopf?
Roger Blum: Der Verkauf überrascht mit nicht, der Käufer schon. Die Familie Hagemann wollte offensichtlich nicht nach Zürich verkaufen. Tettamanti ist zwar ein Quereinsteiger, ist aber nicht ganz medienfremd. Er hat ja bereits die Jean Frey eine zeitlang besessen. Tettamanti ist aber kein Verlagsmensch und schon gar kein Journalist.

Für die Baz muss man also Schlimmes befürchten?
Blum: Nein, das ist nicht gesagt. Der neue Eigentümer hat aber kein Medienkonglomerat im Rücken, es können

also keine Synergien genutzt werden. Die neuen Eigentümer müssen mir zuerst zeigen, wie sie mehr aus der Zeitung holen können, ohne sie kaputt zu machen. Die Region Basel hat nicht auf einmal mehr Einwohner. Die Zahl der Leser wird nach dem Verkauf nicht einfach grösser.

Die Baz bleibt aber eigenständig. Für die Medienvielfalt ist das ja nicht schlecht.
Blum: Das ist richtig. Wir wissen aber noch nicht, welchen Journalismus die neuen Besitzer mit der Baz vorhaben. Falls die Baz, die eine Qualitätszeitung ist, aus Renditeüberlegungen zum Trottelmedium verkommt, hat die Vielfalt nicht gewonnen.

Sehen Sie weitere Deals auf uns zukommen?
Blum: Ja. Die Zürcher Landzeitungen stehen offenbar zum Verkauf, mittelfristig wird es auch für einen Walliser Boten, die Schaffhauser Nachrichten und das Bieler Tagblatt eng werden. Langfristig könnten sogar die Südostschweiz oder auch die AZ Medien unter Druck geraten.

Wie viele Medienunternehmen werden übrig bleiben?
Blum: In der Deutschschweiz sehe ich neben der SRG drei grosse schweizerische Medienunternehmen plus ein ausländisches. In der Westschweiz werden Tamedia und Hersant den Ton angeben. Im Tessin ist die Situation offen. Es grenzt heute an ein Wunder, dass so kleine Verlage ein Qualitätsmedium wie den «Corriere del Ticino» tragen können. Für ganz kleine, lokale Titel wird es in der Schweiz indessen auch in Zukunft Nischen geben.

Was könnte den Konzentrationsprozess stoppen?
Blum: Wenn die Medien anders finanziert werden, neue Einnahmequellen generieren können, dann wird der Prozess langsamer voranschreiten. (rsn)

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