Hochwasser

Wenn der Berner Schleusenwart will, steht der halbe Aargau unter Wasser

Die Aare in der Elefenau nach erneut heftigen Regen.

Die Aare in der Elefenau nach erneut heftigen Regen.

Der Berner Herr der Schleusen ist glücklich, wenn alle etwas unzufrieden sind. Bernhard Wehren reguliert mit seinen Entscheiden den Pegel der Aare massgeblich.

Sie bedienen die Schleusen an Thuner- und Bielersee. Wie prekär ist die Situation?

Bernhard Wehren: Nicht sehr. Zwar haben wir noch steigende Seepegel, weshalb wir Wasser ablassen. Wir rechnen jedoch mit sinkenden Niederschlagsmengen.

Weshalb die Aare nicht nur in Bern Hochwasser führt, sondern auch flussabwärts. Doch was schert die Berner Schleusenwärter eigentlich der Aargau?

Die zulässigen Abflussmengen sind klar reglementiert. Auf diese Mengen haben sich der Aargau, Solothurn und Bern geeinigt. Massgebend ist insbesondere die Murgenthaler Bedingung.

Was besagt die?

Die Abflussmenge soll bei der Aargauer Gemeinde Murgenthal 850 Kubikmeter pro Sekunde nicht übersteigen.

Wie viel Wasser fliesst denn derzeit die Aare hinab?

Wir haben die Grenzwerte noch nicht ausgeschöpft. Derzeit liegt die Abflussmenge in Murgenthal bei knapp 700 Kubik. (Stand Dienstagnachmittag)

Die Situation in Bern beeinflusst diejenige bei uns direkt. Mal ehrlich: Ihnen ist ein unter Wasser stehender Aargau sicher lieber als ein überflutetes Berner Mattequartier.

Solche Überlegungen spielen in unserer Arbeit keinerlei Rolle. Wir halten uns strikt an die vereinbarten Vorgaben und Grenzwerte. Doch gilt es, zu beachten: Bei Extremereignissen lassen sich Überflutungen leider nicht verhindern. Zudem sind Prognosen nur beschränkt genau. In der Seeregulierung geht es darum, frühzeitig das Richtige zu tun. Bei Starkregen im Berner Oberland haben wir mit dem Thunersee ein Auffangbecken. Doch denken Sie an die Emme: Bei Gewittern im Emmental geht es um pünktlich zu treffende Massnahmen, fliesst doch das Wasser direkt in die Aare und droht, in den Kantonen Solothurn und Aargau Schaden anzurichten.

Und wenn es schief ausgeht? Wie 2007, als die Berner die Bielersee-Schleusen zu lange offen hielten und der halbe Aargau unter Wasser stand?

Das Problem war damals, dass bereits zwischen Biel und Murgenthal so viel Wasser abfloss, dass die Überschwemmungen nicht verhindert werden konnten. Nach dem Hochwasser beschlossen die betroffenen Kantone Anpassungen an den Reguliervorgaben. Seither können wir früher Wasser aus dem Bielersee ablassen.

Was zu Hochwasser führen kann, während die Situation noch gar nicht bedrohlich wirkt. Das gefällt sicher nicht allen.

Das liegt in der Natur der Sache. Am liebsten ist uns eigentlich, wenn alle ein bisschen «unzufrieden» sind, niemand aber hart getroffen wird. Dann haben wir unseren Job richtig gemacht.

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