Kinderlobby

Wem gehören die Möbel im Kinderzimmer?

Petra Greykowski setzt sich dafür ein, dass Kinder mitreden dürfen: bei den Ferien, in der Schule, beim Essen

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Petra Greykowski setzt sich dafür ein, dass Kinder mitreden dürfen: bei den Ferien, in der Schule, beim Essen

Seit einem Jahr bietet die Kinderlobby Schweiz eine kostenlose Rechtsberatung für junge Menschen bis 18 Jahre an. Täglich werden in ihrer Zentrale in Lenzburg spannende Fragen per Telefon oder Email gestellt und von zwei Juristen beantwortet.

«Darf ich mir meine Freunde eigentlich selber aussuchen?», will Sandra, 14, in einem Email wissen. Ihre Eltern haben ihr den Umgang mit einem Freund - einem Punker - verboten, weil sie glauben, er habe einen schlechten Einfluss auf sie. Sandra möchte sich jedoch weiterhin mit ihm treffen und hat sich deshalb an die Rechtsberatung der Kinderlobby gewandt.

Seit einem Jahr betreibt die Kinderlobby Schweiz mit Sitz in Lenzburg die kostenlose Rechtsberatung für junge Leute bis 18 Jahre. Das einjährige Pilotprojekt, das vom Bundesamt für Sozialversicherungen unterstützt wurde, stiess bei Kindern und Jugendlichen auf grosses Interesse. «Was kann ich tun, wenn jemand mein Etui geklaut hat und es nicht mehr hergibt?» «Ich bin in meinen Cousin verliebt, was soll ich tun?» und viele weitere Fragen treffen täglich per Telefon oder Email in der Beratungsstelle in Lenzburg ein. Gerade wenn - wie bei Sandra - die Eltern Teil des Problems sind, melden sich junge Leute lieber per Email, damit die Eltern nichts mitbekommen.

«Die Fragen drehen sich um Dinge, welche die Kinder in ihrem Alltag bewegen», sagt Petra Greykowski, Geschäftsleiterin der Kinderlobby Schweiz. «Da sind teilweise ganz tolle Fragen darunter, die zeigen, dass Kinder Verantwortung übernehmen und sich Gedanken machen.» Und viele der Informationen hätten die jungen Menschen ja tatsächlich nicht. «Wir geben dann möglichst konkrete Tipps, wie sie vorgehen können», sagt Petra Greykowski.

Auch Eltern wissen nicht alles

«Oft sind ganz banale Fragen darunter, denn häufig stellen Alltagsprobleme Eltern und Kinder bereits vor rechtliche Fragen.» Und manchmal kennen auch Erwachsene die Antworten auf die Fragen nicht. Deshalb können nicht nur Kinder und Jugendliche sondern auch Menschen aus ihrem Umfeld wie Eltern, Lehrer, oder Jugendarbeiter den Dienst nutzen. Beispielsweise wenn im Skilager einen Unfall passiert oder ein Kind Handyschulden hat. Die Fragen beantworten zwei Juristen, die ehrenamtlich für die Rechtsberatung arbeiten. Das von der Kinderlobby geführte Pilotprojekt ist die einzige Beratung für Kinder und Jugendliche in Rechtsfragen in der Deutschschweiz.

Kindergärtner wollen mitreden

Zurzeit sucht die Kinderlobby für die Weiterführung des Projektes Sponsoren. Gerne würde Petra Greykowski eine Datenbank mit den häufigsten Fragen und Antworten auf der Homepage der Kinderlobby verwirklichen. Ihr Büro im Müllerhaus Lenzburg ist in einem frischen Grün gestrichen, an der Wand hängt ein farbiges Plakat mit den Ideen der letztjährigen Kinderkonferenz zum Thema «Partizipation - Kinder reden mit. «Kinder sind nie zu klein, um mitzureden. Auch Kindergärtner haben das Recht mitzuentscheiden», sagt Greykowski. Sie sollen bei der Ferienplanung, beim Essen, bei den Hobbys, ihren Treffpunkten, im Kindergarten, in der Schule oder auf dem Pausenplatz mitreden dürfen.

«Dass Kinder Erwachsenen auch etwas zu sagen haben, wird oft vergessen», sagt Greykowski. Thema der diesjährigen Kinderkonferenz im November ist deshalb «Medien - Chancen, Zugang, Ausschluss». «Auch Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Information.» Kinder wollten nicht nur konsumieren, sondern sich aktiv einbringen, von Kindern für Kinder, oder von Kindern für Erwachsene, so Greykowski. Deshalb seien die Internetplattformen Facebook und Youtube so beliebt bei jungen Leuten. «Dort können sie ihre Infos und Ideen ungefiltert weitergeben.»

Was Kinder alles wissen

Im Zusammenhang mit den Medien stelle sich auch die Frage ob Kinder aus den Medien die Infos erhielten, die sie interessierten. «Und ob die Informationen verständlich sind oder mehr Fragen aufwerfen», sagt Greykowski.

Dank der Initiative der Kinderlobby haben rund sieben Kinder die Möglichkeit regelmässig als Jugendreporter zu arbeiten. Sie suchen selber aktuelle Themen - beispielsweise auf dem Pausenplatz - recherchieren, suchen Fotos aus, schreiben und redigieren. Die Elternzeitschrift «Fritz & Fränzi» stellt dem Projekt «Hier schreiben Kids!» vier Seiten zur Verfügung, die Betreuung und die Spesen übernimmt die Kinderlobby. Die Artikel werden auch von Erwachsenen mit Interesse gelesen, glaubt Petra Greykowski, selber Mutter von drei Kindern. «Auch ich wundere mich manchmal, was meine Kinder alles wissen, wovon ich keine Ahnung habe.»

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