Zürich strampelt sich ab

Der Veloverkehr nimmt zu, das Velowegnetz wächst. Doch die autogerechte Stadt, wie sie ab den 1960er-Jahren entstand, lässt sich im rot-grünen Zürich nicht so leicht umbauen. Exemplarisch dafür steht der jahrelange Streit um die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes, bei der eine Autoabbiegespur einem Veloweg geopfert wurde – ein Projekt, das noch die Grüne Ruth Genner als Stadträtin vorantrieb. Ihr Nachfolger Filippo Leutenegger (FDP) hat andere Prioritäten. Er fiel durch die Einführung von 70-Zentimeter-Farbstreifen am Strassenrand auf, die als Veloweg gedacht sind, aber von Autofahrern oft ignoriert werden. Ein weiterer Schwerpunkt Leuteneggers sind kompakte Veloparkplätze an den Bahnhöfen, oft doppelstöckig, mit Kopfanschlagfaktor. Noch immer kommt es oft vor, dass Velowege abrupt enden oder über Trottoirs führen und kaum ersichtlich ist, wie man legal weiterradeln soll – gerade in der Innenstadt. (mts)

Bern in der Dauer-Offensive

Nicht weniger als die «Velohauptstadt» will Bern gerne sein, zumindest hat sie sich dieses Ziel gesteckt. Der Anteil  Velofahrer soll bis 2030 auf 20 Prozent steigen. Dafür hat Verkehrsdirektorin Ursula Wyss vor vier Jahren die Velo-Offensive lanciert. 11 Prozent fuhren damals mit dem Velo, heute sind es gemäss Wyss bereits 15 Prozent. Die Stadt sei «sehr gut unterwegs». Das Wankdorf-Stadion, Köniz und Ostermundigen werden über 2,5 Meter breite Velospuren mit Bern verbunden. Einzelne Quartiere sind stark verkehrsberuhigt: Poller, 30er-Zonen und knappe Parkplatzverhältnisse kommen neben Fussgängern auch den Velofahrern entgegen. Doch nicht überall eignet sich das Velo. In der historischen Innenstadt sind die Gassen eng und mit Pflastersteinen belegt. Berner und Touristen sind zu Fuss unterwegs. Trotzdem plant die Stadt 100 Stand orte mit 2000 Velo zum Ausleihen – das grösste Projekt in der Schweiz. Die grosse Problemzone bleibt hingegen erhalten: der Bahnhof. Die Anbindung an Tram und Bus muss gewährleistet sein. Velos haben das Nachsehen. (wan)

Basel fehlt das letzte Quäntchen Mut

Offiziell gibt sich die Stadt am Rheinknie gerne als Velostadt. In bunten Broschüren schwärmen die Behörden, wie schön es sich in der Grenzstadt radeln lässt. Und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) lässt sich am liebsten auf dem Velo ablichten. An manchen Orten, etwa am Kleinbasler Rheinufer, ist Basel tatsächlich ein Veloparadies. Andernorts ist die Idylle weniger offensichtlich. Zu häufig enden die Velomassnahmen genau dort, wo sie am nötigsten wären, nämlich wenn es eng und gefährlich wird. Dann zeigt sich, dass den Verkehrsplanern das entscheidende Quäntchen Mut fehlt, damit Basel zu einem zweiten Kopenhagen wird. Dafür müsste man dem motorisierten Verkehr Platz wegnehmen, um ihn den Velofahrern zur Verfügung zu stellen. Und das getraut sich dann in der selbst ernannten Velo-stadt dann doch kaum jemand, rot-grüne Mehrheit hin oder her. Allerdings zeigen die Statistiken: In keiner der grossen Städte der Schweiz wird so viel Velo gefahren wie am Rheinknie, Tendenz stark steigend. So gesehen, ist Basel eine Velostadt. (mec)

Aarau merzt Schwachpunkte aus

Die Stadt Aarau und ihre Nachbargemeinden sind aufgrund der Topografie wesentlich velofreundlicher als Baden. Ohne Auto lässt es sich hier denn auch gut leben. Aber Aarau hat vor allem zu Stosszeiten ein Stauproblem, das sich auch massiv auf die Zuverlässigkeit der Busse auswirkt. «Mehr Velo», muss die Devise heissen. Einige Schwachpunkte im Velowegnetz wurden schon ausgemerzt – so kann man den gefährlichen Kreuzplatz via die neu gebaute Lindenhofbrücke umfahren. Die Zufahrt dorthin ist allerdings noch unpraktisch. Auch andernorts, etwa bei der Buchserstrasse, warten Velofahrer auf eine verbesserte Lösung. Ausserdem fehlen Veloabstellplätze, vor allem am Bahnhof. Am 11. Dezember kommt die Volksinitiative «für eine zukunftsfähige Mobilität» vor den Einwohnerrat. Darin fordert der Verein Aarau Mobil, dass die konsequente Förderung des Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehrs in der Gemeindeordnung festgehalten wird. (nro)

Baden hat Nachholbedarf

Baden wäre gerne eine Velostadt, steht im Städtevergleich aber schlecht da. Die Lage in der engen Limmatklus war jahrhundertelang ein Standortvorteil (Stichwort Brückenzoll), seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Klus aber ein Problem für den wachsenden Verkehr. Neue Strassen- und Eisenbahntunnels brachten vorläufige Entspannung, doch längst ist alles wieder verstopft in Baden. Für mehr Langsamverkehr setzen sich SP, Grüne und Team Baden mit Vehemenz ein. Der Stadtrat unter dem abtretenden Ammann Geri Müller nahm das wohlwollend auf. Vielmehr als die – in vieler Augen völlig überteuerte und hässliche – Velostation am Bahnhof ist bisher nicht realisiert worden. Nun soll die Busrampe am Bahnhof für Velos geöffnet werden, in einem neuen Reglement fordert der Stadtrat die Senkung des Autoverkehrs und weitere Erleichterungen für Radfahrer. Im August 2018 wird mit dem sanierten Schulhausplatz eine der meistbefahrenen Kreuzungen der Schweiz wiedereröffnet – dann soll der Verkehr endlich reibungslos fliessen. Auch der Veloverkehr. (AF.)