Skandal

Welch ein Zirkus beim Royal: Kein Lohn, illegale Arbeiter und nun auch kein Direktor

Der Circus Royal steht nach einer desaströsen Saison vor dem Aus.

Der Circus Royal steht nach einer desaströsen Saison vor dem Aus.

Die desaströse Saison ist um und es kommt zum Eklat hinter den Kulissen. Ausbeutung und Misswirtschaft sind nur Teil der Anklagen.

Hinter den Kulissen des Circus Royal gehen die Wogen hoch: Mehrere Artisten werfen Direktor Oliver Skreinig vor, sie nicht oder nur teilweise bezahlt zu haben. Ausserdem hat der Zirkus moldawische Arbeiter illegal beschäftigt. Der Circus Royal steht nach einer desaströsen Saison vor dem Aus. Doch vom Direktor keine Spur. Er hat sich aus dem Staub gemacht.

Skreinig hat bislang weder telefonisch noch schriftlich Stellung zu den Vorwürfen genommen. Er sei momentan mit einem Winterzirkus in Deutschland unterwegs, berichtet ein Kenner der Zirkusbranche, der anonym bleiben möchte. Er sagt: «Ich möchte Skreinig nicht in die Pfanne hauen. Doch der Circus Royal wurde über die Jahre hinweg heruntergewirtschaftet.» Nun wehren sich die geprellten Artisten, von denen die meisten aus dem Ausland stammen.

Sie erzählen von der Ausbeutung von Arbeitskräften, von Misswirtschaft und Überforderung der Zirkusdirektion. «Dass es Gagenrückstände von bis zu fünf Monaten gibt, ist nicht einmal die Spitze des Eisbergs», sagt ein Artist. Wer seinen Lohn eingefordert habe, sei stets vertröstet worden. Und etliche Artistinnen und Artisten arbeiteten vor oder nach den Aufführungen an der Bar, mussten Plakate aufhängen oder die Toiletten reinigen. Einige haben sich nun an das RAV, die Stadt Kreuzlingen, wo der Zirkus domiziliert ist, und ans Thurgauer Migrationsamt gewandt. In der Hoffnung, doch noch an ihren Lohn zu kommen. Das Problem: Es handelt sich um eine privatrechtliche Angelegenheit. «Deshalb müssen die Betroffenen den zivilrechtlichen Weg einschlagen», sagt Mirjam Fonti, Informationsbeauftragte beim Kanton Thurgau.

Leere Zuschauerränge und die Polizei vor Ort «Wenn wir 50 Leute im Zelt hatten, waren wir hoch zufrieden», sagt ein Artist. Filip Vincenz, der den Club der Circus-, Variété- und Artistenfreunde Schweiz präsidiert, sagt: «Der Name Circus Royal hat gelitten.» Wolle jemand das Unternehmen retten und weiterführen, werde es mit diesem Namen schwierig. Sascha Landheer, bedauert auf circustime.ch, der grössten Zirkusfanseite, dass es immer mehr Auflagen gebe, die Platzmiete und das Plakatieren immer teurer würden. «Es werden in absehbarer Zeit noch weitere Zirkusse schliessen müssen», prognostiziert Landheer.

Im September, als der Circus Royal in Kreuzlingen gastierte, hatte die Kantonspolizei Thurgau vier Moldawier festgenommen. Grund: Sie hatten keine Arbeitsbewilligung. Im November schlug der Circus Royal seine Zelte in Vorarlberg auf, wo es zum Eklat kam. Erst liess Skreinig ausrichten, er könne die Vorstellung nicht leiten, weil er einen Zusammenbruch erlitten habe. Doch um halb vier Uhr morgens machte er sich mit der Sekretärin aus dem Staub. Ein Augenschein gestern bei der vom Circus Royal als Winterquartier angegebenen Adresse ist keine Spur des Zirkus zu sehen.

In den vergangenen Jahren war der Circus Royal mit einem Weihnachtszirkus in Emmen zu Gast. Der Branchenkenner sagt: «Skreinig hat die Schulden bei der Gemeinde Emmen bis heute nicht beglichen.» Dabei wurde mittels Crowdfunding versucht, dem Zirkus zu helfen. Aber: Zwölf Unterstützer hatten lediglich 2821 der angestrebten 75 000 Franken gespendet.

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