Sexuelle Belästigung

Weitere Frauen beschuldigen CVP-Politiker Buttet: «Rieb erigiertes Glied an mir»

Yannick Buttet. Keystone

Yannick Buttet. Keystone

Während der CVP-Politiker auf Tauchstation bleibt, sprechen sechs weitere Frauen von sexuellen Übergriffen. Unter ihnen sind vier Nationalrätinnen.

Der Nationalrat und zurückgetretene CVP-Vizepräsident Yannick Buttet ist mit weiteren Vorwürfen der sexuellen Belästigung konfrontiert. Die Westschweizer Tageszeitungen «Le Temps» und «Le Nouvelliste» veröffentlichten gestern anonyme Aussagen von sechs Frauen, darunter vier Nationalrätinnen. Sie schilderten Übergriffe durch den Walliser Politiker, die innerhalb der letzten vier Jahre stattgefunden haben sollen. Anonym taten sie dies aus Angst, als Politikerinnen nicht mehr ernst genommen zu werden, wie sie erklärten.

«Rieb erigiertes Glied an mir»

Eine Nationalrätin erzählte, wie ihr der alkoholisierte Buttet im Juni 2013 an einer Grillparty wiederholt unter den Rock schauen und schliesslich fassen wollte. Erst in diesem Moment hätten andere Gäste eingegriffen und Buttet zu seinem Hotel gebracht.

Eine zweite Nationalrätin will im September 2014 eine ähnliche Szene in einer Bar erlebt haben. Buttet habe, offenbar stark betrunken, «wild und obszön» getanzt und habe sie wiederholt von hinten umarmt, geküsst und betatscht.

Im Folgejahr soll eine dritte Politikerin in einer ähnlichen Situation von Buttet noch übergriffiger behandelt worden sein. Er «rieb sein erigiertes Glied an mir», erzählte sie den Journalisten. Eine vierte Nationalrätin erlebte gemäss ihren Aussagen gleich mehrmals ähnliche Situationen, wie ihre drei Ratskolleginnen. Laut «Le Temps» gibt es noch zwei weitere Frauen, die anonym über sexuelle Übergriffe von Buttet berichtet hätten. Der beschuldigte Buttet äusserte sich zu den Vorwürfen nicht persönlich. Über seinen Anwalt liess er ausrichten, er erinnere sich an keinen der geschilderten Fälle. Sollte er diese Übergriffe tatsächlich verübt haben, würde er sich dafür entschuldigen.

Buttet hat Ende November sein Amt als Vizepräsident der CVP Schweiz niedergelegt, nachdem bekannt wurde, dass er eine ehemalige Geliebte gestalkt und mehrere Frauen sexuell belästigt haben soll. Gegen ihn ist ein Strafverfahren wegen Stalking hängig.

CVP-Spitze will Antworten

Der 40-Jährige befindet sich zur Zeit in einer Therapie wegen seines Alkoholproblems. Sein Plan scheint zu sein, nach der Kur als geläuterter Mensch wahrgenommen zu werden und seine politische Arbeit fortsetzen zu können. Nach dieser Fülle von neuerlichen Anschuldigungen erscheint es noch unwahrscheinlicher als zuvor, dass Buttet seine Ämter und Mandate wird halten können. Der Nationalrat amtete auch als Gemeindepräsident von Collombey-Muraz.

Die CVP Schweiz nahm gestern Kenntnis von den neuerlichen Vorwürfen. Die Parteispitze wartet seit zwei Wochen darauf, dass sich Buttet seiner Partei gegenüber erklärt. Der Politiker ist bisher nicht zu diesen Gesprächen erschienen und verweist auf seinen Gesundheitszustand. Natürlich verurteilt die CVP Übergriffe von der Art, wie sie in «Le Temps» und «Le Nouvelliste» geschildert wurden.

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