Verband Aargauischer Stromversorger
Weitere Chaos-Bewältigung

Die neuen Strompreise sind noch keineswegs verdaut, im Gegenteil: Viele Stromversorger haben grösste Bedenken, ob sie die Weisungen des Bundes überhaupt umsetzen können. Das ergab die Verbandstagung in Baden.

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Strompreise

Strompreise

Hans Lüthi

Das vom Bundesparlament zusammengezimmerte Strommarktgesetz verursacht der Branche seit Monaten massives Bauchweh. Die Endverteiler mussten die Netz- und Energiepreise wegen der Marktöffnung grundlegend neu berechnen. Gegenüber der Kundschaft sollte das zu mehr Transparenz führen, doch viele Strombezüger fühlten sich überfordert - und ärgerten sich über die Preiserhöhungen.

Revision übers Knie gebrochen

«Die Endverteiler haben viel und ganze Arbeit geleistet», lobte VAS-Präsident Richard Wullschleger, Menziken, an der von 100 Personen besuchten Tagung in Baden. Dennoch hat das bisher hervorragende Image der Branche mehr als nur Kratzer abbekommen. Neben deutlicher Kritik an Politik und Verwaltung zur kurzfristigen Stromverordnung übte Wullschleger auch Selbstkritik. Hätten Politik und Branche ihre Vorgaben zu Ende gedacht, «wäre man mit gesundem Menschenverstand oder Vernunft zur Einsicht gekommen, dass solch massive Preiserhöhungen im regulierten Netzbereich von der Bevölkerung, der Wirtschaft und den politischen Organisationen kaum akzeptiert würden», so der Präsident im Vorwort.

Elcom erlässt neue Weisungen

Das angerichtete Chaos wird sich nicht so rasch in Luft auflösen, auch wenn sich die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) alle Mühe gibt, als Regulator die vielen Knöpfe zu lösen. Elcom-Referent Werner Geiger beschrieb die grossen Turbulenzen - «wie bei einem Wetterumsturz» - im ersten Jahr der Elcom. 3000 Klagen seien im Herbst eingereicht und beantwortet worden. Die Elcom sei nicht Erfinder des Strommarktgesetzes, müsse es aber von Amtes wegen überwachen, im Streitfall entscheiden und auf eine sichere Versorgung achten. Die bindenden Weisungen und Verfügungen der Elcom sind offensichtlich für die Profis in den Elektrizitätswerken so kompliziert, dass diese an der Umsetzung zweifeln. «Glauben Sie wirklich, die Werke werden das umsetzen können?», blieb als zentrale Frage in der kritischen Diskussion stehen.

Kampf gegen zu viele Regeln

Eines ist für die 112 Elektrititätswerke (Mellikon, Koblenz und Rekingen sind weggefallen) des Aargauer Verbandes glasklar: «Die Elektrizitätswerke wehren sich gegen alles, was verfügt wird, aber nicht im Gesetz steht», fasste der Präsident den absehbaren Widerstand zusammen.

Ohne Spannung bewältigten die Stromer ihre Traktanden: Aus dem Vorstand traten Hugo Doessegger, Walter Forrer, Andreas Käch, Lukas Bütler und Robert Widmer zurück. Als Nachfolger wurden Bernhard Scholl, Eugen Frunz, Markus Wey, Richard Weber und Eugen Pfiffner gewählt. Geschäftsführer Andreas Gertsch hört auf, ab Herbst ersetzt ihn Ruedi Zurbruegg.