Bondo
Weitere Bergstürzen drohen ++ Spezialisten der Armee sind in Alarmbereitschaft

Im Bergsturzgebiet im Bergell sind die Räumungsarbeiten am Samstag nach einer Wetterberuhigung wieder intensiviert worden. Der Wasserstand der Maira, die durch Geröllmassen gefüllt ist, hat sich zurückgezogen. Erneute Murgänge können aber nicht ausgeschlossen werden.

Drucken
Teilen
Blick auf die Schadenzone in Bondo am Samstagmorgen.

Blick auf die Schadenzone in Bondo am Samstagmorgen.

KEYSTONE/GIANCARLO CATTANEO

"Wenn eine Mure kommt, muss das Gefahrenfeld innert vier Minuten geräumt sein", sagte Christina Gartmann, Sprecher des Führungsstabes der Gemeinde Bregaglia, am Samstagmittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Um freie Fluchtwege zu haben, stünden deshalb im Moment nur rund 50 Einsatzkräfte im Einsatz. Es bestehe weiterhin die Gefahr von Bergstürzen. Spezialisten der Armee, welche im Bergsturzgebiet postiert sind, würden die Arbeiter im Notfall alarmieren.

Die Gerölllawine in der Nacht auf Freitag füllte das Flussbett der Maira mit Kies. Der Wasserstand sei immer noch zu hoch, sagte Gartmann. Die Böschung werde mit Steinen befestigt, damit die Strasse nicht unterspült werde. An der alten Kantonsstrasse bei Spino seien Sanierungsarbeiten im Gang.

Das Bergell ist seit Mitternacht wieder vom Engadin her erreichbar. Noch Tage blockiert sein wird die Zufahrt nach Italien. Die evakuierten Bewohner der Gemeinden Bondo und Spino können bis auf weiteres auch nicht in ihre Häuser zurück. Im Tal sei der Zusammenhalt sehr gross, sagte Gartmann: "Die grosse Solidarität und die geleistete Soforthilfe sind ein weiterer Lichtblick für die Betroffenen."

Der Bergsturz von Bondo
18 Bilder
Am Piz Cengalo im Grenzgebiet zu Italien löste sich in der Nacht auf Freitag kein weiteres Gestein
Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durchs Tal: Doch wie man sieht, ist das Dorf Bondo noch glimpflich davongekommen.
Der gewaltige Murgang streifte Bondo und überspülte die Hauptstrasse des Bergells.
Vier Millionen Kubikmeter Material waren am Mittwoch abgebrochen und in das Seitental Val Bondasca gestürzt, von wo aus ein Teil des Abbruchs bis ins Haupttal Bergell vor das Dorf Bondo geschoben wurde.
Eine weitere Million Kubikmeter soll am Berg in Bewegung sein, weshalb mit weiteren Bergstürzen gerechnet wird.
Wie die Polizei mitteilte, stammen die Vermissten aus dem Bundesland Baden-Württemberg in Deutschland, aus der österreichischen Steiermark und aus dem Kanton Solothurn.
Die Einwohner des Bergeller 200-Seelen-Dorf Bondo mussten nach dem Bergsturz und einem folgenden Murgang evakuiert werden.
Im Murgebiet, wo ein Alarmsystem installiert ist, arbeiten insgesamt 120 Einsatzkräfte.
Am Freitag, zwei Tage nach dem Felssturz, durfen einige der 100 evakuierten Bewohner zurück ins Dorf. Welche, das ging von der Gefahrenzone ab.
Andere durften am Freitag in Begleitung des Zivilschutzes oder der Feuerwehr vorübergehend in ihre Wohnungen gehen.
Am Donnerstag machte sich Bundespräsident Doris Leuthard persönlich ein Bild von der Lage in Bondo.
Der Bergsturz von Bondo ist einer der gewaltigsten in der Schweiz seit deutlich über 100 Jahren.
Mit einer Ausnahme handelt es sich sogar um den grössten Materialabgang seit dem Grossereignis in Elm im Kanton Glarus im Jahr 1881.
Der Bergsturz im Bergell hat viele Gebäude zerstört, wie Luftaufnahmen zeigen. Felssturz und Murgang zerstörten auch Felder und Weidegebiet, Strassen und Wege.
Wie hoch die Schäden wirklich sind, wird erst klar, wenn Schadenexperten das Gebiet betreten dürfen.
Bergsturz in Bondo: So sieht es im Ort aus Der Bergsturz bei Bondo im bündnerischen Bergell hat möglicherweise doch Opfer gefordert. Sechs Personen sind als vermisst gemeldet. Die Suche nach den Vermissten ist noch am Laufen. Dabei kommen auch Helikopter der Armee zum Einsatz. Der 200-Seelen-Ort bleibt evakuiert.

Der Bergsturz von Bondo

Miguel Medina