Der weissrussische Vize-Regierungschef Wladimir Semaschko sagte in Minsk, Weissrussland wolle "grundsätzlich" seine Schulden begleichen. Das finanzschwache Land brauche aber zwei Wochen, um das Geld aufzutreiben. Gleichzeitig hielt Minsk jedoch seine Forderung nach ausstehenden Transitgebühren aufrecht.

Laut Gazprom schuldet Weissrussland dem Konzern noch 192 Millionen Dollar für Gaslieferungen. Minsk hatte eine Bezahlung in Naturalien wie Autos angeboten, was Russland jedoch ablehnte.

Die weissrussische Regierung ist ihrerseits der Ansicht, dass Gazprom 217 Millionen Dollar Gebühren für den Gastransit durch Weissrussland noch nicht bezahlt hat. Semaschko erneuerte die Forderung nach Zahlung des Betrags.

Da seit Tagen keine Einigung im Streit um die unbezahlten Rechnungen erzielt werden konnte, ordnete der russische Präsident Dmitri Medwedew am Morgen an, die Lieferungen nach Weissrussland schrittweise um bis zu 85 Prozent zu drosseln.

Auch Russlands Regierungschef Wladimir Putin schaltete sich in die Debatte ein und kritisierte das Verhalten Weissrusslands: Das Land schulde Russland fünf Monatsraten für Gas. "Die erste Mahnung haben wir am 31. März abgeschickt, und seitdem hat Minsk drei Aufforderungen unbeantwortet gelassen", sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax.

Erst im Januar hatten sich Russland und Weissrussland nach monatelangem Streit um den Gaspreis auf einen neuen Liefervertrag geeinigt. Im Januar 2007 hatte eine Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern zu einem mehrtägigen Öllieferstopp geführt, der auch westeuropäische Länder betraf.