Für diese Weihnachten sieht es gemäss Meteo Schweiz im Mittelland nicht gut aus, was die weisse Pracht betrifft. In den nächsten Tagen sind wir durch eine relativ milde Westströmung beeinflusst, mit gelegentlichen Niederschlagsphasen. Die Schneefallgrenze liegt dabei meist über 1400 Metern. Die Strömung dreht in der Nacht von Heiligabend zum Weihnachtstag auf Nordwest, in den östlichen Voralpen und Alpen bringt das gemäss Stephan Bader von der Abteilung Klima bei Meteo Schweiz etwa 10 bis 20 Zentimeter Schnee oberhalb von 800 Metern. «Darunter ist kaum mit Schnee zu rechnen», sagt der Klimatologe des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie in Zürich.

So wird also wieder nichts aus weissen Weihnachten, die eher einem Mythos entspringen und auch in unseren Kindertagen nicht die Regel waren. Sie seien ein zufälliges Phänomen, sagt Bader, das von der Wetterlage kurz vor Weihnachten abhängig ist. «Auf ein Weihnachtsfest mit etwas Schnee folgen meist einige Jahre mit grünen Weihnachten. Das war früher so und ist auch heute noch so», sagt der Klimatologe.

Gute Verhältnisse in Graubünden und im Wallis

So lassen die Messungen der Forscher seit 1931 keinen Trend zu mehr oder weniger weissen Weihnachten im Mittelland erkennen. «Wirklich weisse Weihnachten mit Schnee an allen drei Weihnachtstagen gibt es im Mittelland ohnehin nur in 20 bis 25 Prozent der Jahre», sagt Bader.

Immerhin liegt die aktuelle Schneehöhe in den Ostalpen, im Engadin, am westlichen Alpennordhang und im Wallis im Bereich der Norm oder sogar etwas darüber. In der Zentralschweiz liegt allerdings etwas weniger Schnee als im Durchschnitt, wie das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos festhält. Da muss wohl der Kunstschnee helfen, der in hohen Lagen schon seit Wochen erzeugt wird. Dort ist es genug kalt für den Beschneiungsvorgang. Für die nächsten Tage wird das unterhalb von 1500 Metern dagegen schwierig, weil das Thermometer kaum oder zu wenig lange unter den Gefrierpunkt fallen wird. «Zudem wird der Westwind auch sehr stark bis stürmisch sein, damit kann das Beschneien kaum gezielt ausgeführt werden», sagt Bader.

Wie treffsicher sind die Meteorologen?

Aber wie zuverlässig sind überhaupt Prognosen? 2013 gab es im Tessin einen kleinen Aufstand, weil über Pfingsten mehr Hotelbetten und Restaurantplätze leer geblieben waren als in anderen Jahren üblich. Schuld daran seien die Meteorologen nördlich der Alpen, welche mit ihren schlechten Prognosen die Deutschschweizer vom pfingstlichen Besuch der Sonnenstube abgehalten hätten. Dabei hatte es doch zwischen den Regenschauern einige Sonnenstrahlen. Schnell entbrannte in sozialen Medien eine Diskussion über die Wirkung von Wetterprognosen und deren Genauigkeit.

Ganz ernst nehmen kann Meteo-Schweiz-Spezialist Stephan Bader diese Diskussion wohl nicht. Sie seien stehts bemüht, korrekte Prognosen zu erstellen. Wenn die Vorhersagen für das Wetter im Tessin schlecht ausfielen, sei dem halt so. Auf keinen Fall würden die Meteorologen absichtlich schlechte Prognosen erstellen, um die Touristen abzuhalten.

Auch das mögliche Wetter über Weihnachten beschäftigt die Leute schon lange im Voraus. Generell liege die durchschnittliche Trefferrate der Vorhersagen von Meteo Schweiz für einen Tag bei etwa 85 Prozent. Für drei Tage bei 80 und fünf Tage bei 70 Prozent.

Die Treffsicherheit der Prognose hänge, unabhängig ob Weihnachten oder nicht, vor allem von der zu erwartenden Strömungslage ab, welche das Wetter macht. Kommt die Strömung von Westen, wird oftmals milde und feuchte Atlantikluft zur Schweiz geführt. Darin entwickeln sich nach Stephan Bader dann oftmals Tiefdruckgebiete mit Frontensystemen. «Je nach Stärke der Strömung lässt sich dabei ein genauer Zeitplan der Niederschlagsphasen auf höchstens zwei bis drei Tage vorhersagen», erklärt Bader.

Noch schwieriger ist es für die Meteorologen, bei solchen Strömungslagen die Höhe der Schneefallgrenze vorherzusagen. Nur wenn zum Beispiel eine Tiefdrucklage mit Zustrom von polarer Kaltluft aus Norden oder Nordwesten zu erwarten ist, lässt sich besser sagen, auf welcher Höhe Schneeflocken fallen.