Glosse

Weil Streicheleinheiten in der Corona-Krise besonders gefragt sind: Armee befördert eine Katze zum Stabsadjutanten

So feiert die Schweizer Armee auf ihrer offiziellen Facebook-Seite die Büsi-Beförderung.

So feiert die Schweizer Armee auf ihrer offiziellen Facebook-Seite die Büsi-Beförderung.

Eine Katze im Militärsrang? Das gibt es jetzt in der Schweizer Armee. In Sumiswald wurde «Lili» wegen ihrer Verdienste um die Truppe befördert. Das sei kein Witz, sagt die Armee. Eine Glosse zur Büsi-Beförderung.

Ein Kuschelverein? Nein doch, die Schweizer Armee, die beste der Welt, härtet junge Burschen ab, erzieht sie zu richtigen Männern.


Doch die Coronakrise treibt ganz neue Blüten. Kuscheldienste und Streicheleinheiten sind jetzt auch in der Männerbastion gefragt. Im Rekrutierungszentrum Sumiswald hat die Armee deshalb nun die Katze Lili ganz offiziell zum Stabsadjutanten befördert. Wegen ihrer Verdienste um die Truppe während der Coronakrise, wie die Schweizer Armee auf Facebook schreibt. „Sie hat die Ehre der Beförderung mit ihrer unermüdlichen moralischen Unterstützung der Truppen verdient“, heisst es zur Büsi-Beförderung. „Ihre Anwesenheit und Ermutigung der Angehörigen der Armee wurde zu einer unbezahlbaren Hilfe für das Infanteriebataillon 19.“

Auf Nachfrage bestätigt ein VBS-Sprecher, dass sich bei der Büsi-Nummer weder um einen Witz handelt noch dass die VBS-Facebook-Sitze gehackt wurde: „Es handelt sich nicht um eine rechtlich bindende Beförderung. Sie erfolgte spontan aus Gründen der Förderung der Moral der Truppe, zeigt menschliche Wärme auch während des Assistenzdienstes Corona in der Armee. Lili hat sich in die Herzen der Armeeangehörigen gearbeitet, die während ihres Corona-Einsatzes weder Ausgang noch Urlaub hatten.“

Unterschrieben wurde die Beförderung vom Kommandanten des Infanteriebataillons 19, einem Mann im Range eines Oberstleutnants. Muss man jetzt Angst haben um die geistige Gesundheit in der Schweizer Armeeelite? Im VBS versteht man solche Fragen nicht. „Sie sind jetzt der allererste Medienschaffende oder Mensch überhaupt, der diese Geschichte so kritisch angeht“, heisst es auf eine Anfrage. Kein Wunder: Bei der Armee hat man, wie in Boulevardmedien, gute Erfahrungen mit Katzenbildern gemacht. Auf dem Waffenplatz Lyss gab es die offizielle Armeekatze, „Brigadier Broccoli“. „Anerkennung, Lob und gar internationale Aufmerksamkeit“ habe dies ausgelöst, heisst es bei der Armee. „So war seinerzeit beispielsweise die BBC für eine Reportage über Brigadier Broccoli in Lyss.“

Nun gäbe es tatsächlich Grund zur Sorge, wenn man in die Geschichte schaut. Wo Tiere befördert wurden, da war dies auch ein Zeichen absoluter Macht. Der römische Kaiser Caligula machte sein Pferd zum Senator und düpierte damit die Politelite Roms. Generationen von Historikern erklärten ihn später für verrückt. Der thailändische König ernannte einen Pudel zum General. Wer den König kritisiert, riskiert eine Gefängnisstrafe. Ist die Schweizer Katzenbeförderung also ein Zeichen der fast unkontrollierten Machtfülle, die der Bundesrat per Notverordnung hat? Offenbar ging es ohne Viola Amherds Eingreifen. Zum Glück. Man stelle sich vor, Amherd hätte Zwergkaninchen als Haustiere. Oder sie hätte ein Walliser Schwarznasenschaf zum Brigadier befördert, das nun von Soldaten oder hochrangingen Militärs im Bundeshaus gegrüsst werden müsste. Immerhin: Vielleicht könnten Brieftauben das Bundesamt für Gesundheit unterstützten, das Mühe hat, die Coronadaten aus den Kantonen per Fax einzusammeln.

Bleibt noch die Frage tierischer Nebenwirkungen. Vielleicht findet der eine oder andere Soldat, er sei ein Affe, wenn er sich für eine Beförderung anstrengt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1