Bereits 2014 hat das norwegische Parlament in Oslo die Wehrpflicht beschlossen, die Wehrpflicht auf beide Geschlechter auszudehnen. Diese Woche rücken die ersten weiblichen Soldaten in die Armee ein.

Nach dem skandinavischen Vorbild will nun auch hierzulande eine Expertengruppe die Wehrpflicht für Schweizerinnen prüfen. Weil die Schweizer Armee immer mehr spezialisierte Fachkräfte benötige, wolle man so das Potenzial an gut ausgebildeten Frauen für das Militär erschliessen, so die Expertengruppe des Bundesrats.

Für Regula Zweifel, Geschäftstellenleiterin von «Alliance F», dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, sind die Pläne des Bundes aber reichlich verfrüht. 

«Die Schweiz muss zuerst einmal ihre Hausaufgaben betreffend Lohngleichheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie machen», erklärt sie auf Anfrage der az. «Auch wir sind für gleiche Pflichten von Männern und Frauen, doch die Lohngleichheit hat in der Schweiz eine höhere Priorität.»

Noch immer gebe es eine Diskrepanz von rund acht Prozent bei den Gehältern zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern, die schlicht nicht erklärbar sei. Auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinke die Schweiz Ländern wie Norwegen oder Schweden hinterher. «Man muss zuerst für diese Bereiche Lösungen finden, ehe ein neues Thema angesprochen wird», so Regula Zweifel.

Auf die Frage, ob eine Wehrpflicht für Frauen denn nicht viel Positives zur Schweizer Armee beitragen könne, antwortet die Geschäftsstellenleiterin: «Mit der Armee ist es wie mit der Wirtschaft, Diversität ist immer gut. Es soll jeder Frau freistehen, dem Militär zu dienen.»

Doch man könne nicht einfach ein norwegisches Teilmodell für die Schweiz herauspicken, erklärt die «Alliance F»-Sprecherin. «Man muss die ganze Gesellschaft eines Landes anschauen. Und von einer Gesellschaft wie in Norwegen sind wir noch weit entfernt.»