Trimbach
Wegen Schändung verurteilter Mitarbeiter wird weiter beschäftigt

Früherer Trainer darf auch künftig bei Swiss Unihockey bleiben obwohl bei ihm kinderpornografische Dateien sowie heimlich gedrehte Spielervideos sichergestellt wurden.

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Unihockey

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Aargauer Zeitung

Jürg Salvisberg

Im Laufschritt und mit einem Schirm als Schutz vor der aufgestellten Kamera von Tele M1 verliess der Gründer des Unihockeyclubs Trimbach am Dienstag nach der Verhandlung das Richteramt Olten-Gösgen. Auf ein solches Spiessrutenlaufen muss sich der 41-Jährige bei Swiss Unihockey nicht gefasst machen. Obwohl der frühere Trainer wegen mehrfacher Schändung an zwei jüngeren Teamkollegen, wegen des Herunterladens kinderpornografischer Dateien sowie wegen der Aufbewahrung heimlich gedrehter Spielervideos zu 14 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt wurde (siehe gestrige Ausgabe), muss er vorläufig nicht um seinen Job bangen.

Front-Einsätze gibts keine mehr

Er darf sich auf der Geschäftsstelle des Schweizerischen Unihockeyverbands in Bern weiter um das Schiedsrichterwesen kümmern. Dort hatte er seine Arbeit seit 2002 zur besten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erledigt. Nur nachdem im Oktober 2004 nach der Polizeiaktion «Falcon» aufflog, dass er 40 Spieler in der Garderobe und unter der Dusche heimlich gefilmt hatte, wurde er vorübergehend freigestellt.

Verbunden mit therapeutischer Hilfe wollte Swiss Unihockey seinem Mitarbeiter mit der Weiterbeschäftigung die Möglichkeit geben, sich wieder ins normale Leben einzugliedern. Dieser Entscheid erfolgte nach Konsultationen mit Swiss Olympic und der Fachstelle Mira, die sich mit Präventionsangeboten gegen sexuelle Ausbeutung einsetzt. Am 2005 noch ohne ihn eingeschlagenen Kurs will Zentralpräsident Edwin Wiedmer auch nach der Verurteilung wegen der damals noch nicht bekannten Schändungsvorfälle grundsätzlich festhalten.

«Wir können nicht zur Inquisition schreiten, denn jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient», sagte der Vorsitzende des Unihockeyverbands auf Anfrage. Gleichzeitig sicherte Edwin Wiedmer zu, dass die Verantwortlichen die Lage nach dem Studium der schriftlichen Urteilsbegründung mit den beiden Partnerorganisationen erneut analysieren wollen. Mit einem definitiven Entscheid zur beruflichen Zukunft des Verurteilten sei bis im Juli zu rechnen.

Als Sofortmassnahme will Edwin Wiedmer Fronteinsätze des früheren Trimbacher Unihockeytrainers unterbinden. Dieser hatte nämlich im Prozess angegeben, dass er noch als Beobachter von anderen Schiedsrichtern im Einsatz sei. Auch die Umschreibung seiner Tätigkeit auf der Website von Swiss Unihockey enthielt noch gestern neben klassischer Büroarbeit die Stichworte «Betreuung» und «Coaching», die den direkten Kontakt mit Leuten nahe legen, die teils noch in Ausbildung stehen. «Einzig den privaten Besuch von Spielen kann ich ihm nicht verbieten», so Edwin Wiedmer.