Der Deutsche Hochschulverband ist entrüstet über die Vorkommnisse an der Uni Zürich und die Entlassung von Titularprofessorin Iris Ritzmann. «Der entstandene Reputationsschaden für die renommierte Universität Zürich ist verheerend», sagt Matthias Jaroch, Sprecher des Verbands, der «Schweiz am Sonntag».

Mit 30 000 Mitgliedern ist der Deutsche Hochschulverband die grösste Wissenschaftsvereinigung Europas. «Dass sich die Universität gegen eine Professorin stellt, die für den Ruf ihres Instituts und die Wahrung wissenschaftlicher Standards kämpft, ist irritierend», sagt Jaroch.

Deshalb warnt der Verband nun seine Mitglieder, wenn sie eine Professur in die Schweiz annehmen wollen. Deutsche Akademiker mit Jobofferten an Schweizer Universitäten werden auf «die Besonderheiten des Schweizer Dienstverhältnisses» hingewiesen.

Deutsche Professoren würden in der Regel wie Beamte behandelt, sagt Jaroch. Schweizer Professoren seien hingegen lediglich gewöhnliche Angestellte. Durch das Beamtenrecht sei die Freiheit des einzelnen Professors stärker geschützt.

Am Mittwoch hat Interimsrektor Otfried Jarren bekannt gegeben, dass die Kündigung der Medizinhistorikerin Ritzmann nicht zurückgenommen wird. Eine Expertise des ehemalige Direktors des Bundesamts für Justiz, Heinrich Koller, hatte ergeben, dass sie rechtmässig sei.

Anfang November ist der damalige Rektor, Andreas Fischer, zurückgetreten, nachdem die Entlassung und Lohnrückforderungen an Ritzmann international Protest auslöst hatten. Ritzmann wird vorgeworfen, sie haben Internas an Journalisten weitergegeben und damit eine Berichterstattung ausgelöst, welche zur Entlassung von Medizinhistoriker und SVP-Nationlarat Christoph Mörgeli geführt habe.