Jeder fünfte Schüler in der Schweiz kann mit 15 Jahren kaum einen einfachen Text lesen und verstehen: Das Fazit der jüngsten Pisa-Studie rüttelt Fachleute auf. Nun lanciert der Bildungsexperte des Schweizer Lehrerverbandes, Jürg Brühlmann, eine neue Idee, um die Leseschwäche zu bekämpfen: Fremdsprachige Kinder mit Migrationshintergrund sollen Kurse ihrer Muttersprache besuchen statt Französischunterricht. Also etwa Albanisch, Portugiesisch, Spanisch oder Italienisch.

"Das wäre keine Dispensation, sondern ein Ersatz", sagt er in der "NZZ am Sonntag". So hätten sie mehr Kapazitäten frei für das Erlernen von Deutsch. Als prüfenswert bezeichnet der Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz, Christoph Eymann, diese Idee aus den Reihen des Lehrerverbandes. "Das ist ein guter Ansatz, der sich diskutieren lässt", sagt er in der "NZZ am Sonntag.

"Man darf die Kinder nicht überfordern mit den Sprachen." Solche Entlastungen müssten jedoch im Einzelfall geprüft werden und dürften nicht für ganze Gruppen gelten. Allerdings haben Kinder mit Migrationshintergrund in der jüngsten Pisa-Studie eher etwas aufgeholt. Darum müssten auch Massnahmen für leseschwache Kinder deutscher Muttersprache gefunden werden, sagt Eymann: "Es ist wichtig, dass wir die Lesekompetenz der Schüler früh und intensiv fördern."