Im Frühling war die Bergwelt noch in Ordnung: Über den Winter fiel viel Niederschlag, sodass Ende Februar auf den Gletschern 20 bis 60 Zentimeter mehr Schnee lagen als in einem gewöhnlichen Jahr. Doch diese weisse Schutzdecke ist nun fast überall weg. Die meisten kleinen Gletscher sind mittlerweile schneefrei. «Bleibt es dieses Jahr weiterhin so warm und trocken, könnte das Jahr 2018 trotz des vielen Schnees im Winter deshalb noch schlimmer werden als 2017», sagt der Leiter des Gletschernetzwerkes Matthias Huss. Das vergangene Jahr war eines der schlechtesten für die Gletscher. Die Eisschicht schmolz aber Ende September nicht mehr weiter. Ausserdem fiel während des Sommers mehrmals Niederschlag in den Bergen. Dieser ist 2018 seit Mai ausgeblieben.

Ein düsteres Bild zeigt sich auf dem Aletschgletscher, der grössten Eiszunge in den Alpen. An heissen Sommertagen verliert dieser bis zu 20 Zentimeter an Höhe. Zählt man die Abschmelzung im Winter dazu, verflüssigen sich jährlich bis zu 12 Höhenmeter Eis. Wenn man die im Pariser-Abkommen beschlossenen Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses umsetzt, können gemäss Experten grössere Gletscher noch gerettet werden. Keine Chance gibt es jedoch für die anderen permanenten Eisflächen. «Kleine Gletscher sind verloren», sagt der Gletscherforscher Matthias Huss im Interview mit dieser Zeitung.