Gaddafi befahl, dass Libyen für Bürger aus EU-Staaten keine Einreisevisa mehr ausstellen dürfe.

Und Befehle des lybischen Homo Politucs werden bekanntlich stante pede ausgeführt. Also sind auch Passagiere, die gestern in Tripolis eintrafen, davonbetroffen. Laut «Welt Kompakt» werden mindestens 300 Reisende auf dem Flughafen Tripolis festgehalten.

Die Passagiere seien vor der Landung darüber informiert worden, dass ihre zuvor erteilten Einreisevisa storniert wären. Nach der Landung hätten sie die Flugzeuge verlassen müssen, ihre Pässe seien eingesammelt worden. (cls)

Gaddafis Retourkutsche

Als Reaktion auf die von der Schweiz verhängten Reisebeschränkungen für Mitglieder der libyschen Elite verweigert Tripolis ab sofort Bürgern aus dem Schengen-Raum die Einreise in das nordafrikanische Land.

"Die Europäische Kommission verurteilt den einseitigen und unangemessenen Entscheid der libyschen Behörden, Bürgern aus Schengen-Staaten keine Visa mehr auszustellen", teilte die EU am Montagabend mit.

Auch kritisierte sie, dass Reisende mit einem gültigen Visa an der Einreise nach Libyen gehindert worden seien. Die Massnahme Tripolis werde vor Ende der Woche beraten. Eine angemessene Reaktion werde dann beschlossen, schrieb die EU in einer Mitteilung.

Das französische Aussenministerium riet seinen Bürgern ausdrücklich davon ab, nach Libyen zu reisen, solange die Massnahmen in Kraft seien. Auch Italien und Deutschland wiesen Reisende auf den Visa-Stopp hin.

"Nur die Einreise für Personen mit gültiger Aufenthaltsberechtigung soll weiterhin möglich sein", schreibt das deutsche Aussenministerium auf seiner Webseite. Allerdings könnten Entscheide der libyschen Behörden davon abweichen. Laut dem Amt habe Libyen den Visa-Stopp am Montag bekannt gegeben.

Laut dem italienischen Aussenministerium handelt es sich um eine Retorsionsmassnahme Libyens gegen den Entscheid der Schweiz, rund 180 Libyern die Einreise zu verweigern. "Die libysche Antwort auf den Schweizer Entscheid betrifft alle Länder der Schengen-Zone", sagte ein Sprecher in Rom.

Die Schweiz nehme alle Länder des Schengen-Raums als Geisel, indem sie diversen Libyern die Einreise verweigere, kritisierte der italienische Aussenminister Franco Frattini gegenüber dem Fernsehsender Sky TG24.

Beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wollte man die Äusserungen von Frattini nicht kommentieren. Die Schweiz habe eine restriktive Visa-Politik gegenüber Libyen beschlossen und halte diese weiterhin aufrecht, sagte EDA-Sprecher Lars Knuchel auf Anfrage.

Zum Schengen-Raum, in dem unkontrolliertes Passieren der Grenzen möglich ist, gehören 25 europäische Länder, darunter die Schweiz. Das EU-Mitglied Grossbritannien ist nicht dabei und demnach laut libyschen Angaben auch nicht von der Massnahme betroffen.