Das malerische Verzascatal nahe Locarno ist ein Touristenmagnet. Das smaragdgrüne Wasser mit bizarren Felsformationen zieht jeden Sommer reichlich Ausflügler an. Doch an einen Boom wie in den vergangenen Wochen und Tagen kann man sich im Tal nicht erinnern. Insbesondere bei den Felsen von Lavertezzo mit seiner berühmten Bogenbrücke reiht sich Badetuch an Badetuch.

Grund für den Ansturm, insbesondere von Italienern, ist ein Video des italienischen Bloggers Marco Capredi alias «Capedit» auf Facebook, das viral ging. In 1 Minute und 15 Sekunden wird Badespass in der smaragdgrünen Verzasca gezeigt, inklusive Sprüngen ins kühlende Nass. Fun pur. Laut dem Video sind die «Malediven von Mailand» nur eine Autostunde von der lombardischen Metropole entfernt, was natürlich reichlich untertrieben ist. Auch von der frischen Wassertemperatur des Bergflusses und seinen tückischen Strömungen wird nicht gesprochen.

Tatsache ist: Bis am Sonntag verzeichnete das am 10. Juli online gestellte Video 2,8 Millionen Aufrufe. Zudem wurde das Filmchen inzwischen fast 24 000 Mal geteilt und 14 000 Mal kommentiert. Zur Verbreitung haben auch grosse italienische Tageszeitungen beigetragen, welche das Video online schalteten und über die Folgen berichteten.

Wildparkierer und Abfallberge

Doch der Boom hat Schattenseiten. Die kleine und enge Talschaft quillt bei schönem Wetter am Wochenende über. Wild parkierte Fahrzeuge und Abfallberge sind die Folge. Einheimische machten ihrem Ärger Luft, zumal die vielen Tagesgäste praktisch keinen Mehrwert generieren. Die meisten bringen ihr Picknick mit. In den Social Media werden die Italiener häufig beschimpft. Inzwischen wurden etliche Ordnungshüter eingestellt. Zudem wurden zusätzliche Schilder mit Verkehrsanweisungen installiert.

Lavertezzo mit seiner berühmten Bogenbrücke wird bei schönem Wetter von Touristen überlaufen. Gerhard Lob

Lavertezzo mit seiner berühmten Bogenbrücke wird bei schönem Wetter von Touristen überlaufen. Gerhard Lob

Der «Fall Verzasca» hat mittlerweile auch die Tessiner Politik erfasst. So wurde die Effizienz der Verkehrsvereine und ihrer Promotionsstrategie angesichts des Erfolgs eines kurzen Videos hinterfragt. FDP-Grossrätin Natalia Ferrara kritisierte wiederum ihre Landsleute, die sich nun beklagten. Blieben die Touristen im Tessin aus, werde gejammert, kämen sie in Scharen, sei es auch nicht recht. Statt zu klagen, solle man lieber nach pragmatischen Lösungen suchen. Nach solchen Lösungen wird indes schon seit Jahren gesucht. Immer wieder ist diskutiert worden, eine Maut für das Verzascatal einzuführen oder den Zugang für Touristen nur mit Shuttle-Bussen zuzulassen. Schliesslich einigte man sich auf eine strenge Parkplatzregelung. Demnach ist das Parken nur in klar definierten Parkplätzen zugelassen – für 10 Franken pro Tag.