Der Regen könne destabilisierend wirken. Es bestehe die Gefahr neuer Murgänge, sagte Christian Gartmann, Sprecher des Führungsstabes der Talgemeinde Bregaglia, zu der auch der Bergsturz-Ort Bondo gehört. Laut Gartmann warnte die Gemeinde die Bevölkerung vor einem Aufenthalt im gefährdeten Gebiet der Orte Bondo und Promontogno.

Am Grenzberg zu Italien, dem Piz Cengalo, waren am Mittwoch letzter Woche drei Millionen Kubikmeter Gestein abgebrochen. Das Material wurde danach als Murgang über das Seitental Bondasca ins Haupttal Bergell bei Bondo geschoben. Eine Wiederholung der Naturkatastrophe, bei der acht Menschen ihr Leben verloren und mehrere Gebäude beschädigt wurden, scheint nicht ausgeschlossen.

Bilder von den Schäden nach dem Bergsturz bei Bondo:

Bagger baggern auf Hochtouren

Am Piz Cengalo befinden sich laut Gartmann 500'000 bis eine Million Kubikmeter Gestein, die "akut absturzgefährdet" sind. Doch niemand weiss, ob überhaupt oder wann das Material abstürzen könnte. Im Gemeindehaus Bregaglia in Promontogno, wo sich auch der Führungsstab befindet, wurden jedenfalls vorsichtshalber die Türen und Fenster im Erdgeschoss mit Brettern geschützt.

Die Aufräumarbeiten in Bondo unter ständiger Beobachtung

Die Aufräumarbeiten in Bondo unter ständiger Beobachtung (Beitrag vom 28. August 2017)

Die Aufräumarbeiten in Bondo kommen nur zögerlich voran, da die Personen im Gebiet stets durch weitere Murgänge in Gefahr kommen können. Im Südbündner Bergsturz-Ort Bondo steht die Armee zwar zum Helfen bereit ein Einsatz im Bergell ist zur Zeit aber zu gefährlich. Armeeangehörige müssten sich während der Arbeit im überschwemmten Auffangbecken vor dem Dorf Bondo im Notfall innert vier Minuten in Sicherheit bringen können. Das sei nicht möglich, weil das abgebrochene Material in Bewegung sei. Mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind zivile Personen - und das unter ständiger aufmerksamer Beobachtung.

Derweil wird fieberhaft im Auffangbecken vor Bondo gearbeitet. 16 Bagger waren laut Christian Gartmann am Donnerstag pausenlos im Einsatz. Sie holten das angeschwemmte Material des letzten Murgangs aus dem Becken. Damit wird Platz geschaffen, sollte sich wieder ein Murgang aus dem Val Bondasca wälzen.

Risiko von Murgängen und Hochwasser

Der Wetterdienst MeteoNews kündigte am Donnerstag intensive Niederschläge an, das Risiko von Hochwasser und Murgängen steige, hiess es. Eine Kaltluftfront soll Regen bringen, vor allem in der Zentral- und Ostschweiz - insgesamt über 100 Liter pro Quadratmeter.

Derweil erfährt das italienischsprachige Südtal Bergell zusehends mehr Solidarität von aussen. Die Glückskette schaltete sich am Donnerstag ein. Die Schweizer Spendenorganisation eröffnete ein Sammelkonto und hilft sofort mit 260'000 Franken.

Der gigantische Felssturz am Piz Cengalo in Bondo

Der gigantische Felssturz am Piz Cengalo in Bondo (Beitrag vom 29. August 2017)

Am 3369 Meter hohen Piz Cengalo in Bondo im Kanton Graubünden lösten sich am 23.8.2017 gigantische Gesteinsmassen, die zu Felslawinen, Muren und Überschwemmungen führten.

Der Entscheid der Glückskette sei ein Lichtblick in dieser schweren Zeit, wird die Präsidentin der Talgemeinde Bregaglia, Anna Giacometti, in der Mitteilung zitiert.

Finanzielle Unterstützung leistete zudem die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden. Die Organisation stellt als Soforthilfe 500'000 Franken zur Verfügung. Zudem wurde ein spezieller Bondo-Fonds eingerichtet.