Schweiz

Wegen Corona-Krise: Intensivmediziner sorgen sich um fehlendes Pflegepersonal

Das Personal auf der Intensivstation ist essenziell im Kampf gegen das Corona-Virus.

Das Personal auf der Intensivstation ist essenziell im Kampf gegen das Corona-Virus.

Der Intensivmediziner Thierry Fumeaux sorgt sich nicht um die Anzahl der Beatmungsgeräte und Betten in den Spitälern. Er befürchtet, dass es durch Ansteckungen weniger Pflegefachpersonal geben könnte. Das erfährt er am eigenen Leib: Fumeaux hat das Corona-Virus.

(dpo) Täglich steigt die Anzahl der mit Covid-19 infizierten Menschen. 6113 Fälle sind es laut den neusten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Was in diesen Zahlen nicht drin steht: Auch das Pflegepersonal und die Ärzte sind betroffen. Wie exponiert sie sind, zeigt sich an Thierry Fumeaux, dem Co-Leiter der Intensivmedizin im Spital Nyon: er hat das Corona-Virus.

«Ich bin seit letzten Dienstag zu Hause. Im Moment habe ich nur wenige Beschwerden, und ich gehöre zu keiner Risikogruppe. Wir wissen, dass die Mehrheit der Personen mit schweren Verläufen erst nach fünf bis sieben Tagen Atemnot entwickeln. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass ich in ein paar Tagen wieder gesund bin», sagt Fumeaux gegenüber der «Sonntagszeitung».

Sein Fall sei nicht ungewöhnlich. Auch das Pflegepersonal und die Ärzte auf den Intensivstationen tragen ein Risiko. So gehöre laut Fumeaux jeder zehnte Infizierte in Italien zum Gesundheitspersonal. Das könnte in der Schweiz zu Problemen führen.

«Gerade die Spezialisten sind absolut unersetzlich im Kampf gegen Covid-19», so Fumeaux, der auch Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin ist. Antje Heise, Vizepräsidentin der Gesellschaft, pflichtet ihm in der «Sonntagszeitung» bei: «Die grosse Frage wird sein, ob wir genügend der speziell ausgebildeten Pflegefachpersonen für die Intensivmedizin haben werden.»

Arbeiten bis zur Erschöpfung

Wie Heise weiter betont, sei die Intensivpflege eine sehr anspruchsvolle, zweijährige Nachdiplomausbildung. «Das kann man nicht in zwei Wochen lernen», so die ärztliche Leiterin der Intensivstation am Spital Thun. Auf der Station würden sie eine grosse Verantwortung zusammen mit den Ärzten übernehmen.

Gemäss Thierry Fumeaux habe man sichergestellt, dass in den kommenden Wochen so viel ausgebildetes Personal wie möglich auf der Intensivstation arbeitet. Allerdings seien einige dieser Fachpersonen derzeit verunsichert, sagt Heise. In einer Pandemie arbeiten Pfleger und Ärzte oft bis zur totalen Erschöpfung. «Es ist zentral, dass wir das nicht zulassen», so die Intensivmedizinerin.

Trotz eines kommenden Anstiegs der Infektionen sind beide Intensivärzte überzeugt, dass «die ganze Schweiz und auch wir im Gesundheitswesen diese Krise meistern werden.»

Meistgesehen

Artboard 1