Bundesratswahlen
Wegen Cassis' Kokain-Fauxpas: Pierre Maudet darf auf SVP-Stimmen hoffen

Pierre Maudet ist im Hoch und könnte die SVP-Fraktion spalten, die bisher für Ignazio Cassis war. Grund dafür dürften Cassis' Aussagen zum Thema Kokain-Liberalisierung im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» sein.

Othmar von Matt
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Hat gut lachen: Pierre Maudets Chancen, bei der SVP zu punkten, sind so gut wie nie.

Hat gut lachen: Pierre Maudets Chancen, bei der SVP zu punkten, sind so gut wie nie.

Keystone

Der Steigerungslauf von Pierre Maudet wurde mit der Nominierung auf das FDP-Ticket gekrönt. Am Dienstag folgt für den Genfer Regierungsrat nun die Stunde der Wahrheit. Wenn er im Zweikampf gegen FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis und auch gegen Nationalrätin Isabelle More eine echte Chance haben will, muss er im Hearing mit der SVP die Fraktion spalten – und sich über 15 Stimmen sichern.

Denn Cassis baut für seine Kandidatur auf die Stimmen von SVP, FDP und CVP. Maudet hingegen zählt bislang auf linke Unterstützung. Pierre Maudets Chancen, bei der SVP zu punkten, sind so gut wie nie, seit Cassis in der «Nordwestschweiz» sagte, er sei für die Liberalisierung von Kokain. «In Sachen Drogen ist mit der SVP nicht zu spassen», betont der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner.

Verhalte sich Maudet nun in Sachen EU richtig, «kann er zwischen 60 und 65 Stimmen holen – die entscheidenden Stimmen für seine Wahl». Doch was für ein Entgegenkommen erwartet Giezendanner von Maudet? «Natürlich darf er Ja zu den Bilateralen sagen. Aber er darf nicht für fremde Richter sein», betont er.

Und was ist mit dem internationalen Schiedsgericht, das Maudet vorschlägt? Giezendanner: «Das genügt nicht. Auch diese Richter wären ja fremde Richter.»

Giezendanners Forderung zeigt, dass Maudet keine SVP-Stimmen gratis erhält. Allerdings glaubt auch SVP-Ständerat Alex Kuprecht (ZH): «Die Aussagen von Ignazio Cassis sind gar nicht gut angekommen. Ein Drittel der Fraktion wird ihm die Stimme nicht geben.»

Handicap Nebs-Mitgliedschaft

Anders sehen das die Nationalräte Alfred Heer (ZH) und Thomas Hurter (SH). «Ich glaube nicht, dass diese Aussage einen grossen Einfluss hat», sagt Heer. «Für die SVP ist die Haltung der Kandidaten zur EU und zum institutionellen Rahmenabkommen entscheidend.» Moret und Maudet seien EU-Turbos.

Hurter hält fest: «Obwohl ich die Aussage von Cassis überhaupt nicht unterstütze, glaube ich nicht, dass sie matchentscheidend ist.» Ständerat Thomas Minder sagt: «Vom Profil her ist Maudet der Beste», sagt er. Er sei aber für ihn aus zwei Gründen nicht wählbar: «Maudet ist Nebs-Mitglied. Und er hat Illegale in der Schweiz legal gemacht. Beides ein absolutes No-Go.»

Maudet selbst glaubt, er sei «weniger chancenlos» als noch vor vier Wochen. «Aber ich bin noch immer keine Frau und kein Tessiner. Und das wird sich auch in den nächsten zehn Tagen nicht ändern.» Er sei auch erstaunt, hält er fest, «wie stark ich mich noch immer für meine Kandidatur aufgrund meiner Herkunft aus Genf und der Westschweiz rechtfertigen muss. Ich hätte gedacht, dass inzwischen inhaltliche Argumente eine wichtigere Rolle spielen als Quotenargumente.»

Maudet, der Präsidenten und Fraktionschefs aller Parteien trifft, spürt, dass er einen schweren Stand hat. Selbst in der FDP. Insider glauben, dass Deutschschweizer und Tessiner FDPler unisono Cassis unterstützen. Auch die Parteispitze scheint Cassis freie Fahrt zu ermöglichen. Präsidentin Petra Gössi, Vizefraktionschef Beat Walti und Generalsekretär Samuel Lanz versandten die «Empfehlung», keine gemeinsamen Dreier-Interviews zu machen, wie sie «Infrarouge» von RTS und die «Schweiz am Wochenende» planten.

«Wir sagten in der Empfehlung, dass Gladiatorenkämpfe zu dritt wenig sinnvoll sind», sagt Lanz. «Es ist besser, die persönlichen Stärken zu präsentieren.» Es war Cassis, der die Interviews absagte. Nachdem Maudet in beiden und Moret in einem Fall zugesagt hatten.