Eine Rente der Invalidenversicherung (IV) wegen einer Persönlichkeitsstörung oder ADHS (Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung) - das haben in den vergangenen Jahren immer mehr junge Erwachsene beansprucht.

Wie der «Tages-Anzeiger» mit Bezug auf das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) berichtet, haben im Jahr 2012 2032 Personen zwischen 18 und 24 Jahren eine Neurente zugesprochen erhalten, eine Zunahme von 11 Prozent gegenüber 2008.

Besonders ins Gewicht fallen dabei Neurentner mit einer psychiatrischen Diagnose, die Anzahl hat sich seit 1995 auf mittlerweile rund 1300 Fälle pro Jahr verdreifacht.

Demgegenüber nimmt die Zahl der IV-Neurenten über alle Altersgruppen hinweg massiv ab. Allein zwischen 2008 und 2012 verzeichnet das BSV einen Rückgang von 14 Prozent, seit 2003 sind es gar 50 Prozent. Entsprechend ging die Gesamtanzahl der IV-Rentenbezüger in den letzten Jahren zurück, 2012 waren es gut 234‘000 Personen - ein Minus von 7 Prozent gegenüber 2008.

Auch die Arbeitgeber sind gefordert

Dass immer mehr Junge von der IV leben, halten Experten für problematisch und fordern nun eine Systemanpassung. Oskar Bänziger, der ehemalige Leiter der Regionalärztlichen Dienste der IV in der Nordostschweiz, spricht sich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» für befristete Neurenten für unter 25-Jährige aus.

Im Gegenzug müssten sie intensiv betreut werden. Denn: Erhalten Junge eine unbefristete Rente, fehlt ihnen oft eine Tagesstruktur, was längerfristig den Einstieg ins Berufsleben erschwert. «Arbeit kann zwar krank machen, keine Arbeit zu haben, aber auch», so Bänziger.

Das BSV will Änderungen am bestehenden Rentensystem - insbesondere eine befristete Rente für Junge - nun prüfen, wie Vizedirektor Stefan Ritler sagt. In der Pflicht seien aber auch die Arbeitgeber. Denn: Lehr- und Arbeitsstellen für Jugendliche mit psychischen Problemen sind Mangelware. Auch für handwerkliche Ausbildungen sind mittlerweile mathematische Kenntnisse notwendig, welche die kognitiven Fähigkeiten von Jungen mit ADHS übersteigen. (fum)