Auch sie profitieren von der Allgemeinheit: Velofahrer verursachen jährlich Kosten von 100 Millionen Franken, die sie nicht selbst tragen. Das entspricht 0,6 Rappen pro gefahrenen Kilometer. Dies geht aus dem jüngsten Bericht über die externen Effekte des Verkehrs des Bundesamts für Raumentwicklung hervor.

Die Studie versucht, in Franken zu beziffern, wie das Herumfahren mit Autos, Lastwagen, Zügen und Velos die Umwelt beeinflusst. Der Ansatz ist umfassend: Er berücksichtigt mehr als ein Dutzend Faktoren, von Lungenkrankheiten, Ernteausfällen und Gebäudeschäden wegen hoher Luftverschmutzung über Lärm bis zu Verwaltungskosten von Versicherungen bei Unfällen. Dabei rutschen die Velofahrer unter dem Strich ins Minus. Schuld sind vor allem die hohen Kosten für Unfälle.

Berücksichtigt dabei werden einzig jene Unfälle, welche die Velofahrer selbst verursachen: 525 Millionen Franken an Kosten entstanden deswegen im Jahr 2015, auf dem die Studie beruht. Dabei sind jene der schnellen Elektrovelos mit Tempi über 25 Stundenkilometer noch nicht einmal enthalten. Diese werden den Motorrädern zugerechnet. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die Infrastrukturkosten für Velos. Die neuste Zahl dazu stammt von 2010, als Bund, Kantone und Gemeinden 423 Millionen Franken investierten.

Den Befürwortern des Bundesbeschlusses Velo kommen die neuen Zahlen zu den Kosten ungelegen. Der Gegenvorschlag zur Velo-Initiative, die zurückgezogen wurde, kommt im September zur Abstimmung. Bisher sind für die Veloinfrastruktur Kantone und Gemeinden zuständig. Neu soll der Bund eine Koordinations- und Unterstützungsrolle einnehmen, vorerst mit 1,5 Stellen. Das sei dringend nötig, sagt Jürg Haener vom Interessenverband Pro Velo Schweiz: «Der Veloverkehr nimmt viel schneller zu, als die Kantone bisher die Infrastruktur ausbauen.» Darin sei ein Grund für die hohen Unfallkosten zu suchen. «Es geschehen so viele Unfälle, weil die Infrastruktur noch nicht den neuen Gewohnheiten der Leute entspricht», sagt Haener. In Dänemark oder den Niederlanden ereigneten sich weniger Unfälle, weil ein durchgehendes Velowegnetz bestehe.

Velofahrer werden seltener krank

Der Bundesbeschluss solle die Situation verbessern, indem bei der Strassenplanung frühzeitig an die Zweiradfahrer gedacht werde. «Dann sind die Kosten für Velowege auch geringer, als wenn später bestehende Strassen umgebaut werden müssen», sagt Haener. Pro Velo nimmt auch die Lenker in die Pflicht: «Wir wollen die Velofahrer aber auch besser ausbilden, denn wenn diese im Strassenverkehr mehr Gewicht erhalten, haben sie auch eine grössere Verantwortung», sagt Haener. Jährlich nähmen 10'000 Personen an den Velokursen teil.

Wie die Abstimmung vom 23. September auch ausgeht: Trösten können sich Velofahrer damit, dass sie laut Fachleuten viel Gutes für sich selbst tun. Sie erzeugen gemäss Bundesstudie sozialen Nutzen von 10 Milliarden Franken jährlich: 276 Millionen, indem sie seltener krank sind, und 9,7 Milliarden Franken an «gewonnenen Lebensjahren», weil sie länger leben. Allerdings werden die Zweiräder auch hierbei von den Fussgängern überholt: Diese schaffen jährlich 20 Milliarden Franken an sozialem Nutzen.