Allen Ernährungstrends zum Trotz: Vom veganen Leben sind die Schweizer weit entfernt. Fast 250 Kilogramm Milch, Käse, Joghurt und andere Milcherzeugnisse konsumiert der Durchschnittsbürger pro Jahr, dazu kommen 50 Kilogramm Fleisch und etwa 15 Kilogramm Eier. Ganz ungesund ernähren sich die Schweizer aber auch nicht. Rund 120 Kilogramm Früchte und 100 Kilogramm Gemüse isst eine Person pro Jahr. Zudem ziehen Schweizer Brot und Pasta (Getreide, 90 kg) den Kartoffeln (40 kg) vor und sie trinken gerne Alkohol, mehr als 90 Liter pro Jahr. Das sind Schätzungen des Bundesamtes für Statistik (BFS), die auf der Basis von Zahlen des Bauernverbands berechnet wurden.

583 Franken für Essen pro Monat

Ein Schweizer Haushalt, in dem im Schnitt 2,2 Personen leben, gab 2014 jeden Monat gut 583 Franken für Nahrungsmittel aus. Der grösste Brocken davon geht weg für Fleisch (141.85 Franken), für Milch, Käse und Eier (97 Franken) und für Brot, Reis, Pasta und Gebäck (94.50 Franken). Fisch essen die Schweizer hingegen eher selten, dafür geben sie im Monat nur rund 22 Franken aus. Zu den Leibspeisen gehört wenig überraschend Schokolade, die pro Monat fast 20 Franken kostet. Unter dem Strich geben Schweizer für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke 6,4 Prozent des Haushaltsbudgets aus (siehe Grafik). Die Schweiz gehört damit zu den Ländern, in denen anteilmässig am wenigsten Geld für Essen ausgegeben wird. Vergleicht man lediglich die Ausgaben für Konsumgüter (ohne Steuern und Abgaben), wendeten EU-Bürger 2012 im Schnitt 22 Prozent der gesamten Konsumausgaben für Ernährung auf. Die Schweizer rund 10 Prozent.

Ernährung der Schweizer

Die Mehrheit der in der Schweiz verspeisten Nahrungsmittel wird auch hier produziert. Die Zahl der Nutztiere nimmt seit Jahren zu. Vor allem Hühner, Schweine und Ziegen gibt es mehr. Hingegen ist die Zahl der Bauernbetriebe seit Jahren rückläufig: Während das BFS 2015 53 232 Betriebe zählte, waren es 2016 noch 52 263. Seit zehn Jahren schrumpft die Zahl der Höfe um jährlich 1,8 Prozent. Jene, die weiterhin produzieren, werden in der Tendenz grösser. Das heisst, sie bewirtschaften mehr Land und halten mehr Tiere.

Import von Grundnahrungsmitteln

Und obwohl die hiesigen Bauern fleissig Kartoffeln und Getreide anbauen, importiert die Schweiz grosse Mengen von Grundnahrungsmitteln: 2016 führten die Schweizer gemäss Zollverwaltung 119 166 Tonnen Backwaren, 104 284 Tonnen Kartoffeln und 21 451 Tonnen Äpfel, Birnen und Quitten ein.

Gleichzeitig hat sich das Essverhalten in den letzten Jahrzehnten stark verändert. So gibt es nicht nur eine viel grössere Auswahl an Lebensmitteln, die meisten stehen in den Läden verpackt im Kühlregal. Die Auswahl an Früchten und Gemüse hängt nicht mehr von der Saison ab, das Joghurt wählt man nach der Kalorienzahl, und dank Fertiggerichten braucht man heute nicht mal mehr eine Küche zum Kochen – die Mikrowelle reicht.

Schweizer mögen nicht nur den guten alten Gruyère, sie essen auch gerne Mozzarella, Stilton, Camembert und Parmesan – jedenfalls wurden 2016 laut Zollverwaltung 58 200 Tonnen Käse importiert. Gleichzeitig fand Schweizer Käse im Ausland hohen Absatz: 65 993 Tonnen wurden exportiert.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Schweizer Landwirtschaft? Die «Nordwestschweiz» will die Abstimmung vom 24. September über die Ernährungssicherheit zum Anlass nehmen, das Thema Nahrung, Produktion und Herkunft etwas breiter zu beleuchten: Welche Schritte passieren, bis das Essen bei uns auf dem Tisch landet? Ist die Produktion biologisch oder auf Effizienz getrimmt? Woher kommen einzelne Produkte und wie werden sie verarbeitet? Wer verdient das grosse Geld im Schweizer Lebensmittelmarkt? Können wir uns selbst versorgen?

Mit Ernährung beschäftigt sich jeder Mensch täglich beim Einkauf oder im Restaurant. Deshalb beleuchten wir in einer losen Serie das Thema in all seinen Facetten: von der Saat bis zum Teller – und gar darüber hinaus, weil leider nach wie vor ein beträchtlicher Teil der Speisen als Food Waste im Abfall landet.