Affäre Mörgeli
Was ist eigentlich ein Titularprofessor?

Seit der Causa Mörgeli ist diese Berufsbezeichnung in aller Munde. Doch was bedeutet sie genau? Und was ist der Unterschied zu einem Privatdozenten? Ein Versuch zur Klärung des akademischen Titel-Dschungels.

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Der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (Archiv)

Der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (Archiv)

Keystone

Der Titel eines Titularprofessors, so wie auch Christoph Mörgeli einer ist, ist in der Schweiz ein gebräuchlicher und recht verbreiteter Titel. Er ist ein Ehrentitel, der verliehen wird, ohne dass damit ein Anspruch auf einen Lehrstuhl verbunden wäre. In der Regel ist damit aber eine Lehrverpflichtung von zwei oder vier Semesterwochenstunden verbunden. Einzelne Unterschiede bestehen auch zwischen den Kantonen, z. B. was das Weiterführen des Titels nach dem Ausscheiden aus der Universität betrifft.

Voraussetzung für die Einreichung eines Antrags auf eine Titularprofessur der Universität Zürich ist eine sechsjährige erfolgreiche Tätigkeit in Forschung und Lehre als Privatdozentin oder Privatdozent der Universität. Privatdozenten (PD) besitzen die Lehrbefugnis (venia legendi), d.h. das Recht, in ihrem Fachgebiet Lehrveranstaltungen frei anzukündigen, durchzuführen und Prüfungen abzunehmen. In dieser Funktion beziehen sie kein Gehalt, sondern nur eine kleine Entschädigung. Das Gleiche gilt für die Titularprofessur.

Mörgeli wird den Titel wohl behalten können

Gemäss § 14 der Universitätsordnung der Universität Zürich können Privatdozentinnen und Privatdozenten, die eine erfolgreiche Tätigkeit an der Universität ausgeübt und durch wissenschaftliche Leistungen in Forschung und Lehre ihr Fachgebiet gefördert haben, auf Antrag der Fakultät durch die Erweiterte Universitätsleitung das Recht zugesprochen erhalten, den Titel einer Professorin oder eines Professors zu führen. Die Fakultät prüft im Einverständnis mit der Privatdozentin oder dem Privatdozenten nach sechsjähriger Lehrtätigkeit, ob die Voraussetzungen für die Ernennung gegeben sind. Voraussetzung dafür ist im deutschen Sprachgebiet immer eine Habilitation. Die Fakultät überprüft mindestens alle sechs Jahre, ob die Voraussetzungen für die Lehrbefugnis noch erfüllt sind.

Nach einem altershalben Rücktritt dürfen Titularprofessoren wie auch Privatdozenten ihren Titel weiterführen.

Vorbildlicher akademischer Lebenslauf

Die akademische Karriere des seit Tagen im Lauffeuer der Kritik stehenden Medizinhistorikers ist - zumindest auf dem Papier - makellos. Nach der Matura Typus B (Latein) studierte Mörgeli an der Universität Allgemeine Geschichte, Deutsche Literatur und Linguistik. 1985 schloss er mit dem Lizentiat ab und wurde als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Medizinhistorischen Instituts und Konservator des Medizinhistorischen Museums und der medizinhistorischen Handschriftenabteilung angestellt. Nur ein Jahr später promovierte er mit einer Arbeit über den Zürcher Arzt und Politiker Johannes Hegetschweiler. Wiederum ein Jahr später absolvierte er das Diplom fürs Höhere Lehramt, das zur Unterrichtstätigkeit am Gymnasium berechtigt.

Zwischen 1989 und 1990 leitete er interimistisch das Medizinhistorische Institut, weil der damalige leitende Direktor emeritierte. 1994 wurde er Oberassistent am Medizinhistorischen Institut und Museum. 1995 habilitierte er mit einer Schrift über die Medizin in der Biedermeierepoche und erlangte 2001 die Titularprofessur. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte des Totentanzes.

Diese Woche wird für Christoph Mörgeli entscheidend sein. Zur Debatte steht, ob die Universität Zürich ihn entlassen soll. Weil Mörgeli Beamter ist, kann er den Entscheid im Falle einer Kündigung anfechten und eine Entschädigung erkämpfen. Grundsätzlich abwendbar ist aber eine Kündigung auch als Beamter nicht. (cls)