Rüge
Was geschah wirklich? Tessiner Staatsanwaltschaft kritisiert RSI nach «Afrikaner»-Beitrag

In einer seltenen Stellungnahme hat die Tessiner Staatsanwaltschaft am Montag eine Meldung des Tessiner Fernsehens RSI dementiert. Die RSI hatte vermeldet, dass "vier Afrikaner" am Wochenende versucht haben sollen, eine Frau im Zug zu vergewaltigen.

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Der Übergriff soll auf einem WC stattgefunden haben.

Der Übergriff soll auf einem WC stattgefunden haben.

Keystone

Laut einer RSI-Meldung vom Sonntag soll sich der Vorfall am Samstag in einem Regionalzug in Richtung Lugano ereignet haben. Vier "afrikanische Bürger" sind gemäss RSI folglich als mutmassliche Täter vorläufig festgenommen worden. Ihnen werde vorgeworfen, sie hätten versucht, sich einer Passagierin in einem Zug-WC zu nähern, um sich an ihr zu vergehen.

Die Vorgänge, so wie sie von der RSI beschrieben worden seien, entsprächen nicht der Realität, schrieb die Tessiner Staatsanwaltschaft nun am Montag in einer Stellungnahme. Sie forderte zugleich die RSI-Direktion auf, ihre Mitarbeiter dazu anzuhalten, die journalistischen Sorgfaltspflichten besser einzuhalten - entsprechende Meldungen seien genauer auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Nur so kann laut Staatsanwaltschaft verhindert werden, dass eine "ungerechtfertigte Panikstimmung" in der Bevölkerung erzeugt werde.

Alle Fakten seien in der Meldung vom Sonntag vor Erscheinen geprüft worden, teilte hingegen die RSI-Nachrichtendirektion am Montag auf Anfrage mit. Sie halte daran fest, dass die Tessiner Kantonspolizei am Samstag wegen eines versuchten Missbrauchs einer Bahnpassagierin alarmiert wurde. Bei den mutmasslichen Täter handele es sich um "Personen afrikanischer Herkunft". Die Staatsanwaltschaft habe es verpasst, weitere Details zur laufenden Untersuchung zu liefern, um so das Dementi gegenüber der RSI zu rechtfertigen. (sda)

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