Migration
Was Ausländerinnen und Ausländer der Schweiz bringen

Die Diskussion über die Zuwanderung ist hitzig: Über zwei Einwanderungs-Initiativen darf das Volk bald abstimmen. Der Bundesrat stellt erneut die Ventilklausel in Aussicht. Was bedeutet Migration für die Schweiz? Antworten auf drängende Fragen.

Anna Wanner
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Ausstellung «Territoire imaginaire» an der Expo.02 in Biel: Besucher spazieren über eine Schweizer Landkarte mit fremden Ortsbezeichnungen.

Ausstellung «Territoire imaginaire» an der Expo.02 in Biel: Besucher spazieren über eine Schweizer Landkarte mit fremden Ortsbezeichnungen.

Keystone

Wie viele Ausländer kommen jährlich in die Schweiz? Ende 2011 lebten gemäss Statistik des Bundesamts für Migration (BFM) 1 772 279 Ausländer in der Schweiz. Heute zählt das BFM 1 825 060. Das entspricht einer Zunahme von 52 781 Personen in einem Jahr - ein Plus von rund drei Prozent. Der Wanderungssaldo schwankt monatlich: Im Dezember lag die Netto-Zuwanderung bei 1743 Personen und sank damit im Vergleich zum Vorjahr (4214 Personen) um fast 60 Prozent. Über lange Sicht steigt die Ausländerzahl aber kontinuierlich.

Mehr Ausländer aus EU

• Woher kommen die Ausländer? In den Neunzigerjahren wanderten fast alle Ausländer aus Drittstaaten ausserhalb des EU-Raums ein. Seit Einführung des Freizügigkeitsabkommens (FZA) mit der EU 2002 wechselten die Herkunftsländer: Die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz stammt etwa zu zwei Dritteln aus der EU.

• Kommen Ausländer, um Sozialleistungen zu beziehen? Für EU-Bürger gelten die gleichen Bedingungen für eine AHV- oder IV-Rente wie für Schweizer. Stephan Cueni, Vizedirektor des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV), führt aus: «Alle bezahlen und erhalten die gleichen Leistungen.» Bei Alter, Invalidität und Tod hat ein Ausländer Anspruch auf ordentliche Sozialversicherungsleistungen, sofern er in der Schweiz gearbeitet hat. Die Höhe der Rente steht im Verhältnis zu seinen geleisteten Zahlungen. «Die Schweiz ist nicht, wie aus manchen Kreisen kolportiert, ein Selbstbedienungsladen. Nur Leistungen abholen und wieder auswandern funktioniert nicht», sagt Cueni. Wer nur ein oder zwei Jahre Sozialabgaben bezahlt habe, erhalte eine entsprechend kleine Rente.

Gutverdiener zahlen Extra-Rente

• Sanieren die Ausländer unsere Sozialwerke? Die Zuwanderung aus der EU verlangsamt die Alterung der Bevölkerung und entlastet die Sozialversicherungen, wie etwa die AHV oder die IV. Gemäss Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, profitiert die Schweiz seit der Einführung der Personenfreizügigkeit von der Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften. Ein grosser Anteil der Einwanderer sind Gutverdiener - mehr als die Hälfte besitzen mindestens einen Fachhochschulabschluss. «Die Gutverdiener leisten einen Solidaritätsbeitrag an die Sozialversicherungen. Sie bezahlen mehr ein, als sie je beanspruchen können», sagt Daum. Das bestätigt Cueni vom BSV.

• Kassieren Ausländer Arbeitslosengeld in der Schweiz? Wer mehr als ein Jahr gearbeitet hat, hat Anrecht auf Arbeitslosenentschädigung, sobald er seinen Job verliert. Auch hier gelten für Ausländer die gleichen Regeln wie für Schweizer. Im Unterschied zur AHV oder IV wird das Arbeitslosengeld losgelöst von der Dauer des Aufenthalts in der Schweiz berechnet. Zwar würde auch ein Schweizer in der EU Arbeitslosengeld erhalten, jedoch fiele die Entschädigung wohl geringer aus.

• Nehmen Ausländer den Schweizern die Arbeit weg? Immer mehr Personen werden im Ausland rekrutiert, weil es an Arbeitskräften mangelt. Die Arbeitslosenquote der Schweizer stagniert bei 3,3 Prozent. Laut BFM-Statistik waren im Dezember rund 6,5 Prozent der Ausländer in der Schweiz arbeitslos. Die Zahl schwankt saisonal und konjunkturbedingt.

Löhne steigen insgesamt

• Sinken die Löhne wegen der Konkurrenz aus dem Ausland? Der Lohndruck vor allem für wenig qualifizierte Arbeitskräfte hat zugenommen. Das Parlament hat letztes Jahr die flankierenden Massnahmen verschärft, um dem Lohn-Dumping zu begegnen. Laut Daum nimmt allerdings das Brutto-Einkommen pro Kopf schweizweit zu.

• Wächst die Wirtschaft dank der Zuwanderung? «Wenn das Wachstum auf die einzelne Person herabgebrochen wird, ist es relativ schwach», sagt Daum. Das tiefe Pro-Kopf-Wachstum hänge nicht alleine mit der Zuwanderung zusammen. Rein statistisch könne nicht eruiert werden, ob das Wachstum negativ oder positiv ausgefallen wäre, wenn die Zuwanderung ausgeblieben wäre. Daum sagt, die Aussennachfrage sei zwar deutlich eingebrochen. Doch das Wachstum des Binnenmarktes profitiere: In der Baubranche und im Konsum sei es auf steigende Nachfrage nach Wohnraum und Güter zurückzuführen.

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