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Warum Turgi auch ein Ärgernis sein kann

Blick vom Gebenstorfer Horn auf Turgi und dahinter Untersiggenthal.

Warum Turgi auch ein Ärgernis sein kann

Blick vom Gebenstorfer Horn auf Turgi und dahinter Untersiggenthal.

Während zweier Jahre ging die Quellensteuer deutscher Grenzgänger versehentlich in die Gemeindekasse von Turgi statt zu den Standortgemeinden der Firmen. Das hat die Diskussion um die Postadresse neu ausgelöst.

Roman Huber

Untersiggenthal und Gebenstorf können ihren «Turgi-Komplex» nicht ablegen. Dazu haben die Gemeinden allen Grund. Namhafte Firmen in den Industrie- und Gewerbegebieten Schiffmühle, Ennetturgi und Stroppel stehen zwar auf Untersiggenthaler Gemeindeboden, führen aber 5300 Turgi in ihrer Postadresse auf und tragen den Namen Turgi in die Welt. Ähnlich in Gebenstorf, wo im Ortsteil Vogelsang Firmen mit dem Standort 5300 Turgi postalisch eingetragen sind.

Quellensteuer an falschen Ort

Dass diese Diskussion überhaupt wieder geführt wird, ist auf einen Fehler bei der Verteilung der Quellensteuern beim Kanton zurückzuführen. Dort hat man die Quellensteuerbeträge der Jahre 2008 und 2009 für die deutschen Grenzgänger ans Gemeindesteueramt der Postadresse Turgi überwiesen statt ans Steueramt der Standortgemeinde. Laut Alfred Stiner, Leiter Abteilung Quellensteuer, ist das anlässlich einer Systemumstellung beim Kanton passiert.

«Wir haben inzwischen im Falle Untersiggenthal alles aufgearbeitet», führt Stiner an. Man nehme nun den Fall Vogelsang und Gebenstorf unter die Lupe, wo es um kleinere Beträge gehe.

Geklärt durch Selbstanzeige

Ans Licht gekommen ist der Fehler quasi durch die Selbstanzeige der Gemeinde Turgi. Dort fiel der weit über Budget liegende Quellensteuereingang auf. Insgesamt seien es rund 300 000 Franken, die jetzt transferiert würden, sagt Thilo Zink, Finanzverwalter in Untersiggenthal; der Turgemer Gemeindeammann Theo Wenger bestätigt das.

Über Grundlagen sowie Details habe man keine Kenntnisse. «Wir hoffen, dass uns der Kanton noch Einblick gewähren wird», sagt Zink. Laut Stiner will er sich noch diesen Monat mit den Gemeinderäten von Turgi und Untersiggenthal treffen.

Der Ursprung dieses Problems liegt bei der Postzustellung in den besagten Gebieten. Diese erfolgt seit eh und je vom Postamt 5300 Turgi aus. «Seit meiner Zeit als Gemeindeammann beschäftigt mich dieses Problem», sagt Marlène Koller, Untersiggenthal.

Gemeinsam mit Posthalter Heinz Hofmann veranlasste Koller, dass das Gebiet Schiffmühle postalisch an die Standortgemeinde angebunden worden ist. In Gebenstorf hat man laut Gemeindeschreiber Stefan Gloor ebenfalls erwirkt, dass Vogelsang mit der Postleitzahl 5412 nun postalisch zu Gebenstorf gehört.

Doch Untersiggenthal hat nicht mit den dortigen Firmen gerechnet: So segelt das internationale Elektronikunternehmen Pixy weiter unter Turgi, weil sich dies im weltweiten Geschäft besser anhöre als Untersiggenthal. So bleibt Koller nichts anderes übrig, als bei Firmenbesuchen und beim Zusammentreffen mit Geschäftsleuten der Enics Schweiz, ABB Turgi, Pixy AG etc. immer wieder darauf hinzuweisen, dass Untersiggenthal ihre Standortgemeinde sei.

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