Tempo 30

Warum stimmen Sie für oder gegen Tempo 30 in Zeiningen?

Peter Hauser (Komitee «Tempo 30 – Nein») und Dominik Monti (IG «Tempo 30 in Zeiningen») diskutieren

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Peter Hauser (Komitee «Tempo 30 – Nein») und Dominik Monti (IG «Tempo 30 in Zeiningen») diskutieren

In Zeiningen ist eine Diskussion um Tempo 30 entbrannt. Nicht nur die Interessengemeinschaft «Tempo 30 in Zeiningen» und das Komitee «Tempo 30 – Nein» sind geteilter Meinung. Auch die Dorfbewohner sind uneinig. Peter Hauser (Gegner) und Dominik Monti (Befürworter) diskutieren, ob Zeiningen Tempo 30 wirklich braucht.

Nadine Böni

Seit einigen Tagen werben sowohl Gegner als auch Befürworter von Tempo 30 mit zahlreichen Plakaten um die Stimmen der Dorfbewohner. Im Restaurant Taube im Zeininger Mitteldorf trafen sich mit Dominik Monti und Peter Hauser Vertreter beider Seiten zur Diskussion. Einig sind sich beide, dass in Zeiningen an gewissen Stellen zu schnell gefahren wird. Doch über die Art und Weise, wie diese Schnellfahrer zur Vernunft gebracht werden können, scheiden sich die Geister.

Herr Hauser, Sie vertreten das Nein-Komitee. Weshalb sind Sie gegen Tempo 30 in Zeiningen?

Peter Hauser: Ich sehe absolut keinen Grund, wieso man in Zeiningen Tempo 30 einführen sollte. Man hat festgestellt, dass 90 Prozent der Lenker schon jetzt nur 30 km/h fahren. Weshalb sollte man dann Geld ausgeben für etwas, das man eigentlich schon hat?

Herr Monti, Sie haben mit der IG «Tempo 30 in Zeiningen» das Referendum ergriffen. Weshalb ist Tempo 30 sinnvoll in Zeiningen?

Dominik Monti: In der Mühlegasse beispielsweise wird häufig schneller gefahren als 30 km/h. Gerade hier entlang des alten Schulhauses haben wir gemäss der Verkehrsstudie eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, 85 Prozent der Fahrzeuge sind hier mit 42 km/h gefahren - obwohl wir hier draussen eine Verbauung, einen Brunnen haben.

Das Nein-Komitee befürwortet diese punktuellen Verbauungen.

Hauser: Nein, so ist das nicht. Wir wollen, dass man gezielt am Ort etwas macht und nicht einfach generell. Die gestalterischen Massnahmen sind aber nicht spezifiziert.

Monti: In den Unterlagen des Nein-Komitees steht: «Wir sagen nein, weil wir an neuralgischen Stellen gestalterische Elemente möchten». An der Mühlegasse haben wir solche gestalterischen Elemente. Die Brunnen sehen zwar chic aus, nützen aber nichts. Ich könnte an diesem Brunnen mit 60 km/h vorbeifahren. Man kann auch kreuzen im Bereich des Brunnens. Ein solcher Brunnen kostet zwischen 20 000 und 25 000 Franken. Um zwei Brunnen aufzustellen, wurden also rund 50 000 Franken verbaut werden.

Hauser: Sie sagen damit, dass gestalterische Massnahmen absolut sinnlos sind.

Monti: Moment. Ich sage nicht, dass sie sinnlos sind. Richtig platziert können sie durchaus Sinn machen. Die Chance, dass in der Mühlegasse zwei Autos in der Verengung kreuzen und deshalb abbremsen müssen, ist jedoch relativ klein.

Wie schnell fahren Sie durch die Mühlegasse?

Hauser: Ich pflege hier nicht schneller als mit 30 km/h durchzufahren. Egal, ob 50 oder 80 auf dem Schild steht. Das ist nicht mehr als vernünftig.

Monti: Ihnen ist das klar. Aber laut Verkehrsstudie ist es für 85 Prozent der Leute nicht klar.

Hauser: Das Grundproblem der Mühlegasse ist, dass es keine Durchgangsstrasse ist, sondern eine Anwohnerstrasse. Im Normalfall also eine sehr ruhige Strasse. Das Problem ist der Zubringerverkehr vom Fussballplatz.

Monti: Das ist so, ja. Wir haben mittlerweile zwei Fussballplätze und einen grossen Parkplatz. Das verursacht viel Durchgangsverkehr. Hinter dem Schulhaus an der Mühlegasse befindet sich ein Spielplatz. Was machen Sie, wenn plötzlich ein Kind auf die Strasse rennt? Gemäss BFU haben Sie bei 30 km/h 21,4 Meter Anhalteweg, bei 50km/h sind es jedoch 40,9 Meter.

Hauser: Das ist mir klar. Aber wenn man vernünftig fährt, ist das kein Problem. Unvernünftige Leute fahren auch bei Tempo 30 noch 50 km/h. Diese Leute bekommen Sie auch mit Tempo 30 nicht in den Griff. Ich kann es nur noch einmal sagen: Die Mühlegasse ist eine Wohnstrasse, keine Durchgangsstrasse. Wenn die Anwohner nicht vernünftig fahren, ist das peinlich und jenseits von Gut und Böse.

Für Herr Monti ist die Lösung, generell Tempo 30 einzuführen. Wie würden Sie die Situation an der Mühlegasse lösen, Herr Hauser?

Hauser: Wenn man hier eine Verbauung hinstellt, wird es noch kritischer. Das Problem lässt sich nur lösen, indem alle, die hier wohnen, vernünftig fahren. Was nützt ein Schild mit Tempo 30, wenn einer trotzdem mit 50 km/h durchfährt?

Monti: Da gebe ich Ihnen Recht. Aber jeder Kilometer, der dank Tempo 30 langsamer gefahren wird, bietet mehr Sicherheit.

Hauser: Ich selber wohne nicht in der Mühlegasse, aber meiner Meinung nach ist sie eine Strasse mit wenig Verkehr. Aus diesem Grund sehe ich es nicht ein, welchen Nutzen es bringt, wenn man schon fast keinen Verkehr hat und diesen auch noch beruhigen will.

Mit Tempo 30 könnten Lenker, die zu schnell fahren, bestraft werden.

Hauser: Jein, bei einem Unfall müssen Sie erst nachweisen, dass er zu schnell gefahren ist. Grundsätzlich ist im Strassenverkehrsgesetz vermerkt, dass man seine Geschwindigkeit den Verhältnissen anpassen muss. 90 Prozent der Fahrer sind eigentlich vernünftig. Wegen diesen 10 Prozent, die sich nicht an die Vorschriften halten, muss man diese Regeln aufstellen und noch restriktiver sein.

Das Mitteldorf ist eine regelrechte Rennstrecke. Was stellt sich das Nein-Komitee als gestalterische Massnahme im Mitteldorf vor?

Hauser: Wir haben uns im Detail noch keine Gedanken gemacht. Zuerst muss herausgefunden werden, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Die Strasse des Mitteldorfs ist nicht mehr in gutem Zustand. Deshalb soll das Mitteldorf neu gestaltet werden. Wenn man dann gleichzeitig auch gestalterische Massnahmen realisiert, kostet es nicht viel mehr. Dies würde das Mitteldorf zusätzlich aufwerten.

Monti: Dann haben Sie das Mitteldorf abgedeckt. Was machen Sie mit dem Rest des Dorfes?

Hauser: Am Besten nichts. Es gibt dort so wenig Verkehr und von daher auch keinen Handlungsbedarf. Es gibt immer ein paar Irre, die zu schnell fahren.

Monti: Wir können in die Verkehrsstudie reinschauen. Es gibt Dorfstrassen mit relativ viel Verkehr. Viele fahren dort zwar nur knapp über 30 km/h, aber es gibt einige, die das Geschwindigkeitsmaximum von 50 km/h ausreizen. Das ist Wahnsinn. Die haben doch keine Chance, zu reagieren. Was machen Sie da?

Hauser: Das ist eine gute Frage.

Monti: Ich würde gerne einen Gegenvorschlag zu Tempo 30 sehen, der schnell und kostengünstig erstellt werden kann. Wie lösen Sie die Problematik? Wir können glücklich sein, dass im Dorf noch nie etwas Schlimmes passiert ist, denn Nahezu-Unfälle passieren dauernd.

Laut Unfallstatistik gab es in Zeiningen bisher keine grossen Unfälle.

Monti: In die Statistik aufgenommen wurden nur die Fälle, wo ein grösserer Schaden entstanden ist und die Polizei vor Ort war. Aber die vielen Fast-Zusammenstösse oder Bagatell-Unfälle, die der Polizei nicht gemeldet werden, tauchen in dieser Unfallstatistik gar nicht auf. Wenn man nur 5 oder 10 Stundenkilometer langsamer fährt, als man es heute schon tut, ist die Chance auf eine Kollision bedeutend geringer. Jeder ist froh, wenn er nie einen Unfall erleben muss.

Hauser: Klar, erleben will so etwas niemand. Ich bezweifle einfach, dass die Geschwindigkeiten wesentlich herunterkommen würden. Und zur Verschönerung des Dorfes würden die rund 40 Tafeln auch nichts beitragen. Zudem behindern sie die Sicht auf die Hauptstrasse.

Monti: Man kann eine Tempo 30-Tafel ganz chic einbauen. Ausserdem wären sie nicht direkt an der Hauptstrasse, sondern als Pforte ein wenig in die Strasse hinein versetzt, so dass keine Sichtbehinderung entsteht. Es ist auch nicht so, dass Sie ins Dorf fahren und 40 Tafeln gleichzeitig sehen.

Bitte fassen Sie zum Abschluss nochmals zusammen, weshalb am 17. Mai für beziehungsweise gegen Tempo 30 in Zeiningen gestimmt werden soll.

Monti: Die Zukunftskonferenz von 2007 hat klar hervorgebracht, dass wir in Zeiningen ein Verkehrsproblem haben. Dieses Verkehrsproblem besteht hauptsächlich in der Geschwindigkeit. Tempo 30 ist ein klares, einfaches Verkehrskonzept, das sich kostengünstig und schnell einführen lässt. Es wird den Kindern den Schulweg sicherer machen, es wird für alle die Wohnqualität steigern, und es wird Zeiningen, das heute schon ein schönes Dorf ist, aufwerten und noch attraktiver machen.

Hauser: Aus unserer Sicht hat man in Zeiningen keine Verkehrsprobleme. Wenn, dann sind es nur ein paar kleine Orte, an denen man etwas machen muss. Ich sehe keinen Grund, wieso man 120 000 Franken ausgeben soll für etwas, das gar keinen Nutzen ergibt.

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