Asyl

Warum Sommaruga den Migrationschef du Bois-Reymond schasst

Swiss Alard du Bois-Reymond, director of the Federal Office for Migration (FOM), talks to journalists during a press conference in Geneva, Switzerland, Thursday, April, 29, 2010. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

musste vorgehen erklären Alard du Bois-Reymond.

Swiss Alard du Bois-Reymond, director of the Federal Office for Migration (FOM), talks to journalists during a press conference in Geneva, Switzerland, Thursday, April, 29, 2010. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Justizministerin Simonetta Sommaruga entlässt den Direktor des Bundesamtes für Migration. Alard du Bois-Reymond räumt seinen PostenEnde Oktober. Es war die Chemie, die nicht gestimmt hat, die zur Trennung führte.

Noch zu seinem unschönen Abschied weiss Alard du Bois-Reymond, was er den Medien eigentlich schuldig ist: Die Journalisten erreichen den gekündigten Chef des Bundesamtes für Migration auf dem Handy. «Ich verstehe, dass Sie nach etwas Saftigem suchen», sagt du Bois-Reymond ohne verbitterten Unterton.

«Es ist aber einfach so, dass sich kein Vertrauensverhältnis zwischen mir und Frau Sommaruga bilden konnte.» In einem derart sensiblen und politisch umkämpften Bereich wie dem Migrationswesen sei ein besonders enges Vertrauensverhältnis freilich unabdingbar. Die Geschichte mit den Botschaftsflüchtlingen (Text oben) habe mit seiner Entlassung denn auch nichts zu tun. «Als ich von der Sache erfuhr, habe ich umgehend angeordnet, dass die Fälle abgearbeitet werden», hält du Bois-Reymond fest. «Danach war die Sache nicht mehr auf meinem Radar.»

Grandioser Selbstdarsteller

20 Monate nur ist Alard du Bois-Reymond im Amt. In den Augen vieler seiner Mitarbeiter suchte er 20 Monate lang immer nur den grossen Auftritt. Wahr ist auf alle Fälle: Kurz nach Amtsantritt erklärte er in einem Interview, die allermeisten nigerianischen Asylbewerber wollten nur kriminelle Geschäfte machen – mit der Folge, dass Nigeria fortan die Rückübernahme von Landsleuten verweigerte, die in der Schweiz kein Asyl bekommen hatten.

Anfang dieses Jahres dann hatte du Bois-Reymond einen für einen Schweizer Verwaltungsmann einmaligen Auftritt: Das Schweizer Fernsehen strahlte ein einstündiges Porträt des Spitzenbeamten aus. Unter anderem sah man du Bois-Reymond auf einem Segelboot auf dem Genfersee vor sich hin philosophieren. Und in einem Referat vor Migrationsexperten erklärte er vor wenigen Monaten so pathetisch wie provokativ: «Der Flüchtlingsbegriff ist tot.» – Niemand wusste, was er damit hatte sagen wollen.

Mit diesen und ähnlich knalligen Inszenierungen hat es sich der Amtschef sowohl mit seinen Mitarbeitern wie auch mit der Departements-
chefin verdorben. Da hat du Bois-Reymond recht: Alles in allem steckt wirklich nicht viel mehr hinter der Entlassung, die Justizministerin Simonetta Sommaruga gestern vor den Medien in Bern bekannt gegeben hat.

Gattiker in der Poleposition

Alard du Bois-Reymond gibt die Führung des Bundesamtes bereits per Ende Oktober ab. Per November übernimmt der stellvertretende Direktor, Mario Gattiker, die interimistische Leitung. Gattiker ist sei 2001 im Bundesamt für Migration tätig und leitet den Direktionsbereich Zuwanderung und Integration.

Die Stelle des Direktors wird ausgeschrieben. Verwaltungsintern gehen viele allerdings davon aus, dass Gattiker auf dem Posten gleich wird bleiben können. Alard du Bois-Reymond erhält die gesetzlich vorgegebene Entschädigung von einem Jahresgehalt. Als Amtsdirektor ist er in der Lohnklasse 37 eingeteilt, in welcher der Höchstlohn 304884 Franken beträgt.

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