Kriminalität
Warum sinkt die Zahl der Toten? 7 Dinge, die Sie über die neue Kriminal-Statistik wissen müssen

Von 2009 bis 2016 sind in der Schweiz jedes Jahr durchschnittlich 49 Menschen getötet worden. Das waren 38 Prozent weniger als im Zeitraum der letzten Studie. Die sieben wichtigsten Punkte aus der aktuellen Statistik.

Mark Walther
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Ermittler suchen einen Tatort nach Spuren ab.

Ermittler suchen einen Tatort nach Spuren ab.

DPA/Keystone/Montage: mwa

Das Bundesamt für Statistik hat diese Woche neue Daten zu Tötungsdelikten in der Schweiz publiziert. Wir haben sieben Erkenntnisse herausgepickt – und die Schweiz in den internationalen Kontext gestellt.

1. Markant weniger Tote

Zwischen 2009 und 2016 waren im Durchschnitt jedes Jahr 221 Menschen von einem der folgenden Verbrechen betroffen:

  • Mord
  • vorsätzliche Tötung
  • Totschlag
  • Kindestötung

Von den 221 Opfern starben im Durchschnitt 49.

Der Vergleich mit der letzten Untersuchung über die Jahre 2000 bis 2004 zeigt: Die Zahl der Opfer ist minim gestiegen, von 218 auf 221 pro Jahr. Massiv gesunken ist hingegen die Zahl der Verstorbenen: Fast 40 Prozent weniger Menschen verloren bei einem Tötungsdelikt ihr Leben.

Deutlich weniger Tote bei fast gleich vielen Opfern; das heisst, dass die Zahl jener Delikte gestiegen ist, bei denen es beim Tötungsversuch blieb. Sie hat um 24 Prozent zugenommen.

2. Gründe für den Rückgang

Die Forscher nennen mehrere Gründe, die den Rückgang der Anzahl Toten erklären könnten:

  • Weniger Armeewaffen zu Hause. Fest steht, dass zwischen 2009 und 2016 weniger Delikte mit Schusswaffen verübt wurden als von 2000 bis 2004. Schiessereien enden häufiger tödlich als beispielsweise Messerstechereien.
  • Die medizinische Versorgung hat grosse Fortschritte gemacht. Die Überlebenschancen von Verletzten sind gestiegen.

Auch der Aargauer Strafrechtsprofessor Martin Killias sieht in diesen Punkten die Gründe für die kleinere Anzahl von Toten. Die geringere Verfügbarkeit von Schusswaffen zeige sich auch darin, dass Suizide mit Schusswaffen zurückgegangen seien.

3. Wie sicher bin ich in der Schweiz?

Vor Tötungsdelikten musste man in der Schweiz – statistisch gesehen – noch nie besonders Angst haben. Und die Wahrscheinlichkeit, getötet zu werden, nimmt weiter ab, wie die folgende Grafik zeigt:

Pro 100'000 Einwohner waren 2016 0,6 Todesopfer zu beklagen.

Pro 100'000 Einwohner waren 2016 0,6 Todesopfer zu beklagen.

BFS/Polizeiliche Kriminalstatistik

4. Jedes dritte Verbrechen passiert in der Familie

34 Prozent aller Tötungsdelikte ereignen sich zwischen Lebenspartnern oder in der Familie. Die Statistik fasst diese zwei Kategorien zum häuslichen Bereich zusammen.

Lediglich bei elf Prozent aller Delikte in einer Partnerschaft ist es zuvor zu häuslicher Gewalt gekommen. Bei getrennten Paaren steigt der Anteil auf 17 Prozent. Die Autoren betonen jedoch, dass häusliche Gewalt häufiger vorkommt, als diese Zahlen nahelegen; sie werde der Polizei aber nur selten gemeldet. Ausserdem werden Fälle nicht erfasst, in denen die Polizei ausrückt, eine Strafanzeige aber ausbleibt.

5. Wo es die meisten Toten gibt

Insgesamt gibt es mehr Tötungsdelikte im ausserhäuslichen Bereich als im häuslichen. Schaut man aber nur die Delikte mit Todesfolge an, zeigt sich ein anderes Bild: Die Hälfte aller Opfer wurde von einer nahestehenden Person umgebracht.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das aussergewöhnlich. Die Autoren erklären das wie folgt:

  • Innerfamiliäre Delikte werden eher geplant.
  • Bei geplanten Delikten kommt eher eine Schusswaffe zum Einsatz. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Opfer stirbt, steigt.
  • Diese Taten finden eher im privaten Raum statt, wo das Opfer geringere Überlebenschancen hat.

6. Nationalität der Täter

Punkto Nationalität zeigt sich ein Unterschied: Im häuslichen Bereich sind die Täter mehrheitlich Schweizer. Ausserhalb steigt der Anteil der Ausländer, wobei vor allem die Kategorie "übrige" heraussticht (häuslicher Bereich: 6%, ausserhäuslich: 21%). Darunter fallen Touristen und Menschen, die illegal in der Schweiz sind. Die Autoren bezeichnen sie als "auf der Durchreise".

7. Junge Täter, ältere Täter

Die Täter unterscheiden sich in ihrem Alter je nach Bereich: Bei Familiendramen sind die Täter am häufigsten in der Kategorie 40-44 Jahre anzutreffen.

BFS – Polizeiliche Kriminalstatistik

Im ausserhäuslichen Bereich liegt der Durchschnitt tiefer: Hier sticht die Altersklasse 20-24 hervor.

BFS – Polizeiliche Kriminalstatistik

Was auch auffällt: Männer verüben deutlich mehr Tötungsdelikte als Frauen.

8. Und zum Schluss der Blick über die Schweiz hinaus