Die neuste Pensionskassenstudie, die Swisscanto am Mittwoch vorgestellt hat, fördert Erstaunliches zutage: Die befragten 507 Kassen mit 650 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen gaben in der traditionellen Umfrage an, dass 2016 58 Prozent der Versicherten vor dem ordentlichen Rentenalter in Pension gingen. Nachdem es die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass wir alle immer länger arbeiten müssen, liegt dieser Befund quer in der Landschaft.

Es ist das erste Mal, dass Swisscanto die Statistik zur effektiven Pensionierung ausweist. Es gebe daher keine Vergleichsdaten mit vergangenen Jahren, erklärt die Kommunikationsabteilung auf Anfrage. Auch über die Gründe schweigt sich die Studie aus.

Headhunter sprechen jedoch gegenüber der «Nordwestschweiz» von einem neuen Trend und geben die Senkungen des Umwandlungssatzes als Motiv an. Der aktuelle Satz von 6,8 Prozent bedeutet, dass auf ein Vorsorgekapital von 100'000 Franken eine lebenslange Altersrente von 6800 Franken pro Jahr gezahlt wird.

Gehen, wenns am schönsten ist

Eine gewisse Verunsicherung über die finanzielle Sicherheit im Alter scheint jedenfalls um sich zu greifen. Dies, noch bevor die Reform «Altersvorsorge 2020» durch ist. Sie sieht neben der Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre eine Senkung des Umwandlungssatzes im obligatorischen Teil auf 6 Prozent vor. Die Reform kommt im September vor das Volk.

Der Durchschnitt des effektiven Pensionsalters lag 2016 zwischen 63 und 64 Jahren, wie der Studie zu entnehmen ist. Auffällig ist, dass bei öffentlichen Pensionskassen der Anteil jener, die sich umgekehrt erst nach dem ordentlichen Rücktrittsalter pensionieren lassen (vgl. Grafik), mit 17 Prozent weit höher ist als bei den privaten mit 5 Prozent. 

Das lasse sich womöglich mit dem eher tieferen reglementarischen Rentenalter von 60 bis 64 Jahren bei den öffentlichen Kassen erklären. Insgesamt sei das ordentliche Pensionierungsalter stetig gestiegen. Für Männer gelte bereits in 90 Prozent der Kassen das Alter 65. Auch für Frauen sei dieses bei 33 Prozent der Kassen Realität, im Vorgriff auf die Reform, die es explizit stipuliert. Für die Mehrheit der Frauen gelte noch das Referenzalter von 64.

Der noch vor einigen Monaten für Zündstoff sorgende Verdacht, die Kassen könnten den Bezug von Alterskapital (statt der Rente) erzwingen wollen, ist dagegen offenbar vom Tisch, wie die Umfrage nahelegt. Mit einer Kapitalauszahlung könnten die Kassen das Langlebigkeitsrisiko zumindest teilweise auf jene, die es mit sich bringen, abwälzen: die Versicherten. Nutzen sie diese Hintertür nicht, müssen sie weiter auf die Senkung von technischem Zins und Umwandlungssatz setzen. Dies gehe auch tatsächlich aus der Umfrage hervor, bestätigen die Autoren.

Umwandlungssatz-Untergrenze?

Als Reaktion auf tiefe Zinsen und höhere Lebenserwartung haben die Kassen neben dem Umwandlungssatz auch den technischen Zins, mit dem sie die Pensionsansprüche verzinsen, gesenkt. Die privaten Kassen erwarten für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre einen Zins von 2,19 Prozent (Vorjahr: 2,47 Prozent). Die öffentlich-rechtlichen haben den technischen Zins von 2,74 auf 2,55 Prozent reduziert.

Der Umwandlungssatz liege im Schnitt (von obligatorischem und überobligatorischem Teil) heute schon auf 6 Prozent, sagt Swisscanto-Geschäftsführer Othmar Simeon – zufällig ist das just jener Betrag, den die Reform Altersvorsorge 2020 vorsieht. Die Unterschiede zwischen den Kassen seien gross, verriet Simeon weiter. Die grosszügigsten würden einen Satz von 7,2 Prozent anwenden, andere nur noch 4 Prozent. Bei letzterem Wert ortet Simeon eine Art natürliche Grenze, wenn er sagt, dass darunter eine Pensionskasse kaum noch Sinn mache. Dieser Satz impliziere nämlich eine Verzinsung von null. Dann würde ein Versicherter meist besser fahren, wenn er sich das gesamte Altersguthaben auszahlen lässt.

2016 haben die Kassen das Altersguthaben der einzahlenden Versicherten im Durchschnitt mit 1,72 Prozent verzinst, die Guthaben der Rentner mit 2,53 Prozent. Die Umverteilung von den Aktiven zugunsten der Pensionierten geht also weiter. Anhalten dürfte auch der Konsolidierungsdruck. Die Kosten pro Versicherten sind bei kleinen PK markant höher (vgl. Grafik). Noch gibt es rund 1800 in der Schweiz. Pro Jahr verschwinden etwa 100.