Treibstoffablass
Warum lässt ein Flugzeug 70 Tonnen Kerosin über der Schweiz ab? – 5 Fragen und Antworten

Eine Corsair-Maschine hat am Montag über Schweizer Boden 70 Tonnen Kerosin abgelassen. Ist das schädlich? Fünf Fragen und Antworten zum «Fuel Dumping».

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Das Kerosin verdampft bevor es den Erdboden erreicht.

Das Kerosin verdampft bevor es den Erdboden erreicht.

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Warum wird überhaupt Kerosin abgelassen?

Treibstoffablass ist im regulären Flugbetrieb weder vorgesehen noch zulässig. Ausserdem verfügen nur Langstreckenjets überhaupt über die entsprechenden Ablassventile, weil bei diesen Flugzeugen das Startgewicht in voll getanktem Zustand höher ist als das zulässige Landegewicht.

Wenn dann kurz nach dem Start ein Notfall eintritt, dirigieren die Fluglotsen den Jet über unbewohntes Gebiet, und dort lässt der Pilot das Kerosin ab, um das Gewicht der Maschine zu reduzieren. Die Alternative wäre das sofortige Landen mit Übergewicht – das ist möglich, erfordert im Anschluss jedoch kostspielige Untersuchungen und möglicherweise Reparaturen.

Im aktuellen Fall musste das Corsair-Flugzeug, das in Paris gestartet war, den Flug nach Mauritius abbrechen. Grund war ein technischer Defekt an der Maschine.

Wie oft wird über der Schweiz Kerosin abgelassen?

Das Bundesamt für Umwelt und Verkehr beantwortete dem SVP-Nationalrat Maximilian Reimann im September 2014 diese Frage: In der Schweiz habe es in den letzten zwanzig Jahren durchschnittlich fünf Fälle pro Jahr gegeben, schrieb das UVEK. In der Tendenz würde die Anzahl Fälle abnehmen.

Wer kontrolliert den Treibstoffablass?

Die Flugsicherung prüft aufgrund der gegebenen Situation, wo das Flugzeug unter Wahrung von Sicherheitsabständen das Kerosin ablassen kann. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) überwacht die Einhaltung dieser Vorschriften mittels Radarspuren und Abschriften der Funkkommunikation.

Merkt man das?

In der Schweiz muss ein Flugzeug beim Treibstoffablassen eine Mindesthöhe von rund 2000 Metern haben. In der Praxis liegen die Höhen meist über 4000 Meter, schreibt das BAZL. Im aktuellen Fall flog die Corsair-Maschine auf einer Höhe zwischen 6700 und 9400 Metern über Meer.

Die Gaswolke, die sich beim Treibstoffablass bildet, verdünnt sich sehr schnell. Das Kerosin verdampft also, bevor es den Erdboden erreichen kann. Merken tut man auf dem Boden also nichts vom «Kerosinregen», sichtbar ist es trotzdem sehr gut, wie dieses Video zeigt:

Ist Kerosin schädlich?

Bei der Verbrennung von Kerosin entstehen Emissionen, hauptsächlich Wasserdampf und Kohlenstoffdioxid (CO2). Sie sind nicht toxisch, jedoch klimarelevant: Das CO2 führt in der Atmosphäre zur Absorption von Wärmeenergie, die von der Erdoberfläche reflektiert wird. Damit wird der Treibhauseffekt gesteigert. Am Boden konnten jedoch bis heute keine Schadstoffeinträge aus Treibstoffablass nachgewiesen werden, schreibt das UVEK. (dwi/watson.ch)