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Warum FDP-Politiker besonders eitel sind

Faltenfreie Haut, weisse Zähne oder volleres Haar: Nicht nur Prominente – auch Politiker helfen bei ihren Fotos der Natur gerne mal ein bisschen nach. Die Forschung zeigt: Das zahlt sich aus.

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Das Parlament der Eitelkeit
8 Bilder
Peter Malama - selbst eingefügt
Liliane Maury-Pasquier - offizielles Parlamentarierfoto
Liliane Maury-Pasquier - selbst eingefügt
Helen Leumann - offizielles Parlamentarierfoto
Helen Leumann - selbst eingefügt
Doris Fiala - offizielles Parlamentarierfoto
Doris Fiala - selbst eingefügt

Das Parlament der Eitelkeit

Jessica Pfister

Wie eitel sind unsere Bundeshauspolitiker? Um diese Frage zu beantworten, hilft es, die offiziellen Porträtfotos der Parlaments-Internetseite genauer ins Visier zu nehmen. Während dort die grosse Mehrheit der National- und Ständeräte mit ihrem traditionellen Legislaturporträt erscheint, gibt es einige wenige, die ihre Fotos ausgetauscht haben. Und man staunt: Auf dem neueren Bild sehen die – in der Zwischenzeit eigentlich älter gewordenen Politikerinnen und Politiker – jünger und frischer aus. Die Falten sind nicht mehr ganz so streng, die Haare – zumindest bei den Frauen – weniger grau und besonders auffallend: Die Zähne sind leuchtend weiss.

Michael Stahl, Fotograf der offiziellen Porträts, versichert: «Bei unseren Fotos wird nichts retouchiert.» Es sei heute aber gang und gäbe, dass Politiker für die eigene PR ihre Bilder bearbeiten lassen. Daniel Schweizer, der bei den Parlamentsdiensten für die Betreuung der Fotos zuständig ist, weiss: «Es sind immer etwa die gleichen, die ihre Fotos auswechseln wollen.»

Bei FDP-Ständerätin Helen Leumann sind die Unterschiede der Fotos frappant. Darauf angesprochen, erklärt sich die Luzernerin folgendermassen: «Ich bin schwierig zu fotografieren, weil ich seit einem Skiunfall ein schiefes Gesicht habe.» Es sei deshalb wichtig, dass ein Fotograf dies ausgleichen könne. Von den aufgehellten Zähnen weiss die 66-Jährige allerdings nichts: «Ich bleiche meine Zähne nicht, genauso wenig wie ich mir das Gesicht liften lassen würde.»

«Weil ich mich damit wohl fühle»

Ein «Zahnpasta-Lächeln» zeigen auch SP-Nationalrätin Liliane Maury-Pasquier und FDP-Nationalrat Peter Malama auf ihren ausgetauschten Fotos. «Ich verwende überall das Bild mit dem grünen Hintergrund, weil ich darauf authentisch rüberkomme und mich damit wohl fühle», sagt Malama. Ob da rein per Photoshop die Zähne etwas aufgehellt wurden, ist dem 49-Jährigen nicht bekannt. «Jeder soll mit den Fotos machen, was er will, Hauptsache, man verändert sie nicht zu stark.»

Etwas anders ist die Lage bei Doris Fiala. Die 53-jährige Zürcherin hat ihr Foto bewusst ausgewechselt: «Ich habe seit der Wahl 2007 über 15 Kilo abgespeckt und wollte mit dem neueren Bild aktuell sein.» Und klar, man sei ja auch «etwas eitel». Für sie ist klar: «Wählerinnen und Wähler wollen sicher keine ‹Fotomodelle›, aber leider stimmt es, dass ein ‹Bild oft mehr sagt als 1000 Worte›.»

Dass Fiala damit recht hat, weiss Politologe Georg Lutz, der die Attraktivität bei Politikern untersucht hat. Für seine Studie legte er Personen die Wahlbilder von 744 Kandidaten der Parlamentswahlen von 2007 vor. Sie mussten bewerten, für wie kompetent und attraktiv sie die Person halten. Lutz verglich die Ergebnisse danach mit dem Wahlergebnis. Sein Fazit: «Schöne Kandidaten erhalten mehr Stimmen.» Zum einen liege dies daran, dass man attraktive Politiker als kompetenter und intelligenter einstufe. Zum anderen würde ein adretter Politiker oder eine hübsche Politikerin überhaupt stärker wahrgenommen. Christian Fichter, Fachmann für Image und politische Psychologie an der Kalaidosfachhochschule Zürich, weiss auch, warum: «Das menschliche Hirn beeinflusst anhand gewisser Merkmale, ob wir einen Menschen attraktiv finden oder nicht.»

Symmetrisches Gesicht, schöne Haut

So gelte beispielsweise ein symmetrisches Gesicht als attraktiv. Bei einem Mann seien es zudem markante Gesichtszüge und bei einer Frau komme glatte und ebenmässige Haut gut an. «Diesen äusserlichen Merkmalen schreiben wir dann auch vorwiegend positive Attribute wie Intelligenz, Sozialkompetenz oder Durchsetzungsfähigkeit zu.»

Dass die Politiker auf ihren Fotos gerade bei den Zähnen ein wenig schummeln, überrascht ihn nicht: «Zähne sind das Spiegelbild der Seele.» Aus geraden, weissen Zähnen schliesse man, dass jemand gesund, gewissenhaft und zuverlässig sei.

Auffallend: Die Parlamentarier, die ihre Foto ausgetauscht haben, sind fast alle FDP-Politiker. Ob es daran liegt, dass die Freisinnigen eitler sind oder sich einfacher besser zu vermarkten wissen, bleibt offen.