Die Osterreise der SVP-Politiker um Luzi Stamm und Ulrich Schlüer in den Iran hat es einmal mehr gezeigt: Schweizer Politiker im Land der Ayatollahs – sie sorgen hierzulande für Stirnrunzeln. Erinnert sei etwa an Micheline Calmy-Reys Kopftuch-Audienz von 2008 beim damaligen Präsidenten Achmadineschad oder an die beiden Grünen Geri Müller AG und Daniel Vischer ZH.

Letztere gerieten 2007 mit Äusserungen als «Iran-Versteher» in Verruf. Müller etwa, als er in der «Arena» des Schweizer Fernsehens Achmadineschad in Schutz nahm. Ausgerechnet den Mann, der keine Gelegenheit unversucht liess, in Vernichtungsfantasien schwelgend über Israel und die «Zionisten» herzuziehen.

Zurückgekehrt, verglich Müllers Kollege Vischer das Land mit einer «in vielerlei Hinsicht gelebten Demokratie». Zudem verbreitete er die iranische Sicht auf eine zivile Nutzung des Atomprogramms aufgrund des Korans, der den Bau einer Atombombe verbieten würde.

Gemeinsame Kritik an Sanktionen

Unsensibilität, Unwissenheit, gar Dummheit wurde den beiden Politikern vorgeworfen. Spätestens mit ihren Äusserungen hatten sie sich in die Antisemitismus-Ecke katapultiert. Anders die Iran-Reise der SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Ebenfalls 2007 reiste sie mit Kopftuch durch den Iran.

Im Gegensatz zu Müller und Vischer erregte sie damit aber kein Aufsehen. Hat Jacqueline Fehr die Antisemitismus-Falle also geschickt umgangen? «Ich bin nicht dorthin gereist, um hierzulande Aufruhr zu stiften», sagt sie. Ihr Interesse habe der Gesellschaft unter dem Eindruck der komplizierten Geschichte und der Sanktionen gegolten. «Die Sanktionen treffen vor allem die Bevölkerung, Irans Führung dagegen kaum.»

Auch Fotografen waren keine dabei, als Fehr mit einer Rechtsprofessorin der Uni Zürich in Teheran Politiker, Beamte und Wirtschaftsführer traf. Welch ein Kontrast zur Reise von Stamm und Co. Genüsslich zeigte etwa der «Blick» Fotos der SVP-Politiker. Ausgerechnet die Partei, die Calmy-Reys Kopftuchbesuch bei Achmadineschad am lautesten kritisiert hatte, verzichtete bei Treffen in Teheran mit der Krawatte auf ein Kleidungsstück, das den Westen und dessen kapitalistisches Wirtschaftssystem am stärksten symbolisiert. Dabei kritisierten auch Stamm und Co. die Sanktionen. Von den Grossmächten wie den USA und der EU aufgebrummt, müssten sich Kleinstaaten wie die Schweiz strikte daran halten. Selber aber machten die USA etwa Geschäfte mit Coca-Cola.

Schweizer Politiker zieht es in den Iran. Sie kehren mit unterschiedlichen Argumenten zurück. Wer nach Teheran reist, tanzt auf schlüpfrigem Parkett. Ob die Antisemitismusfalle zuschnappt oder nicht – gewisse Klänge begleiteten all diese Reisen: derzeit vor allem antiamerikanische.