Schneechaos
Warum es im Januar so viel schneit und trotzdem ein neuer Wärmerekord erwartet wird

Anhaltende Strömungen aus West und Südwest bringen milde und feuchte Luft aus dem Atlantik nach Westeuropa – und damit einen Rekordjanuar.

christoph bopp
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Warum schneit es so viel und ist es im Januar so warm?
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Verschüttete Autobahn A2 zwischen der Wilerplanggen und der Ripplistal-Galerie
Die Aufräumarbeiten sind im Gange.
Das Nordportal auf der Autobahn A2 mit obligatorischer Ausfahrt nach Airolo. Die Strassen und Eisenbahnen bleiben in Airolo wegen eines Erdrutsches auf der Autobahn A2 geschlossen.
Das Nordportal auf der Autobahn A2 mit obligatorischer Ausfahrt nach Airolo. Die Strassen und Eisenbahnen bleiben in Airolo wegen eines Erdrutsches auf der Autobahn A2 geschlossen.
Verschüttete Autobahn A2 zwischen der Wilerplanggen und der Ripplistal-Galerie
Verschüttete Autobahn A2 zwischen der Wilerplanggen und der Ripplistal-Galerie
Verschüttete Autobahn A2 zwischen der Wilerplanggen und der Ripplistal-Galerie
Verschüttete Autobahn A2 zwischen der Wilerplanggen und der Ripplistal-Galerie
Beim von der Schlammlawine betroffenen Fahrzeug handelt es sich um einen Lieferwagen mit deutschen Kontrollschildern. Das Fahrzeug ist auf die Schlammlawine aufgefahren. Der Fahrer konnte sich selber befreien und blieb unverletzt.
Eine Lawine ist am Montagabend auf der Nord-Süd-Verbindung A2 niedergegangen.
Ganz in der Nähe von Zermatt ging am Montagnachmittag eine Lawine nieder.
Ein Murgang blockiert am Montag die BLS Bergstrecke oberhalb von Gamsen im Gemeindegebiet Naters.
Aufgrund ergiebiger Schneefällen und Regenschauer erfolgte eine Schlammlawine, die sich über das Geleise bewegte.
Schneechaos im Engadin.
Die riesigen Neuschneemengen erlauben derzeit in Davos keine Kundgebung.
Schneepflüge im Einsatz. Aufgrund des starken Schneefalls ist die Strecke zwischen Fiesch und Oberwald (Wallis) gesperrt.
Andermatt (UR) ist einer von fünf Bergsportorten, die von der Aussenwelt abgeschnitten sind.
Ein Rundgang durch das verschneite Andermatt.
Die Gemeindenachrichten waren online wohl einfacher erhältlich.
Autos, Geleise oder Werbeplakate versinken in Goms im Schnee.
Der Schnee hat auch Davos im Griff: Polizisten schaufeln den Weg vor dem Kongresszentrum frei, wo morgen das WEF startet.
Zermatt und Andermatt sind von der Aussenwelt abgeschnitten und nur noch über Luft erreichbar.
Zurzeit befinden sich rund 9000 Touristen in Zermatt.
Aufgrund erhöhter Lawinengefahr sind die Strassen nicht mehr befahrbar.
Laut SRF Meteo kommen bis Dienstagmorgen im Alpenraum noch einmal grosse Neuschneemengen zusammen.
Gebietsweise seien schon bis zu drei Metern Schnee gefallen.
Eine Familie wartet mit ihrem Gepäck auf den Hubschrauber.
Zermatt ist wegen heftigen Schneefalls von der Aussenwelt abgeschnitten.
Zermatt kann nur über einen Helikopter erreicht oder verlassen werden.
Die Menschen stehen Schlange, um ein Ticket für den Helikopter zu ergattern, der sie aus Zermatt fliegt.
Der Andrang ist gross.
Die Air Zermatt bestreitet die Luftbrücke.
Schneeräumung in Täsch.
Weitere Bilder aus Zermatt und Täsch.

Warum schneit es so viel und ist es im Januar so warm?

URS FLUEELER

Das Winterwetter bei uns wird bestimmt durch das Islandtief im Norden und das Azorenhoch im Süden. Sind die beiden Gebiete ausgeprägt, herrscht also ein grosser Druckunterschied, entsteht eine Westströmung. Dann werden die Winter allgemein feucht. Ist der Druckunterschied niedrig, strömt kalte Luft vom Kontinent her nach Zentraleuropa und die Winter werden eher trocken und kalt.

Rekordwarmer Januar

Im Moment haben wir West- und sogar Südwestströmungen. Sie bringen mildfeuchte Atlantikluft in den Alpenraum. Warm ist die Luft wegen dem Golfstrom. Der Golfstrom führt warmes Wasser aus der Karibik nach Westen. Das lässt die Schneefallgrenze steigen. «Die fast ununterbrochene Zufuhr von milder Atlantikluft treibt die Monatsmitteltemperatur stark in die Höhe», sagt Stephan Bader von MeteoSchweiz.

In tiefen Lagen der Westschweiz rechnet MeteoSchweiz mit dem wärmsten Januar seit Messbeginn 1864 mit Temperaturen von 4 bis 5 Grad über der Norm von 1981-2010. In den tiefen Lagen der Ostschweiz und der Südschweiz dürfte es der zweitwärmste Januar seit Messbeginn werden. Die Temperaturen liegen 2 bis 4 Grad über der Norm. In den Bergen ist es nur leicht weniger warm.

In Valencia sei am Sonntag und Montag der Wärmerekord für Januar gebrochen worden - mit bis zu 26,6 Grad, berichtete die Weltwetterorganisation. In Montpellier in Südfrankreich fiel der Rekord für die wärmste Nachttemperatur im Januar: 14,5 Grad. In Teilen Spaniens lag die Temperatur sieben bis zehn Grad über dem für diese Jahreszeit üblichen Mittel.

«Diese häufigen Tiefdruckgebiete führten zu einer hohen Niederschlagstätigkeit», sagt Bader. Auch der Lawinenwinter von 1999 war tiefdruckbestimmt. Die einströmende Luft kaum aus Nordwesten und war etwas kälter. Aber auch damals war es im Mittelland mild und schneefrei. Ob es dabei auch noch stürmt, spiele dabei keine Rolle.

Sturmtiefs entstehen in der sogenannten Frontalzone, wenn sich in der Westströmung am südlichen Rand des Tiefdruckgebietes im Norden bei Schottland kleine Tiefs lösen, erklärte SRF-Meteorologe Felix Blumer am Samstag in der «Wetterwoche». Sie werden durch den «Zahnradeffekt» beschleunigt, weil die Tiefs im Norden im Gegenuhrzeigersinn drehen und das Azorenhoch im Uhrzeigersinn. Wenn wir uns in der Frontalzone befinden, gibt es meistens mehrere und auch heftige Stürme. Das war 1989/90 der Fall, als «Vivian» vier Tage lang wütete, oder im Winter 1999/2000 bei «Lothar». Das letzte Mal war es «Andrea» im Winter 2011/2012.

Die Kälte kommt aus Sibirien

Auf das Wochenende haben die Meteorologen nun noch einmal Schnee prognostiziert. Wird es danach endlich kälter? Das hängt vor allem davon ab, ob sich der Druckunterschied zwischen Azorenhoch und Islandtief verringert oder sich die beiden Gebiete bewegen. Das würde den sogenannten NAO-Index (Nordatlantische Oszillation) ins Negative kippen lassen. Bei deutlich positivem NAO-Index entsteht die aktuelle deutliche Westströmung, bei negativem NAO-Index könnte sich die kalte Luft aus dem Norden durchsetzen.

«Richtig kalt» wird es, erklärte Felix Blumer, bei uns dann, wenn bei stabilen Hochdrucklagen kalte Luft aus Sibirien nach Zentraleuropa strömt. Dann kann es auch minus 30 Grad werden wie im Januar 1987. Fast so kalt war es während 14 Tagen auch im Januar 1985. Die letzte Kälteperiode erlebte die Schweiz im Winter 2012.